Verfasst am: 12.11.11 09:00
Von: Martin Dichler
20 Jahre EVA Air
Seit zwei Jahrzehnten landen EVA Air-Maschinen regelmäßig in Wien-Schwechat.

Fotos, wenn nicht anders angegeben: Martin Dichler
Als am 12. November 1991 eine Boeing 767-300 der taiwanesischen EVA Air um acht Uhr morgens am Flughafen Wien landete, begann eine Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält.
Am Abend des 11. November verabschiedeten der Gründer der weltbekannten Evergreen Group, Yung-fa Chang, und der EVA Air Präsident Hsu in Taipeh die ersten Passagiere zum Jungfernflug nach Österreich.
Zwei Jahre zuvor, am 29. März 1989, wurde EVA Air als erste private Fluggesellschaft Taiwans gegründet. Dahinter steht mit Chang Yung-fa ein Geschäftsmann, der mit Frachtschiffen vom wirtschaftlichen Boom des aufstrebenden Taiwans profitierte.

Der Gründer der Evergreen Group, Chang Yung-fa, am 1. September 1988 bei der Bekanntgabe seiner Pläne eine internationale Airline zu gründen. (C) EVA Air
Eva Air hebt ab
Der Erstflug der neu gegründeten EVA Air fand am 1. Juli 1991 auf der Strecke Taipeh-Bangkok statt.

Die "Ribbon Cut" Zeremonie anlässlich des ersten internationalen EVA Air Fluges - BR 211 nach Bangkok. (C) Eva Air
Die Airline startete mit sechs zweistrahligen Boeing 767-300ER. Innerhalb von nur zwölf Monate wurden fünf asiatische Destinationen sowie die erste Langstreckenverbindung nach Wien aufgenommen. EVA kooperierte bei der Ausbildung und der Wartung der Flugzeuge mit ANA und Alitalia.
In den ersten Jahren saßen im Cockpit hauptsächlich amerikanische und europäische Piloten. Nachdem dem wirtschaftlichen Aufstieg Taiwans, das Bruttonationalprodukt ist heute fast viermal so stark wie das der Festlandchinesen, stieg auch die Nachfrage nach Auslandsreisen. Alleine im ersten Jahr stieg die Anzahl der beförderten Passagiere auf den Strecken zwischen Taiwan und den Vereinigten Staaten um 63 Prozent. EVA Air reagierte: Für 3,6 Milliarden US-Dollar bestellte sie 26 Flugzeuge bei McDonnell Douglas und Boeing.
Das Geheimnis der Wien-Strecke
Als erste europäische Destination wurde Wien im Jahr 1991 in das schnell wachsende Streckennetz der Gesellschaft aufgenommen. Während in den letzten zwei Jahrzehnten verschiedenste asiatische Airlines scheiterten, fliegt EVA Air seit 20 Jahren ununterbrochen nach Wien. Das Geheimnis dahinter: Die Airline legt zwischen Wien und Taipeh einen Zwischenstopp in Bangkok ein. Jährlich nutzen tausende österreichische Thailand-Urlauber seitdem das Angebot der Gesellschaft ab Wien.
Doch auch die Taiwanesen lieben Wien: Zwischen 1998 und dem Jahr 2010 hat sich die Zahl der Gäste aus Taiwan in Österreich auf 38.600 Besucher verdreifacht. Alleine zwischen Jänner und September 2011 weist Taiwan in Wiens Nächtigungsstatistik ein Plus von 22 Prozent aus.
Das Service-Konzept von EVA Air
Als 1992 die Boeing 747-400 Combi in der Flotte von EVA Air integriert wurde, konnte man erstmals auch die damit neu eingeführte „Evergreen Deluxe Class“ seinen Kunden anbieten.

(C) Eva Air
Dieses zwischen Economy und Business Class angesiedelte Bordprodukt bot den Passagieren einen großzügigen Sitzabstand von 97 Zentimetern, einen eigenen Check-In Bereich und ein verbessertes Bordservice. Ab 31. Oktober 1993 kam die Boeing 747-400 auch nach Wien zum Einsatz. In der Boeing 777-300ER wird die Klasse heute als „Elite Class“ angeboten.
Für weltweites Aufsehen sorgte die Airline 1993 mit der Ankündigung, zukünftig alle Flüge als Nichtraucherflüge zu führen. EVA Air war damals Vorreiter, heute sind alle Kabinen frei vom Zigarettenqualm.
In Sachen Sicherheit wollte man sich klar vom staatlichen Mitbewerber China Airlines unterscheiden. Die Investitionen machten sich bezahlt, im Jahr 1994 erhielt EVA Air das IATA Operational Safety Audit-Zertifikats. Seit 2004 befindet sich der Carrier unter den Top 10 der sichersten Airlines.
EVA Air-Frachtflügen nach Wien
Nachdem die Evergreen Maritime Corp. sich zum führenden Unternehmen im Schiffsfrachtverkehr entwickelte, verstärkte man ab 1995 auch bei der Airline-Tochter die Frachtsparte und bestellte fünf Frachtmaschinen des Typs MD-11F.
Im Herbst 2003 wurden erstmals Frachtflüge nach Wien aufgenommen. Pro Flug konnten bis zu 35 Tonnen Fracht nach Wien geflogen werden. Der weltweite Luftfrachtverkehr der Evergreen Group wurde mit Boeing 747-Frachtern ausgebaut. 2010 flog EVA Air Cargo mit einer Boeing 747-400F auf der Rotation Taipeh-Dehli-Wien.
Ein Jahr später strich man die zwei Frachtflüge und ersetzte das Flugzeug durch LKW's, die Container vom EVA Air Cargo Hub in Brüssel nach Wien transportieren. Die Cargo-Sparte erwirtschaftete 2010 knapp die Hälfte des Umsatzes.
Was die Zukunft nach Wien bringt...

Seit 2004 wird nach Wien ein A330-200 eingesetzt.
Der A330 von EVA Air ist in einer Zwei-Klassen Konfiguration für insgesamt 252 Passagiere ausgelegt und verfügt - zum Bedauern vieler Passagiere - über keine „Evergreen Deluxe Class“ mehr.

Im Frühjahr 2011 flog EVA Air einige Rotationen mit Boeing 777-300ER nach Wien.

Die Business Class der Triple 7

Die Economy Class in der Boeing 777-300ER
„Wir hoffen, 2013 wieder mit einer Triple Seven nach Wien zu kommen“, versprach der Europachef Timothy Yang anlässlich des 20-jährigen Jubiläums in Wien. Das klingt nach einer fixen Zusage, die EVA Air-Destination VIE auch in den nächsten 20 Jahren auszubauen.