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Von: Jan Gruber

Verfasst am: 19.09.12 10:45

OLT-Express-Chef Joachim Klein im Interview

Die durch die Übernahme der Contact Air gewachsene OLT Express Germany wird in wenigen Wochen ihr neues Flugprogramm starten. Austrian Aviation Net sprach dazu am Montag mit Geschäftsführer Prof. Dr. Joachim Klein über die Expansion, die Sicherung von Arbeitsplätzen, Flugzeuge und auch darüber, wo er am besten vom Alltag ausspannen kann.

Prof. Dr. Joachim Klein lehrt auch an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken. (Foto: OLT Express Germany)

Prof. Dr. Joachim Klein lehrt auch an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken. (Foto: OLT Express Germany)

Eine der ältesten Fluggesellschaften Deutschlands, OLT Express Germany, startet in Kürze ein neues Regionalstreckennetz. Durch die Übernahme der Contact Air, ehemals Teil von Lufthansa Regional, wuchs die Flotte rasant auf 15 Flugzeuge an. Austrian Aviation Net sprach am Montag mit OLT-Express-Germany-Geschäftsführer Prof. Dr. Joachim Klein.

Austrian Aviation Net: OLT Express Germany wird in Kürze den Flugbetrieb auf den neuen Strecken starten. Sind Ihre Buchungszahlen erwartungsgemäß?

Joachim Klein: Wir haben derzeit noch keine belastbare Statistik zur Verfügung, alle neuen Strecken sind erst seit zwei Wochen buchbar. Es zeigen sich jedoch bereits sehr gute Ergebnisse für die Tagesrand-Verbindungen, wie wir das auch erwartet hatten. Andere Verbindungen sind erwartungsgemäß noch nicht so gut gebucht. Aber die klare Tendenz ist, dass die für Geschäftsreisende wichtigen Flugverbindungen im Tagesrand sehr gefragt sind.

AANet: Auf Ihrer neuen Homepage konnten wir nur auf einer Strecke im Flugplan die Saab 2000 finden. Wohin sind diese Flugzeuge "verschwunden"?

Klein: Die Saab-Flotte wird natürlich weiterhin bei OLT Express Germany bleiben. Wir müssen derzeit aus technischen Gründen allerdings noch unterscheiden  zwischen dem Produkt "OLT alt" mit Schwerpunkt Bremen und "OLT neu". Beim "alten Produkt" gibt es Codeshares zum Beispiel auf der Strecke nach Zürich mit Swiss, die noch ins neue Buchungssystem migriert werden. Beide Systeme werden im Laufe der nächsten Monate zusammengeführt. 

AANet: Sind weitere Codeshare-Abkommen in Planung oder gibt es bereits konkrete Verhandlungen mit großen Airlines, für die Sie als Zubringer fliegen könnten?

Klein: Im ersten Schritt stellen wir sicher, dass die neue OLT Express mit der von Contact Air übernommenen Flotte an den Start geht und im eigenen System alles reibungslos funktioniert. OLT hat eine sehr lange und bewegte Geschichte mit vielen Aufs und Abs hinter sich, da ist es wichtig, dass wir gegenüber unseren Kunden Zuverlässigkeit beweisen und unseren Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz bieten. Wir sind grundsätzlich für neue Kooperationen offen, jedoch gibt es im Moment keine konkreten Gespräche.

AANet: Der ehemalige Air-Berlin-Generaldirektor Joachim Hunold bezeichnete die Fokker 100 vor einigen Jahren als spritfressendes und nicht wirtschaftlich zu betreibendes Muster. OLT Express betreibt zahlreiche Flugzeuge dieses Typs. Denken Sie hier bereits an einen Ersatz oder den Ausbau der Flotte?

Klein: Wir konzentrieren uns derzeit darauf, dass wir mit unseren 15 Flugzeugen unsere neuen Strecken fliegen, und für das bestehende und geplante Programm ist die Fokker 100 ein sehr gutes Fluggerät. Natürlich haben wir uns auf dem Markt auch nach vergleichbaren Regionalflugzeugen umgesehen, aber die Treibstoffersparnis und das erforderliche Investment stehen im Moment in keiner Relation. Fluggeräte der allerneuesten Generation wie die Bombardier C-Series werden gegenüber der Fokker 100 deutlich weniger Treibstoff benötigen, aber sie kommen erst in einigen Jahren auf den Markt. Wir werden uns zu gegebener Zeit mit diesem Thema beschäftigen. Mittelfristig setzen wir auf die Fokker 100, die ein zuverlässiges und hochwertiges Regionalflugzeug ist. Und so viel mehr Treibstoff als etwas modernere 100-Sitzer benötigt eine Fokker 100 nun auch wieder nicht. Unsere Fokker 100 sind zudem äußerst gut gewartet und mit hochwertigen Ledersitzen ausgestattet – ganz wie man es von einer guten Airline erwarten kann. Unsere Saab-Turboprops sind ebenfalls in sehr gutem Zustand, sie bieten dem Kunden ein sehr gutes Produkt bei jetähnlicher Reisegeschwindigkeit. 

AANet: Sie übernehmen von Air Berlin die Strecke von Karlsruhe/Baden-Baden nach Hamburg und bekommen hier im Januar Konkurrenz durch die österreichische Regionalfluggesellschaft InterSky, deren Chefin Renate Moser uns in einem Interview auf der ILA sagte, dass sie ihren Q300-Turboprop für wirtschaftlicher hält. Wie sehen Sie das?

Klein: Den Treibstoffverbrauch muss man pro 100 Kilometer und pro Passagier berechnen, um einen seriösen Vergleich anstellen zu können. Der Turboprop verbraucht in der Tat weniger Kerosin, das ist uns bewusst. Wir betreiben ja schließlich auch Turbopropflugzeuge. Unsere Fokker 100 hat hingegen mehr Sitzplätze, ist bequemer, leiser und schneller als ein Turboprop. Wir haben mehr Sitze verfügbar und können so pro Flug mehr günstige Angebote machen. Zudem werden wir davon profitieren, dass sich Air Berlin von dieser Strecke zurückzieht, die ein gutes Passagieraufkommen hat, und wir nahtlos übernehmen: Air Berlin stellt die Verbindung ein, und wir übernehmen am folgenden Tag. Bei uns liegt der Oneway-Einstiegspreis bei 49 Euro, InterSky verlangt 99 Euro. Der Passagier wird entscheiden, wer das bessere Produkt anbietet. Kurz gesagt: Der Markt entscheidet, ob InterSky oder OLT Express auf dieser Strecke bessere Ergebnisse einfliegen wird. Er entscheidet auch, ob Platz für eine oder zwei Airlines ist. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt.

AANet: Sie sprechen gerade ein interessantes Thema an. Wann muss OLT Express erstmals Gewinne schreiben?

Klein: Unser Businessplan geht davon aus, dass wir Ende 2013 eine positive Bilanz einfliegen werden. Anfang 2013 wird das demnach wahrscheinlich noch nicht klappen, aber ab dem dritten Quartal und am Jahresende sollten wir kommendes Jahr schwarze Zahlen schreiben.

AANet: Gibt es weitere Flugangebote, die Sie ab Wien planen? Die Strecke Bremen - Wien war mal im Gespräch.

Klein: Die Strecke hatten wir in der Tat im Fokus und haben uns auch um die entsprechenden Slots gekümmert. Wir treiben unsere Expansion sukzessive voran, und wenn wir solide in der Luft sind, werden wir uns diese Strecke auch vornehmen. Wien wird von Saarbrücken, Dresden, Münster/Osnabrück und Karlsruhe/Baden-Baden aus angeflogen, und damit schaffen wir vielfältige neue Reisemöglichkeiten in Wien, die besonders auch für Geschäftsreisende geeignet sind. Die Strecke ab Münster/Osnabrück übernehmen wir von Air Berlin, nach Saarbrücken schaffen wir ein komplett neues Angebot.

AANet: Laut Air Berlin soll die Strecke zwischen Karlsruhe/Baden-Baden und Wien nicht sehr gut gelaufen sein. Zunächst versuchte man es mit Airbus A320 und Boeing 737, konnte diese nicht wirtschaftlich betreiben. Dann folgten der Embraer 190 von Niki, die Q400 und schließlich war sogar ein Subcarrier namens WDL im Einsatz. Man hört, dass die Strecke nicht sonderlich gut ging...

Klein: Wir werden die Strecke einmal täglich mit dem 100-Sitzer bedienen, und die Nachfrage dafür ist auf jeden Fall vorhanden. Ob es uns besser gelingt als Air Berlin, werden wir bald sehen. Die Buchungszahlen sind nach zwei Wochen Verkauf sehr gut und vielversprechend. 

AANet: In Berlin werden Sie den Flughafen Schönefeld anfliegen. Haben Sie keine Slots in Tegel bekommen?

Klein: Wir haben von Anfang an auf Schönefeld gesetzt und uns gar nicht um Tegel bemüht. In Schönefeld erwarten wir gerade im Winter eine größere Zuverlässigkeit. Dies ist für uns besonders wichtig, weil wir unsere Flugzeuge sehr produktiv einsetzen. Außerdem ist Schönefeld für den Punkt-zu-Punkt Verkehr derzeit eindeutig der bessere Flughafen. Zudem hat der Flughafen eine ordentliche Anbindung an die Stadt, und viele Punkte in Berlin sind von Schönefeld aus mit der Bahn oder der S-Bahn besser und preisgünstiger zu erreichen als von Tegel. Unabhängig vom konkreten Eröffnungstermin des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg wird langfristig nur noch von dort aus geflogen. Es macht aus unserer Sicht nicht viel Sinn, wenn wir in Tegel starten. Daher haben wir uns in Berlin auch gleich für Schönefeld entschieden und gar nicht daran gedacht, ab Tegel zu fliegen.

AANet: Sind durch die Expansion neue Arbeitsplätze entstanden?

Klein: Es geht uns mehr um den Erhalt von Arbeitsplätzen. Zusätzliche Stellen sind bisher nicht entstanden. Durch die Auflösung der Lufthansa-Verträge wäre bei Contact Air eine Flottenreduktion bis hin zur Schließung des Unternehmens unvermeidlich gewesen. Die Arbeitsplätze sind durch die Übernahme gesichert. Wir werden sehen, wo wir in den nächsten Monaten und Jahren mit unseren Mitarbeitern hinfliegen werden.

AANet: Ihre ehemaligen polnischen Schwestergesellschaften haben vor einigen Wochen den Flugbetrieb eingestellt. Hatte das auch Auswirkungen auf OLT Express Germany?

Klein: Wir haben natürlich zunächst befürchtet, dass wir durch die Namensgleichheit einen Imageschaden erleiden. Aber nun zeigt sich, dass die Insolvenzen auf die OLT Express Germany absolut keine Auswirkungen hatten. Beide Airlines waren unternehmensrechtlich immer vollkommen unabhängig voneinander, das hat der Markt schnell verstanden. Wir sind – im Gegensatz zu OLT Express Polen – schon sehr lange auf dem Markt und hatten immer ein eigenes Produkt, das von den ehemaligen polnischen Schwestergesellschaften vollkommen unabhängig war. Der Konkurs in Polen brachte uns außer einigen Anrufen in unserem Callcenter am Tag des Groundings keine Probleme. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir allerdings geplant, dass die Airlines näher zusammenrücken. Wir haben uns davon einige Synergien vor allem im Marketing versprochen, aber diese Frage hat sich durch die Insolvenz der ehemaligen Schwestergesellschaften erledigt. Wir haben in sehr kurzer Zeit unsere Planungen umgestellt, einen neuen Investor gefunden und treiben unsere Expansion wie ursprünglich geplant voran.

AANet: Sie fliegen sehr viele Nischenstrecken. Liegt die Zukunft ihrer Meinung nach eher beim Turboprop oder beim Jet?

Klein: Historisch bedingt betreiben wir beides. Mit der Fokker 100 haben wir einen Jet in der Flotte, der dem Kunden ein sehr gutes Produkt bietet. Mit der Saab 2000 haben wir einen sehr guten und insbesondere schnellen Turboprop in der Flotte, der ebenfalls sehr komfortabel ist. Wir können also sehr gut den Vergleich ziehen. Ich denke daher, dass viele Strecken für den Turboprop sehr gut geeignet sind, aber im Wettbewerb mit dem Jet unterliegen. Denn der Kunde wird sich - wenn er die Wahl hat - für den Jet entscheiden. Auf der wirtschaftlichen Seite kommt es auf verschiedene Faktoren an, vor allem auf das Passagieraufkommen auf der jeweiligen Strecke. Wir können dann entscheiden, ob die Saab 2000 oder die Fokker 100 das bessere Fluggerät ist. Unser neuer Flugplan ist primär auf den Einsatz der Fokker 100 ausgelegt.

AANet: Welche Ziele haben Sie sich persönlich als Geschäftsführer der OLT Express Germany gesteckt?

Klein: Ich möchte vor allen Dingen ein gutes Produkt aus der Nische heraus entwickeln, denn wir sind nicht an den großen Flughäfen aktiv, sondern an den Regionalflughäfen. Die werden derzeit von den großen Airlines nach und nach vernachlässigt. Hier gab es vielfach ein gutes Passagieraufkommen, das nun wieder reaktiviert werden muss. In Bremen sind wir bereits seit langer Zeit erfolgreich tätig, in Münster/Osnabrück sehen wir ein sehr gutes Potential, das wir in Fluggäste umzuwandeln müssen. Mein Ziel ist es, dass wir unsere 15 Flugzeuge profitabel betreiben und die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter langfristig sichern können. Gemeinsam mit unserem Eigentümer können wir dann über die nächsten Schritte wie die Weiterentwicklung des Streckennetzes reden. Es wären sicherlich noch einige neue Tagesrandverbindungen möglich. Um es auf einen Nenner zu bringen: Mein Hauptziel ist es jetzt, für unsere Kunden mit unseren 15 Flugzeugen ein gutes Produkt anzubieten.

AANet: Das klingt fast nach Ihrer Zeit bei Germanwings wo Sie "Aufbau-Geschäftsführer" waren. Ist ihr aktueller Job mit jenem, den Sie bei Germanwings gemacht haben, vergleichbar?

Klein: Zunächst einmal war ich ab 2000 Vorstand der Eurowings AG und habe 2002 zusätzlich zu meinen Aufgaben dort die Geschäftsleitung und damit auch den Aufbau bei der Germanwings GmbH übernommen. Bis 2008 war ich Geschäftsführer der Germanwings, und die Flotte wuchs in dieser Zeit von fünf auf 29 Flugzeuge. Aufbau und Stabilisierung waren in dieser Zeit ein großes Thema. So gesehen habe ich vieles, was bei OLT Express ansteht, schon einmal erlebt. Bei OLT Express ist die Aufgabe etwas schwieriger, zum Beispiel durch den kurzfristigen Eigentümerwechsel. Bei Germanwings war die Eurowings Luftverkehrs AG Eigentümerin, bei der ich zeitgleich und bis 2010 Vorstand war. Es gibt also sehr viele Parallelen, und die Erfahrung, die ich bei Eurowings und Germanwings sammeln konnte, hilft mir auf jeden Fall sehr bei meiner Tätigkeit für OLT Express.

AANet: Bei all der Aufbauarbeit brauchen Sie sicherlich auch mal eine Pause. Wann und wie können Sie sich entspannen?

Klein: Ganz klar zu Hause am Wochenende bei meiner Familie. Ich bin fünf Tage in der Woche unterwegs und dazu unterrichte ich auch an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken. Gemeinsam mit meiner Familie kann ich mich am besten entspannen und den beruflichen Alltag ein wenig hinter mir lassen.

AANet: Herr Professor Klein, wir danken Ihnen für das Interview.l



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