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Von: Jan Gruber

Verfasst am: 18.01.13 11:00

Streik in Hamburg

Zwei Stunden nach geplantem InterSky-Flug waren erst drei Passagiere am Gate. Flughafen Hamburg empfiehlt nicht zum Flughafen zu kommen und die Airlines zu kontaktieren. Abendflüge von AUA und Air Berlin gestrichen.

Hamburg - heute ist Streiktag. (Foto: Michael Penner)

Der Hamburger Flughafen ist heute nur eingeschränkt in Betrieb. Nicht Schnee ist die Ursache, sondern ein ganztägiger von der Gewerkschaft Verdi organisierter Streik der Luftsicherheitsassistenten. Rund 19.000 Fluggäste sind vom Streik betroffen, wie der Flughafen am Vormittag in einer Aussendung mitteilte.

Aufgrund der sehr eingeschränkten Kontrollkapazität werden der Großteil der Fluggäste die Kontrollstelle nicht pünktlich passieren können. Die Fluggesellschaften haben angekündigt, die Flüge nur mit leichten Verspätungen durchzuführen und nicht zu warten. Fluggäste werden gebeten, mit ihren Fluggesellschaften Kontakt aufzunehmen, um sich gegebenenfalls umbuchen zu lassen.

Der Hamburger Flughafen empfiehlt in einer Aussendung von 12 Uhr 20 den Reisenden nicht zum Flughafen zu erscheinen und umgehend in Kontakt mit der Fluggesellschaft zu treten und stellt dazu eine Liste mit Hotline-Nummern bereit. Die Wartezeiten können derzeit bis zu vier Stunden betragen und Fluggesellschaften würden sich kurzfristige Streichungen vorbehalten.

Mit Stand 13:00 waren in Hamburg lediglich drei Kontrolllinien geöffnet, was nur rund 15 Prozent der vorhandenen Kapazität entspricht. Diese sollen auch am Nachmittag bis Abend nicht erweitert werden können. Seitens der Bundespolizei soll es Versuche geben, dass die Kontrolllinien auch nach 23 Uhr 00 noch offen sein können. Die Wartezeit vor der Sicherheitskontrolle soll mehr als drei Stunden betragen. Limitierungen im In- und Outboundverkehr wären ebenfalls nicht vorhanden. Insgesamt soll es schon mehr als 30 Flugstreichungen und erhebliche Verspätungen gegeben haben. Der Flughafen bemüht sich um eine intensive Passagierbetreuung durch sämtliche Dienste und laufende Lautsprecherdurchsagen.

Die Fluggesellschaften passen ihre Flugpläne der Situation und fliegen ihre Maschinen verstärkt "ferry" aus Hamburg heraus. Fluggäste gestrichener Flüge sollen nun gezielt aus den Warteschlangen vor den drei Sicherheitskontrolllinien gezogen werden. Beim Flughafen soll es weiters Vorbereitungen auf eine große Zahl von Übernachtungen geben.

Von insgesamt 176 geplanten Abflügen wurden mit Informationsstand 17:00 63 Flüge komplett gestrichen. Viele Maschinen sind leer oder nicht voll besetzt abgehoben, da aufgrund der sehr eingeschränkten Kontrollkapazität der Großteil der Fluggäste die Kontrollstelle nicht pünktlich passieren können. Nach ersten Schätzungen konnten etwa 12.000 Passagiere ihren Flug nicht antreten. An einem normalen Freitag werden rund 19.000 abfliegende Passagiere gezählt. Die Fluggäste mussten zeitweise bis zu vier Stunden in den Warteschlangen verbringen. Von 40 vorhandenen Kontrollstellen konnten im Durchschnitt lediglich drei besetzt werden.

"Der Flughafen sieht sich gezwungen, nun alle Möglichkeiten der Schadenersatzforderungen zu prüfen. Auch die Fluggesellschaften sind hart getroffen, ganz zu schweigen von den tausenden Passagieren, die ihren Flug heute nicht antreten konnten", so Flughafen-Chef Michael Eggenschweiler in einer Presseaussendung um 16 Uhr 50.

50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Flughafens, der Flughafen-Feuerwehr und des Deutschen Roten Kreuzes haben die wartenden Passagiere in den Terminals betreut – sei es durch die Weitergabe von Informationen oder durch die Bereitstellung von Getränken und Lunch-Boxen. Das DRK musste in etwa 20 Fällen auch medizinisch eingreifen und Passagiere mit Kreislaufproblemen behandeln. Für Fluggäste, die nicht aus Hamburg kommen und ihren Flug nicht erreicht haben, stehen mehrere Hundert Hotelzimmer zur Verfügung. Im Terminal 1 werden darüber hinaus etwa 100 Feldbetten bereitgestellt.

"Es ist eine Schande, dass solche wichtigen Einrichtungen wie Security an Flughäfen überhaupt in den Streik treten darf! 120 Minuten nach eigentlicher Abflugzeit in Hamburg  stehen gerade mal drei Passagiere am Gate. Nach unserem Informationsstand können rund 180 Personen pro Stunde am Flughafen Hamburg durch die Bundespolizei abgefertigt werden, da nur eine Schleuse offen ist. Wir reagieren derzeit pro-aktiv und haben die Call-Center Kapazitäten erhöht. Derzeit rufen wir alle betroffenen Paxe an für den Abendflug HAM-FDH um Ihnen mitzuteilen, dass sie früher am Flughafen erscheinen können. Denn für unseren HAM-FDH Abflug um 20:10 lcl, werden wir den Check-In schon deutlich früher um 18:00 lcl öffnen. Alle betroffenen Passagiere können sich unter +43 5574 48800 46 melden", teilte InterSky-Verkaufsleiter Roger Hohl auf Austrian-Aviation-Net-Anfrage mit.

InterSky teilte gegen 14 Uhr 00 mit, dass die Abendflüge nach Lübeck verlegt werden, wie Austrian Aviation Net berichtet.

Aufgrund der sehr eingeschränkten Kontrollkapazität werden der Großteil der Fluggäste die Kontrollstelle nicht pünktlich passieren können. Die Fluggesellschaften haben angekündigt, die Flüge nur mit leichten Verspätungen durchzuführen und nicht zu warten.

Der Flug OS 171 von Wien nach Hamburg wurde gleichermaßen wie der um 19 Uhr 50 in Hamburg startende Rückflug OS 172 gestrichen.

Eine Sprecherin der Air Berlin empfiehlt den Fluggästen, dass diese im Hamburg so früh wie möglich zum Flughafen kommen sollten und sich über die Air-Berlin-Homepage, die Facebook- und Twitter-Seiten des Konzerns und die Servicehotline über den Flugstatus informieren sollten. Die Warteschlangen an den wenigen verfügbaren Sicherheitskontrollen wären sehr lang und es wäre auch zur Streichung einiger Air-Berlin-Flüge gekommen, so auch zahlreiche Flüge verspätet sind. 

Die in Hamburg startenden Abendflüge AB 8330 um 17 Uhr 10 und AB 8846 um 21 Uhr 20 nach Wien wurden von Air Berlin gestrichen.

Am Hamburger Flughafen liegt die Sicherheitskontrolle der Fluggäste in der Verantwortung der Bundespolizei. Sie ist eine hoheitliche Aufgabe, die von Seiten des Flughafens nicht unterstützt werden darf.  Das Personal an den Passagierkontrollstellen am Hamburg Airport, die sogenannten Luftsicherheitsassistenten, sind Angestellte eines privaten Sicherheitsdienstleisters, die im Auftrag der Bundespolizei die Kontrolle der Flugpassagiere übernehmen. 

„Der Bund hat die Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Sicherheitskontrollen am Hamburger Flughafen weitergehen.   Denn die Kontrolle der Sicherheit ist per Gesetz eine staatliche Aufgabe, die nur stellvertretend an private Firmen weitergegeben werden kann.   Wenn diese ausfallen – sei es durch Streik oder andere Gründe – muss der Staat für Ersatz sorgen“, so Klaus-Peter Siegloch, Präsident, Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) in einer Aussendung des Hamburger Flughafens.

„Der Ausfall der Sicherheitskontrollen aufgrund eines Streiks kommt quasi einer Schließung des Flughafens gleich. Passagiere können nach Hamburg kommen, Hamburg aber mit dem Flugzeug nicht mehr verlassen. Dieses Vorgehen trifft Passagiere, Flughäfen und Fluggesellschaften gleichermaßen. Allein Hamburg Airport entsteht ein Umsatzverlust im mittleren sechsstelligen Bereich. Wir bedauern die Unannehmlichkeiten sehr, die unseren Fluggästen und den Fluggesellschaften entstehen. Dem Flughafen sind in diesem Falle die Hände gebunden. Es gilt nun auf die Vernunft aller an den Verhandlungen Beteiligten zu hoffen, damit diese Tarifauseinandersetzung nicht weiter auf dem Rücken Unbeteiligter ausgetragen wird", so Michael Eggenschwiler, Geschäftsführer des Hamburger Flughafens. 


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