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Von: Jan Gruber

Verfasst am: 09.09.15 17:07

Nachgefragt bei der Vereinigung Cockpit

Germanwings-Piloten sollen zu Lufthansa wechseln.

Der Flugbetrieb der Germanwings-GmbH soll keine Zukunft mehr haben (Foto: Andy Graf).

Der Flugbetrieb der Germanwings-GmbH soll keine Zukunft mehr haben (Foto: Andy Graf).

Die Stimmung unter den Lufthansa-Passage, Lufthansa-Cargo-, und Germanwings-Piloten soll ein wenig gereizt sein und sich durch die durch das Landesarbeitsgericht Hessen erlassene Einstweilige Verfügung nicht gebessert haben. VC-Sprecher Markus Wahl meint, dass es dem Cockpit-Personal ganz ordentlich in den Knochen sitzen würde, dass Lufthansa ein "deutliches Angebot" ausgeschlagen habe.

Dennoch fühlt sich die Vereinigung Cockpit in der Öffentlichkeit, insbesondere der neuen Konzerngesellschaft Eurowings Europe mit Sitz im österreichischen Wien, falsch verstanden. "Wir haben nichts gegen Eurowings Europe. Wenn die Lufthansa-Konzernleitung der Meinung ist, dass man damit Geld verdienen kann, dann ist das gut und richtig so", so Wahl im Gespräch mit Austrian Aviation Net. "Was uns aber Sorgen bereitet ist, dass das günstigere Eurowings-Europe-Personal auf Strecken, die bislang von Germanwings bedient werden, eingesetzt wird. Neue Strecken hingegen begrüßen wir."

Hier gelte es analog der Vereinbarung betreffend Swiss und Lufthansa auf der Route Frankfurt-Zürich entsprechende Lösungen zu finden. "Ob Eurowings Europe bis zu 50 Prozent oder gar nicht ab Deutschland fliegen soll, gilt es noch zu verhandeln", so Wahl. "Der Flugbetrieb von Germanwings hingegen hat unserem aktuellen Informationsstand nach keine Zukunft. Die Piloten sollen zur Lufthansa wechseln und das Fluggerät an Eurowings abgegeben werden."

In der Vergangenheit dementierte Germanwings die schrittweise Schließung des eigenen Flugbetriebs stets vehement. Es gäbe keine solchen Pläne hieß es. Der Vereinigung Cockpit nach soll es aufgrund einer Zusage der Konzernleitung zu keinen Kündigungen kommen, so dass sich der Übergang des fliegenden Personals auf Lufthansa und des Fluggeräts auf Eurowings einige Zeit hinziehen dürfte.

Der Eindruck, dass der Vorstand der Deutschen Lufthansa AG den Einfluss der Vereinigung Cockpit loswerden wolle, teilt Markus Wahl. Man habe Lufthansa Einsparungen in der Höhe von 500 Millionen Euro angeboten, dennoch wolle die Konzernleitung um Carsten Spohr nicht vom eingeschlagenen Kurs Abstand nehmen. Daher intensiviere man nun auch die Kontakte zu den österreichischen Kollegen der ACA und den Schweizern von Aeropers. 

Auf die Frage, ob eine Insolvenz der Lufthansa AG samt Betriebsübergang auf eine "neue Lufthansa" ein mögliches Szenario wäre, meinte Wahl: "Das ist doch einfach nur Panikmache, die verbreitet wird, um die 'bösen Piloten' in der Öffentlichkeit so darzustellen, dass Lufthansa wegen dieser unter Umständen Pleite gehen könnte. Ein Konzern der 1,5 Milliarden Euro Gewinn macht, ist weit von einem Konkurs entfernt." Dennoch würde das Management Schaden durch Streiks hinnehmen, statt zu verhandeln.

Die Fortsetzung der Arbeitskampfmaßnahmen steht noch in den Sternen. Man habe vor rund einer halben Stunde die schriftliche Urteilsausfertigung erhalten. "Diese ist äußerst umfangreich und wird nun von unseren Juristen bewertet. Es ist momentan noch zu früh hier eine klare Aussage zu machen wie es weiter geht", erklärt Wahl. "Es ist in Deutschland nicht gerade gewöhnlich, dass Arbeitskampfmaßnahmen durch Einstweilige Verfügungen untersagt werden."

Gestreikt werde ausschließlich betreffend der Übergangsversorgung und nicht wie von Lufthansa vor Gericht vorgebracht wegen der Wings-Pläne. "Lufthansa hat durch die Ablehnung unseres Angebots das Vertrauen zerstört und das gerichtliche Vorgehen gegen unseren Arbeitskampf statt zu verhandeln, verbessert die Situation nicht unbedingt."

Auf Austrian-Aviation-Net-Nachfrage erklärte ein Sprecher der Deutschen Lufthansa AG, dass die Fluggesellschaft die schriftliche Urteilsbegründung ebenfalls analysieren werde und um die rasche Wiederaufnahme des regulären Flugbetriebs bemüht sei. Ob die Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Hessen "überraschend" wäre oder nicht, wollte der Kranich-Medienreferent nicht kommentieren. Man habe allenfalls nun eine neue Situation.



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