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Von: Roman Payer

Verfasst am: 27.09.11 10:33

Emissionshandel: Tickets um bis zu 12 Euro teurer

Die Luftfahrt wird ab 2012 in das EU-Emissionshandelssystem ETS aufgenommen. Die Europäische Kommission hat nun die Benchmarks veröffentlicht, die bei der Zuteilung von Emissionszertifikaten an über 900 Luftfahrzeugbetreiber zugrunde gelegt werden. Langstreckenflüge könnten sich dadurch ab kommendem Jahr um bis zu zwölf Euro pro Strecke verteuern. Die EU-Kommission erinnerte aber, dass die meisten der Zertifikate kostenlos verteilt werden. Dennoch legten Unternehmen in der Vergangenheit den Wert auch von kostenlosen Scheinen auf die Verbraucher um und strichen so Zusatzgewinne ein. Dies sei auch bei den Fluggesellschaften denkbar, so die Kommission. Geben die Airlines dagegen nur die Kosten der Zertifikate weiter, die sie selbst bezahlen müssen, rechnet Brüssel mit unter zwei Euro Aufschlag pro Strecke bei Langstreckenflügen.

Für die EU sind Flugzeuge fliegende Fabriken. Für deren Co2-Austoß brauchen die Airlines ab 2012 Emissionszertifikate. (Foto: AirTeamImages.com)

Die Einbeziehung der Luftfahrt in den Emissionshandel stößt bei Airlines weltweit auf Widerstand. Man fürchtet, dass die ohnehin schon angeschlagene Branche mit noch geringeren Gewinn-Margen wirtschaften muss. Unisono heißt es aus der Branche, dass der Emissionshandel in der Luftfahrt keine Umweltvorteile bringen würde, da die Airlines von sich aus bestrebt sind, der Verbrauch so gering wie möglich zu halten. Wegen der hohen Kerosinpreise seien die Fluggesellschaften sowieso auf effizientere Flugzeuge angewiesen.

Die für Klimapolitik zuständige EU-Kommissarin Connie Hedegaard kommentierte das umstrittene System: „So sehr die EU auch Maßnahmen auf globaler Ebene vorzieht, können wir nicht verantworten, dass der Luftfahrtsektor keinen Beitrag leisten muss, weil man sich international nicht einigen kann. Aus diesem Grund hat die EU im Jahr 2008 beschlossen voranzugehen, während wir uns gleichzeitig für globale Vorschriften für die Luftfahrt einsetzen.“

Die EU hält an ihrem Beschluss fest. Ab Jänner 2012 müssen alle Airlines bei Flügen mit Start oder Ziel in der EU für die Flugzeugabgase Emissionszertifikate, also Erlaubnisscheine für die Luftverschmutzung, vorweisen. Die Scheine, die eine Airline nicht braucht, weil sie ihren Ausstoß drosselt, können dann an expandierende Fluggesellschaften verkauft werden.

Die Veröffentlichung der Benchmarks ermöglicht den Fluggesellschaften die Berechnung ihrer kostenlosen Zuteilungen von Emissionszertifikaten bis 2020. Eine Benchmark wurde für den Handelszeitraum 2012 berechnet und eine andere für den Handelszeitraum ab Januar 2013. Zwischen 2013 und 2020 erhält eine Fluggesellschaft 0.6422 Zertifikate pro 1000 Tonnenkilometer. Im Jahr 2012 sind es 0.6797 Zertifikate.

Im Handelszeitraum 1. Januar 2012 bis 31. Dezember 2012 werden 85 Prozent der Emissionszertifikate für den Luftverkehr den Luftfahrzeugbetreibern kostenlos zugeteilt. Zwischen dem 1. Januar 2013 und dem 31. Dezember 2020 sind 82 Prozent kostenlos. 15 Prozent der verbleibenden Zertifikate für jeden Zeitraum werden versteigert. Von 2013-2020 werden außerdem 3 Prozent einer Sonderreserve für neue Marktteilnehmer und schnell wachsende Luftverkehrsunternehmen zugeführt.

Hintergrundinformationen der EU zum Emissionshandel in der Luftfahrt


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