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Von: Roman Payer

Verfasst am: 02.03.12 14:10

"Vermisse den Betriebsrat bei Emirates nicht"

Der österreichische A380-Pilot Bernhard Karl im Interview mit Austrian Aviation Net

Fotos: Emirates Airline

Fotos: Emirates Airline

Bernhard Karl ist einer von aktuell drei Österreichern, die im Cockpit des größten Passagierflugzeuges der Welt sitzen. Seit 1999 fliegt der gebürtige Wiener für Emirates in Dubai. Davor war er drei Jahre lang Boeing 777-Pilot bei der damaligen Lauda Air. Begonnen hat seine Pilotenkarriere mit dem Segelflugschein im Alter von 16 Jahren. Neben dem Wirtschaftsstudium an der WU Wien machte er die Berufspilotenlizenz ATPL und flog anfangs Turboprop-Flugzeuge für kleinere Airlines, darunter auch im Kongo.

Seit mehr als eineinhalb Jahren ist Karl nun Kapitän des Airbus A380. Mit Austrian Aviation Net sprach er über die Arbeitsbedingungen bei Emirates, Karrierewege für Jungpiloten und natürlich, wie es sich anfühlt, den doppelstöckigen Riesenflieger zu steuern.

Austrian Aviation Net: Warum sind Sie zu Emirates gegangen?

Bernhard Karl: Emirates war immer schon attraktiv. Man fliegt hier nur mit Großraumflugzeugen und es werden immer neue Destinationen aufgenommen. Außerdem wird die Unterkunft gezahlt und die Schule für die Kinder wird auch übernommen. Ich kannte damals einen österreichischen Piloten bei Emirates, den habe ich angerufen. Der hat mich empfohlen, ich wurde zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen und so bin ich dann 1999 in Dubai bei Emirates gelandet.

AANet: War der rapide Expansionskurs damals schon bemerkbar?

Karl: Emirates war 1999 noch viel kleiner, aber die Expansion war schon im Gange. Ein paar Jahre, nachdem ich dort angefangen habe, bestand die Boeing 777-Flotte schon aus mehr als 50 Flugzeugen. Mittlerweile hat sich das Wachstum in Prozentzahlen etwas eingebremst, einfach weil die Airline schon so groß ist.

AANet: Ist der Expansionskurs nicht beängstigend?

Karl: Für mich nicht, aber ich denke, wir alle sind überrascht vom Tempo, das Emirates vorlegt. Wenn wir neue Flugzeuge bestellen oder neue Ziele anfliegen, sind viele immer sehr skeptisch. Aber in den 13 Jahren, die ich jetzt hier bin, hat Emirates die Versprechen immer gehalten oder sogar übertroffen.

AANet: Wie erklären Sie sich das?

Karl: Das hängt mit der geographischen Position Dubais zwischen Europa, Afrika und Asien zusammen. Mit acht bis zehn Flugstunden können so viele potentielle Passagiere erreicht werden. Das ist ein enorm großer Markt.

AANet: Das Motto „Schneller, höher, weiter“ betrifft nicht nur Emirates, sondern das ganze Emirat Dubai. Können Sie das Leben hier beschreiben.

Karl: Als ich angefangen habe, war Dubai eine kleine Stadt. In den letzten Jahren hat sich so viel verändert, das es schwer ist, es zu glauben. Ich wohne in den Emirates Hills, einer vollentwickelten Wohngegend mit Grünanlagen und Bäumen. Als ich begonnen habe, war das Wüste im Nirgendwo.

AANet: Erkennen Sie die Skyline von Dubai noch, wenn Sie von einem Langstreckenflug zurückkommen?

Karl lacht: So schnell geht’s dann doch nicht, aber wenn man von einem Urlaub zurückkommt, bemerkt man schon einige Veränderungen. Es wird einfach so viel gebaut.

AANet: Sie verfolgen sicher die Diskussion zu Emirates in Österreich und Deutschland. Was denken Sie als Österreicher, der bei Emirates arbeitet?

Karl: Ich kenne die Debatte und verstehe die Sorgen von Lufthansa und Austrian Airlines. Jeder versucht seinen Heimatmarkt zu schützen, aber ich kann das nicht kommentieren.

AANet: Betrachtet man die aktuellen Schwierigkeiten vieler Airlines auf der ganzen Welt, sind Sie froh bei Emirates zu sein?

Karl: Die hohe Jobsicherheit ist eigentlich der größte Vorteil. Wenn man sich die Situation von vielen Airlines in Europa ansieht, verlieren viele Piloten ihre Jobs, Flotten werden verkleinert und an den Kosten geschraubt. Dass das hier kein Thema ist, ist ein riesiger Pluspunkt für Emirates.

AANet: Warum denken Sie, dass die europäischen Fluglinien schrumpfen?

Karl grinsend: Wir kommentieren die Situation der Konkurrenz gewöhnlich nicht.

AANet: In Europa spielen Betriebsräte und deren mächtige Gewerkschaften eine große Rolle. Wie sieht das bei Emirates aus?

Karl: Es gibt in Dubai keine Gewerkschaften, das ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten gesetzlich verboten. Es gibt keine Gehaltsverhandlungen, die Gehälter werden vom Management vorgegeben.

AANet: Ist das kein Problem für Sie?

Karl: Nein, eigentlich nicht. Ich wusste, wie es hier abläuft, bevor ich mich für Emirates entschieden habe. Ich kann mich an Auseinandersetzungen bei Lauda Air erinnern. Ein Betriebsrat bedeutet nicht, dass man besser dran ist. Ich habe ihn jedenfalls bei Emirates noch nie vermisst.

AANet: Wie geht es Ihnen eigentlich damit, als demokratisch geprägter Mitteleuropäer in einer Diktatur zu leben?

Karl: Streng genommen sind die VAE eine Monarchie, es gibt sogar parlamentarische Wahlen. Ich bin als Ausländer nicht wahlberechtigt, daher betrifft mich das persönlich gar nicht. Ich vermisse das Wahlrecht nicht. Ehrlich gesagt, wüsste ich in Österreich auch nicht, wen ich wählen sollte.

Als sogenannter „expat“ wird man jedenfalls fair behandelt. Mir geht es finanziell gut, bin krankenversichert, es fehlt mir also an nicht, das ich im demokratischen Österreich hätte. Ich habe keinen Grund, das politische System in Frage zu stellen. Aber das muss jeder für sich entscheiden.

AANet: Sind Sie eigentlich noch oft in Österreich?

Karl: Ich bin fast jedes Monat für ein paar Tage in der Heimat auf Besuch bei der Familie.

AANet: Nachdem mittlerweile doch einige Österreicher bei Emirates arbeiten: Gibt es einen Stammtisch in Dubai?

Karl: Ich kenn zwar viele Piloten aus Österreich, man trifft sich auch immer wieder. Einen Stammtisch gibt es aber eigentlich nicht. Insgesamt sind wir etwas mehr als 20 Piloten, die Mehrheit flog früher für Tyrolean und einige kommen, so wie ich, von der ehemaligen Lauda Air. In der Kabine sind es derzeit noch deutlich weniger Österreicher, ich schätze so an die zehn Flugbegleiter.

AANet: Wie ist Emirates als ein Arbeitgeber für Piloten?

Karl: Als First Officer bekommt man ein Apartment, wenn man verheiratet ist und Kinder hat stellt Emirates sogar ein eigenes Haus zur Verfügung. Als Kapitän bekommt man von vornherein eine Villa. Ich habe mir aber mein Haus selber gesucht, dann zahlt Emirates einen Anteil an den Wohnkosten. Emirates zahlt auch 90 Prozent der Schulbildung von bis zu drei Kindern. Das Gehalt an sich ist vergleichbar mit den großen Fluggesellschaften. Ich kann nur mit Lauda Air vergleichen und da ist schon das Gehalt alleine ohne den Benefits wesentlich besser als unter Lauda.



AANet: Sie sind seit eineinhalb Jahren Kapitän des größten Passagierflugzeuges der Welt, dem A380. Wie fühlt es sich an, so einen Riesenvogel zu steuern?

Karl: Ich mag das Airbus-Konzept generell und der A380 ist sehr angenehm zu fliegen. Man fühlt die Größe während des Fluges kaum. Nur am Boden muss man beim Taxiing mehr aufpassen, dass man mit den Flügeln nirgends streift. Ich fahre die Kurven immer äußerst langsam, achte auf die enorme Spannweite von fast 80 Metern und schaue beim Parken öfters nach links und rechts. Die Parkpositionen sind nämlich teilweise recht eng.

AANet: Und in der Luft?

Karl: Während des Fluges verhält sich der A380 wie alle anderen Flugzeuge. Es ist sehr einfach zu handhaben, die Turbulenzen werden von der Software sehr gut ausgeglichen und es ist sehr leise, das leiseste Flugzeug in unserer Flotte. Zu den anderen Airbus-Modellen gibt es kaum Unterschiede. Beim Approach kann man mit dem A380 sehr schnell oder auch sehr langsam anfliegen, dass macht es vor allem für Fluglotsen leichter, den Flieger beim Landeanflug einzufädeln.

AANet: Sind sie eigentlich stolz?

Karl: Sicher, noch fliegen relative wenige Piloten den A380. Einer der ersten Österreicher zu sein, die mit dieses Flugzeug unterwegs sind, ist schon toll.

AANet: Was würden Sie heute einem jungen Österreicher empfehlen, der den Wunsch hat, Pilot zu werden?

Karl: Einige Airlines bieten sogenannte Ab-Initio-Programme an. Dabei übernimmt die Airline die Ausbildung. Emirates bietet das derzeit nur für Bürger der Vereinigten Arabischen Emirate an, es gibt aber Gespräche, das auszudehnen. Das Wichtigste ist jedenfalls, bald zu beginnen. Ich hatte den Segelschein, noch bevor ich den Führerschein machte. Es gibt unzählig viele Flugschulen, bei denen man die Fluglizenz auf eigene Kosten machen kann.

AANet: Bei Ihnen liegt die Ausbildung zum Piloten mehr als 20 Jahre zurück. Würden Sie sich heute angesichts der unsicheren Jobsituation nochmals so entscheiden?

Karl: Ja, ich denke schon. Die Situation für junge Piloten ist heute sogar besser. Weltweit gibt es einen Mangel an Piloten. Man muss es aber wirklich wollen und man muss flexibel sein. In Österreich oder Deutschland wird es in den nächsten Jahren kaum neue Jobs in den Cockpits geben. Dementsprechend limitiert sind die Jobchancen. Wem es aber nichts ausmacht, auf einem anderen Kontinent zu arbeiten, der findet sicher einen Job. Ich musste am Beginn meiner Karriere auch in den Kongo.

AANet: Wird der A380 das letzte Flugzeug, mit dem Sie fliegen?

Karl: Ich gehe davon aus. Ich bin jetzt 47, ich darf bis 65 fliegen, da kann sich noch einiges tun. In ein paar Jahren kommt der A350, aber eigentlich glaube ich, dass ich beim A380 bleibe.

AANet: Das hört sich so an, als würden Sie bei Emirates in Pension gehen?

Karl: Mit Sicherheit. Egal, wohin ich wechseln würde, es wäre ein Downgrade.

AANet: Letzte Frage: Würden Sie den A380 auch gerne nach Wien fliegen?

Karl: Natürlich, nur leider bin nicht einflussreich genug, das zu entscheiden.



 
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