Austrian Aviation Net - Das Magazin der österreichischen Luftfahrt
 
 
 
   
 

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Von: Martin Metzenbauer

Verfasst am: 23.03.10 06:00

Interview mit Claus Bernatzik, InterSky

Nicht erst die Folgen der jüngsten Wirtschaftskrise haben gezeigt, dass die Luftfahrt genauso unbeständig wie die Luft ist, in der die Flugzeuge unterwegs sind. So hat sich (freilich nicht nur durch das jüngste "Tief" verursacht) auch in der vermeintlichen Insel der Seeligen namens Österreich vieles verändert. Bei Austrian, NIKI, Welcome Air und Air Alps gibt es neue Eigentümerstrukturen, Robin Hood ist überhaupt in der Insolvenz gelandet und hofft auf den Rettungsanker namens Ausgleich.

Die letzten Monate haben den Eindruck hinterlassen, dass die ganze heimische Airlinebranche so durcheinander geschüttelt wurde, dass hier kein Stein mehr auf dem anderen geblieben ist. Vielerorts stimmt das auch. Aber überall? Nein! Eine Konstante in der überschaubaren Landschaft österreichischer Fluglinien leistet tatsächlich (zumindest bis jetzt) Widerstand gegen Insolvenzen, Übernahmen und ähnliche Veränderungen, die besonders in letzter Zeit "en vogue" waren.

Die 2001 gegründete InterSky ist vielleicht so etwas wie das bekannte gallische Dorf, in dem Asterix und seine Mannen erbittert Widerstand gegen die Römer leisteten. Und auch Geschäftsführer Claus Bernatzik sieht die Rolle seiner Fluglinie wie die der unbeugsamen keltischen Stämme. Statt gegen die Römer kämpft man freilich gegen ganz andere Gegner: Die allgemeine Flaute nach der Wirtschaftskrise, lästige Low Cost Carrier und hohe Flughafengebühren, die das Leben auch nicht gerade leichter machen.

Bis jetzt scheinen es Bernatzik und sein Familienbetrieb (gegründet wurde die Airline ja von Luftfahrt-Urgestein Rolf Seewald und seiner Frau Renate Moser – übrigens Bernatziks Mutter) recht gut geschafft haben, sich gegen diverse Widrigkeiten zu behaupten. Vielleicht ist einer der Gründe des Erfolges der Airline aber auch ihr Geburtsdatum: Wer im Herbst 2001 kurz nach 9/11 eine Fluglinie erfolgreich aus der Taufe gehoben hat, muss wohl wirklich so etwas wie einen Zaubertrank besitzen.

Dass InterSky den Alleingang wie die Gallier in ihrem kleinen Dorf unter Umständen beenden will, lässt Bernatzik allerdings im Austrian Aviation Net-Interview klar durchblicken. So wäre man einer Umarmung durch Lufthansa und Austrian vielleicht gar nicht abgeneigt. Aber lesen Sie selbst...

Austrian Aviation Net: Sie haben kürzlich starken Gegenwind von zwei Low Cost Carriern bekommen – zum einen in Graz mit Air Berlin, die sich auf ihre Strecke nach Tegel setzt und zum anderen in Friedrichshafen mit Germanwings, die in Konkurrenz zu InterSky nach Köln fliegt. Bekommen Sie es jetzt mit der Angst zu tun?

Claus Bernatzik: Es gibt da den passenden Ausspruch: "Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben". Die Situation jetzt ist für uns auch alles andere als neu. Wir haben seit 2007 Konkurrenz von der TUIfly und Air Berlin bzw. Ryanair in Memmingen – der Flughafen ist 70 Kilometer von hier entfernt und in einer dreiviertel Stunde erreichbar.

Zu den beiden angesprochenen Strecken: Graz-Berlin war wirtschaftlich noch nicht erfolgreich, aber auf einem guten Weg. Wir haben deswegen mit dem Flughafen Graz und dem Land Steiermark Gespräche geführt. Es gab hier aber gewisse Missinterpretationen in der Kommunikation und daher wurde angenommen, dass wir aus dem Markt hinauswollen. Daraufhin wurde ein neuer Partner gesucht und auch gefunden. Wir hatten bzw. haben immer noch Ziele auf der Graz-Berlin-Strecke, mit besseren Zeiten ab Graz.

Bei Friedrichshafen-Köln ist das allerdings etwas ganz anderes. Friedrichshafen ist unser gallisches Dorf und jetzt kommen die Römer. Ob es bei uns so ausgeht wir bei Asterix und Obelix, wird die Zukunft weisen.

Austrian Aviation Net: Was ist ihr Zaubertrank?

Claus Bernatzik: Der ist relativ einfach auf den Punkt gebracht: Wir lassen die Herzen höher fliegen. Wir sind nah am Kunden, wir haben mehr Frequenzen und wir kümmern uns um den Passagier. Und wir haben Nachhaltigkeit. Wir haben zwei Jahre lang geschafft, wirtschaftlich trotz der Kerosin- und dann der Wirtschaftskrise gegen Memmingen zu bestehen.

Austrian Aviation Net: InterSky mag zwar eine nette Airline sein, die die Herzen höher fliegen lässt – trotzdem spielt Germanwings über den Preis und geht mit unglaublichen Kampfpreisen in den Markt am Bodensee.

Claus Bernatzik: Wir werden auf der Strecke vollen Wettbewerbsdruck machen und auch unsere Preise anpassen. Man muss bedenken, dass auf dieser Route die Geschäftsreisenden 80% ausmachen – und in diesem Segment sind wir preislich mit einer Germanwings leicht vergleichbar. Außerdem haben wir bereits jetzt mit vielen Firmenkunden langfristige Verträge.

Austrian Aviation Net: Wie sieht jetzt ihr Verhältnis zum Flughafen Friedrichshafen aus?

Claus Bernatzik: Wir sehen uns weiterhin als treuer Partner – in nächster Zeit sind aber sicher ein paar Gespräche über die gemeinsame Zukunft zu führen. Angesichts der aktuellen Situation schauen wir uns allerdings auch andere Optionen und Alternativen an. Man muss auch sehen, dass wir in den letzten sechs Jahren € 10 Mio. an den Flughafen Friedrichshafen überwiesen haben. Wenn dieses Geld jetzt dazu verwendet wird, um andere Airlines zu fördern (es gibt anscheinend ganz klare Förderverträge), dann muss man sich als Flughafenbetreiber schon ein paar Fragen gefallen lassen.
 
Austrian Aviation Net: Sehen Sie andere InterSky-Strecken ab Friedrichshafen, die für Low Cost Carrier interessant sein könnten?

Claus Bernatzik: Natürlich. Ich bin mir sicher, dass Air Berlin die Situation hier mit Germanwings ganz genau beobachtet. Es liegt wohl eine interessante und turbulente Zeit vor uns aber ich bin mir fast sicher, dass die Region darauf kommt, dass man hier nicht ein Konzept braucht, wo man auf den Zug auf- und wieder abspringt, sondern einen nachhaltigen, regionalen Homecarrier.

Austrian Aviation Net: Was sagen Sie zu den Kosten auf den österreichischen Regionalflughäfen?

Claus Bernatzik: Die Bundesländerflughäfen unterscheiden sich nicht wesentlich von den deutschen Großflughäfen, aber sind um 50 bis 70% teurer sind als deutsche Regionalflughäfen. Deswegen ist hier vielleicht auch die Dynamik heraußen – Potenzial wäre vorhanden. Aber natürlich muss im Bundesländerverkehr auch das Volumen kommen.

Austrian Aviation Net: Wie sieht es jetzt nach dem Rückzug von der Berlin-Strecke mit der weiteren Entwicklung in Graz aus? Ihnen wurden ja Ambitionen nachgesagt, die Präsenz in der Steiermark zu verstärken?

Claus Bernatzik: Wir haben nach wie vor Ziele ab Graz. Ich glaube auch, dass der Flughafen gut beraten wäre, sich um einen Homebase-Carrier zu kümmern, der dort zwei oder drei Flugzeuge stationiert, einen mittelfristigen Plan hat und mit dem man sehr eng zusammenarbeitet. Großer Nachteil in Graz sind aber die angesprochenen hohen Kosten.

 

Austrian Aviation Net: Ein anderes Thema das in letzter Zeit immer wieder diskutiert wurde, sind die defizitären Bundesländerstrecken der AUA. Hier wird ja diskutiert, ob die Strecken nicht als Public Service Obligations (PSO) ausgeschrieben werden. Was sagen Sie dazu?

Claus Bernatzik: Das Thema ist ja in anderen Ländern nichts Neues – bei uns gibt es so etwas derzeit nicht, aber beispielsweise werden München-Erfurt oder Frankfurt-Hof mit PSOs betrieben. So etwas ist normal, legitim und sinnvoll. Wichtig ist dabei allerdings, dass hier alle zusammenspielen – es kann nicht sein, dass man zwar die Unterstützung von der öffentlichen Hand bekommt, der Flughafen dann aber die vollen Listenpreise verlangt.

Austrian Aviation Net: Würden Sie sich bewerben?

Claus Bernatzik: Ja, für die Strecken von Wien nach Graz, Klagenfurt und Linz.

Austrian Aviation Net: Welche Regionalflughäfen wären für Sie – abgesehen von den Strecken nach Wien und ihrem aktuellen Flugangebot – interessant?

Claus Bernatzik: An Graz sind wir wie gesagt weiterhin interessiert – nach dem Kommen und Gehen haben wir dort allerdings im Regionalverkehr verbrannte Erde. Salzburg ist stark bedient und hat ein großes Einzugsgebiet – allerdings gibt es auch die Nähe zu München. Linz ist sicher interessanter.
 
Austrian Aviation Net: Wo stehen Sie derzeit mit Ihrer Flottenplanung?

Claus Bernatzik: Wir haben hier gemeinsam mit der Uni Bad Honnef zwei Studien gemacht. Zum einen haben wir die Sitzplatzkosten der Dash 8-300 mit der Dash 8-400 verglichen – letztere ist um 20% billiger. Dieser Flugzeugtyp bedeutet also mehr Kapazität bei niedrigeren Kosten pro Passagier. Natürlich auch mehr Risiko, da man natürlich höhere Absolutkosten hat. Die andere Studie hat die Kosten der Dash 8-400 mit der ATR 72 verglichen – mit dem Ergebnis, dass beide im Wesentlichen gleich teuer sind.

Wir sind mit beiden Herstellern in Verhandlungen und wollten eigentlich bereits dieses Jahr die erste Auslieferung haben. Aufgrund der Wirtschaftskrise haben wir uns dann aber etwas Zeit gelassen. Das erste Flugzeug soll also nächstes Jahr bei uns eintreffen – ob ATR oder Dash ist noch nicht entscheiden.

Austrian Aviation Net: Ist die Dash 8-300 noch immer das richtige Flugzeug für Sie?

Claus Bernatzik: Wir werden in den nächsten Jahren noch immer eine oder zwei Dash 8-300 brauchen – entweder als Standby-Flieger oder für unsere Flüge nach Elba. Ich kann mir sogar vorstellen, dass wir für zwei oder drei Jahre auch noch zusätzliche Dash 8-300 aufnehmen.

Austrian Aviation Net: Sehen Sie InterSky mehr als Low Cost- oder als Regionalairline?

Claus Bernatzik: Genau dazwischen – als regionale Low Cost Airline. Man muss ja nicht alles neu erfinden – ich könnte mir vorstellen, dass wir hier in der Region das tun, was FlyBe in Großbritannien vormacht. Wir sind zwar keine Ryanair, bieten aber doch einen relativ hohen Prozentsatz an echten Günstig-Tickets.

Austrian Aviation Net: Wie läuft eigentlich Ihre Eco Premium Klasse?

Claus Bernatzik: Überraschend gut – obwohl ich immer wieder der Meinung war, dass wir so etwas nicht brauchen. Die Premium-Klasse bringt uns aber immerhin 5% vom Umsatz.

Austrian Aviation Net: Was sagen Sie zum Thema Luftfahrtpolitik in Österreich? Läuft das gut, läuft das schlecht, läuft das gar nicht?

Claus Bernatzik: Ich glaube, dass wir hier nicht mehr österreichisch, sondern europäisch denken müssen. Natürlich hat aber jeder Standort die Notwendigkeit, seine Wirtschaftsinteressen zu wahren – daher wird es auch immer eine regionale Luftfahrtpolitik geben, die aber dem europäischen Gedanken untergeordnet sein muss.

Austrian Aviation Net: In den letzten Jahren war die österreichische Luftfahrtlandschaft von einer Reihe von Übernahmen geprägt – können Sie es sich als Familienunternehmen leisten, ohne strategischen Partner zu bleiben?

Claus Bernatzik: Es wäre sicherlich in einem großen Verbund leichter und man müsste sich gewisser existenzieller Themen nicht mehr annehmen. Die Frage haben wir uns in letzter Zeit auch selbst des Öfteren gestellt. Hier muss man aber zwischen einer Besitz- und einer Betriebsgesellschaft unterscheiden. Ich sehe InterSky jetzt auch nicht als eine Flugzeughandel- oder Flugzeugfinanzierungsgesellschaft, sondern als Flugzeugbetriebsgesellschaft. Wir bewirtschaften Flugzeuge, wir müssen sie nicht besitzen.

Einen Partner im Bereich der Beteiligung müsste man sich anschauen. Wichtiger ist aber eine Partnerschaft auf dem Markt und im Vertrieb. Wenn man nach Amerika schaut, merkt man schon, dass die kleinen Airlines markttechnisch mit den großen verwoben sind.

Austrian Aviation Net: Gibt es einen solchen strategischen Wunschpartner?

Claus Bernatzik: Ich sage offen und ehrlich, dass wir uns der Lufthansa/Austrian-Gruppe seit Jahren verbunden fühlen. Wir sind als Rheintalflug für die Lufthansa geflogen, wir haben der AUA eine Fluggesellschaft verkauft und sie damals kennen gelernt. Wir könnten uns also in dieser Hinsicht Austrian Airlines gut vorstellen. Zu Air Berlin haben wir nicht so engen Kontakt – das wäre aber derzeit das andere Lager, das man sich anschauen müsste.

Austrian Aviation Net: Das letzte Jahr war ja eines der schwierigsten in der Geschichte der Verkehrsluftfahrt. Haben Sie das Gefühl, dass die Krise vorbei ist? Was erwarten Sie sich für heuer?

Claus Bernatzik: Wir gehen relativ positiv gestimmt in das Jahr 2010 hinein – vielleicht ist es aber bis zu einem gewissen Grad auch Zweckoptimismus. Wir kommen aus einem extrem niedrigen Niveau aus dem letzten Jahr – eigentlich kann es jetzt nur bergauf gehen.

Daher glaube ich auch, dass wir heuer ein leichtes Wachstum erzielen werden – interessant wird es jedenfalls, da massive Überkapazitäten auf den Markt geworfen werden. Da kommen dann Dinge wie 50-Minuten-Flüge mit dem Airbus A319 zwischen Friedrichshafen und Köln heraus.

2010 und 2011 werden also extrem spannende Jahre werden, 2012 sollte sich alles ein wenig eingependelt haben. Aber diese Zeit bietet extrem viele Chancen!



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