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Verfasst am: 15.08.11 18:25

Baustellenbesuch Flughafen Berlin Brandenburg

In wenigen Monaten - genauer gesagt am 3. Juni 2012 - wird der neue Berliner Flughafen eröffnet. Unter dem IATA-Code BER wird die deutsche Hauptstadt künftig statt drei kleiner Airports - Tegel, Schönefeld und bis 2007 Tempelhof - einen großen Flughafen betreiben. Dieser soll nicht nur der Metropole Berlin als Hauptstadtflughafen gerecht werden, sondern auch Expansionsmöglichkeiten bieten, die bislang aufgrund der baulichen Gegebenheiten nicht denkbar waren. So will Air Berlin ihren Hub ausbauen - mit dem Beitritt zur Oneworld-Allianz nächstes Jahr kann man auch durchaus die Phantasie spielen lassen, welche anderen Carrier die Möglichkeiten des großzügig dimensionierten Flughafens nutzen werden. Spekuliert wird beispielsweise mit den beiden Oneworld-Mitglieder Qantas und Cathay Pacific.

Fotos: Martin Metzenbauer (wenn nicht anders angegeben)

Auch für Österreich ist die Entwicklung in Berlin nicht unwesentlich. Der Skylink in Wien wird ebenfalls nächstes Jahr in Betrieb genommen, wodurch Platz für Expansion geschaffen wird. Und auch in Wien macht man sich durch die starke Präsenz von NIKI und Air Berlin Hoffnung auf Oneworld - insbesondere auf der Langstrecke. Nicht nur dadurch ergibt sich in gewisser Weise auch eine Konkurrenzsituation zu Berlin, das für Umsteigeverbindungen in den Fernen Osten eine ähnlich günstige geographische Situation zeigt wie Wien. Gegenüber Schwechat hat Berlin natürlich zum einen den Vorteil eines deutlich größeren Heimatmarktes und der Tatsache, Hauptstadtairport der drittgrößten Wirtschaftsnation der Welt zu sein. Zum anderen wurde der Flughafen von Grund auf am Reißbrett neu gestaltet, sodass sich hier natürlich gegenüber einem gewachsenen Flughafen wie Wien viele planerische Vorteile ergeben.

Austrian Aviation Net besuchte den neuen Flughafen in Schönefeld, um ein paar aktuelle Eindrücke von diesem Mega-Projekt zu sammeln.

Der neue Berliner Flughafen wird südlich des bestehenden Airports Schönefeld errichtet. Er wird über zwei für den unabhängigen Parallelbetrieb geeignete Runways verfügen (Grafik: GMP Architekten, JSK International, Berliner Flughäfen).

BER liegt zwar nicht so zentrumsnahe wie Tegel und schon gar nicht wie Tempelhof, die Anfahrt gestaltet sich über die Autobahn A113 problemlos - zur Sicherheit wurde noch eine zweite, redundante vierspurige Straßenanbindung geschaffen. Aber auch per Bahn kommt man künftig bequem zum Flughafen: Ein sechsgleisiger Bahnhof direkt unter dem Terminal verbindet den Airport in knapp einer halben Stunde mit der Innenstadt. Fernverkehrszüge sollen ebenfalls halten.

Vor dem Terminal erstreckt sich die Airport City, die im Laufe der nächsten Jahre "befüllt" werden soll (Grafik: GMP Architekten, JSK International, Visualisierung Bjoern Roll, Berliner Flughäfen).

Derzeit noch Baustelle: Airport City mit dem Terminal dahinter.

Wenn man mit dem Auto ankommt, fährt man über einen großzügig dimensionierten Zubringer direkt auf das Terminal und umfährt in einer großen Schleife die Airport City mit Büros, Hotels und Parkgaragen, bevor man die überdimensionale Vorfahrt erreicht. Oben befindet sich die Abflugs- und unten die Ankunftsebene.

Die Vorfahrt auf der Abflugebene mit einem weit auskragenden Vordach.

Links das Terminal mit der Abflugebene oben und der Ankunftsebene unten. Rechts daneben die Airport City. Diese wird auch über großzügige Grünflächen verfügen, die auch von den Angestellten des Flughafens in den Pausen genutzt werden sollen.

Das 220 Meter lange, 180 Meter breite und 32 Meter hohe Terminal, das von den Architektenbüros von Gerkan, Marg und Partner (die auch den Flughafen Tegel entworfen haben) sowie JSK International geplant wurde, ist das Herzstück des neuen Airports. In der mit einer 33.000 Quadratmeter großen Glasfassade versehenen Haupthalle finden sich auf acht Check-In-Inseln insgesamt 94 Schalter. Im April 2013 sollen rechts und links des Terminals zwei Pavillons fertig gestellt werden, wo neben zusätzlichen Sicherheitskontrolllinien weitere 24 Check-In-Desks dazukommen sollen. Die Architektur selbst "greift mit seinen gegliederten Fassaden und klaren, geometrischen Formen architektonische Elemente von Schinkel bis zum Bauhaus auf", heißt es auf der Website der Architekten. Und diese Klarheit bemerkt man schon jetzt - trotz der umfassenden Bautätigkeit im Innenbereich.

Die riesige, aber doch leicht wirkende Glasfassade.

Die Halle mit Check-In-Inseln.

Rolltreppen zwischen Ankunfts- und Abflugebene.

Nach den Sicherheitskontrollen - zu Beginn wird es 30 Kontrollstellen geben - gelangen die Passagiere in einen 9.000 Quadratmeter großen "Marktplatz" mit Geschäften. Daran anschließend können in einem Food Court mit 2.000 Quadratmetern kulinarische Bedürfnisse befriedigt werden.

Hier soll man künftig einkaufen und schlemmern können.

Für die Flugzeuge sind insgesamt 37 gebäudenahe Flugzeugpositionen vorgesehen. Auf dem 715 Meter langen Haupt-Pier werden 16 Fluggastbrücken eingebaut, auf dem Süd-Pier mit einer Länge von 315 Metern sind es neun. Der Nord-Pier wird über 12 Walk-Boarding-Positionen verfügen und ist in erster Linie für Low-Cost-Carrier vorgesehen. Neben den fehlenden Fluggastbrücken sollen auch die Ausstattung kostengünstiger sein.

Der Haupt-Pier wird über 16 Parkpositionen für Flugzeuge verfügen. Der transparente Gate lässt gut das heute übliche Mehr-Ebenen-Konzept erkennen. Die Abfertigung des Airbus A380 wird in Berlin möglich sein.

Am Nord-Pier für easyJet & Co wird es 12 Walk-Boarding-Positionen geben.

Um den Flugverkehr reibungslos abwickeln zu können, verfügt der Airport über zwei Start- und Landebahnen. Die nördliche Runway ist die ehemalige Südbahn des Flughafens Schönefeld, die um 600 Meter auf eine Länge von 3.600 Metern erweitert wurde. Die ursprüngliche Nordbahn wurde bereits rückgebaut. Im Süden des Airportgeländes entstand eine vollkommen neue Runway, die über eine Länge von 4.000 Metern und eine Breite von 60 Metern verfügt. Die Bahnen sind 1.900 Meter voneinander entfernt und können damit unabhängig voneinander betrieben werden. Zentral zwischen den beiden Runways wurde von der Deutschen Flugsicherung ein 72 Meter hoher Tower errichtet. In der elliptischen Kanzel finden elf Mitarbeiter Platz.

Ein neuer Tower für einen neuen Flughafen.

Am Anfang ist der Airport für 27 Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt. Nachdem die beiden bestehenden Berliner Flughäfen im Jahr 2010 bereits 22,3 Millionen Fluggäste abgefertigt haben, könnte diese Zahl bald erreicht werden. Daher wurden bereits zwei Ausbaumodule geplant, durch die die Kapazität auf bis zu 45 Millionen Passagiere hochgefahren werden kann. Dazu könnten zwei weitere, parallel zum Haupt-Pier verlaufende, Piere errichtet werden.

Dort wo sich jetzt das riesige Vorfeld erstreckt, könnte schon bald ein neuer Pier errichtet werden.

Alles in allem entsteht in Brandenburg ein höchst attraktiver Airport, der zweifellos nicht nur seiner Bedeutung als Hauptstadtflughafen gerecht wird, sondern auch viel Spielraum nach oben zulässt. Auch wenn Lufthansa neben Frankfurt und München keinen weiteren Hub in Berlin eröffnet, wird wohl nicht zuletzt die Air Berlin Gruppe mit ihren 170 Flugzeugen mit Rückendeckung von Oneworld am neuen Airport darauf schauen, dass die Gates alles andere als leer bleiben.

 

Berlin

Wien

 

 

 

Kapazität

27 Millionen Passagiere

30 Millionen Passagiere

Einzugsgebiet

15 Millionen Menschen

14,3 Millionen Menschen

Flugsteige mit Fluggastbrücken

24 (plus 12 Walk Boarding Positionen)

37

Start- und Landebahnen

2 (unabhängiger Betrieb)

2 (kein unabhängiger Betrieb)

Verkaufseinheiten Non-Aviation

150

144

Baukosten

ca. € 2,5 Mrd. (Gebäude, Vorfeld, Runways, ohne Straßenanbindung)

ca. € 830 Mio. (Skylink)

Bauzeit

ca. 6 Jahre (2006 bis 2012)

ca. 6 Jahre (2006 bis 2012)


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