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Von: Roman Payer

Verfasst am: 14.07.11 13:20

Altenrhein: Flugbetrieb ohne Konzession

Für den Flugplatz St.Gallen-Altenrhein (ACH) hat der Schweizer Bundesrat in der Vorwoche beschlossen, dass ACH "bis auf Weiteres" nicht konzessioniert werde. Am Flugbetrieb soll sich nichts ändern.

Im Anflug auf Altenrhein. (Foto: Thomas Posch)

Im Anflug auf Altenrhein. (Foto: Thomas Posch)

Der Schweizer Bundesrat hat in der Vorwoche den Flugbetrieb des Flughafens Altenrhein diskutiert. Ein Objektblatt des Sachplans Infrastruktur der Luftfahrt (SIL) für den Flugplatz St. Gallen-Altenrhein wurde genehmigt. Dieses Objektblatt setzt den Rahmen für den Betrieb und die Infrastruktur des Regionalflugplatzes. Eine Konzessionierung des Flugplatzes St. Gallen-Altenrhein wird es aber in absehbarer Zeit nicht geben.

Mit dem Objektblatt reguliert der Schweizer Bundesrat den Betrieb und die dazu erforderlichen Anlagen wie Pisten, Rollwege und Gebäude in ACH. Das Papier beschreibt die Rolle des Flugplatzes, definiert die möglichen Betriebsformen und legt die Grenzen des zulässigen Fluglärms in Form von Belastungskurven fest.

Für den Flughafen wird sich „kurz- und mittelfristig“ nichts ändern, erklärte Flughafen-Chef Armin Unternährer gegenüber Austrian Aviation Net. „Wir brauchen keine Konzession, um den Betrieb im heutigen Rahmen abwickeln zu können. Eine Konzession würde notwendig wenn wir den Linienverkehr massiv ausbauen wollten. Das ist aber ohnehin nicht unsere Absicht.“ Für den Linienverkehr ist in Altenrhein derzeit nur die Strecke nach Wien-Schwechat genehmigt. Neben Austrian Airlines fliegt auf dieser Strecke seit März auch die zum Flughafen Altenrhein gehörende People’s Viennaline.

Die rechtliche Situation in Altenrhein ist kompliziert: Der Flugplatz liegt zwar in der Schweiz, grenzt aber direkt an Österreich. Die Vorarlberger Anrainergemeinden sprechen sich seit Jahren gegen eine Konzession nach Schweizer Recht aus. Das Schweizerische Luftfahrtsgesetz besagt, dass jeder Flughafen mit Linienverkehr konzessioniert sein muss. Als dieser Artikel ins Gesetz aufgenommen wurde, hatte der Airport in Altenrhein aber bereits Linienverkehr und war nicht konzessioniert. Es handelt sich hierbei um eine Art Besitzstandwahrung. Für den Linienverkehr zwischen Altenrhein und Wien gibt es eine Sondergenehmigung.

Hintergrund der Diskussion im Bundesrat waren Koordinationsgesprächen mit dem Kanton St. Gallen, den Nachbarkantonen sowie den betroffenen Gemeinden und dem österreichischen Bundesland Vorarlberg. Nach schweizerischem Luftfahrtgesetz benötigen Flugplätze mit Linienverkehr eine Betriebskonzession. Österreich lehnt jedoch eine Konzessionierung des Flugplatzes St. Gallen-Altenrhein ab und hat dies im Rahmen der Anhörung zum SIL-Objektblatt auch so geäußert. Deshalb wird bis aktuell auf eine Konzessionierung verzichtet. Eine solche soll allenfalls im Einvernehmen mit Österreich erfolgen.

Die wesentlichen Punkte des genehmigten Objektblatt für den Flugplatz St. Gallen-Altenrhein:

•    Der Flugplatz ist von regionaler Bedeutung. Seine Entwicklung richtet sich nach dem regionalwirtschaftlichen Bedarf. Obergrenze für die Entwicklung bilden die Lärmkurven. Es werden keine Erleichterungen nach Lärmschutzverordnung (LSV) gewährt.
•    Der Flugplatz St.Gallen-Altenrhein bleibt ein privates Flugfeld und wird bis auf Weiteres nicht eine öffentliche, konzessionierte Anlage.
•    Der Flugplatz wird im bisherigen Rahmen weiterbetrieben. Die Grundlagen dafür finden sich insbesondere im Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Österreich und dem bestehenden Betriebsreglement.
•    Mittelfristig sollen die Voraussetzungen für einen massvollen Ausbau des Flugbetriebs mit verstärktem Linienangebot geschaffen werden. Bei einem solchen Ausbau ist die Zahl der Flugbewegungen auf jährlich 36.500 begrenzt.

Die Deckelung der Flugbewegungen auf 36.500 sei für den Geschäftsführer des Flughafens Armin Unternährer kein Problem. Im Moment hätte man in Altenrhein an die 30.000 Flugbewegungen pro Jahr und das obwohl derzeit zwei Fluglinien, AUA und Peoples Viennaline, dreimal täglich ACH-VIE fliegen. Neben dem Linienverkehr nach Wien fokussiert sich der Regionalflugplatz auf Charterflüge in Urlaubsdestinationen. Hier sei ein Wachstum möglich, ein Ausbau der Linie gilt wegen der rechtlichen Situation aber als unwahrscheinlich.



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