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Von: Patrick Kritzinger

Verfasst am: 16.08.12 10:01

Analyse: Überlebenskampf am Golf

Es weht ein rauer Wind in der Golfregion, wo übermächtige Konkurrenz, Subventionierungen und andere staatliche Eingriffe Gang und Gebe sind und vor allem den kleinen Airlines das Leben schwer machen. Austrian Aviation Net hat das aktuelle Geschehen rund um Fusionen, Privatisierungen und Neugründungen in der Region zusammengefasst.

Foto: AirTeamImages.com

Auch für die staatlich subventionierten Airlines vom Persischen Golf sehen die Zeiten momentan alles andere als rosig aus. Enormer Wettbewerb auf engem Raum machen vor allem den kleineren Carriern der Region zu schaffen und sorgen für einen Preiskampf, der trotz niedrigerer Spritpreise ein positives Ergebnis unerreichbar macht.

So steht auch die finanziell schwer angeschlagene Gulf Air, die seit Monaten bei der Regierung um weitere Zuschüsse ansucht und inzwischen sowohl ihr Streckennetz als auch ihren Personalstamm deutlich reduziert hat, in Verhandlungen mit dem lokalen, ebenfalls defizitären Konkurrenten Bahrain Air über eine Fusion. „Das Land kann sich keine zwei Airlines leisten“, erklärte der CEO von Gulf Air gegenüber „Arabian Business“, besonders politische Unruhen, die das kleine Königreich im letzten Jahr getroffen hatten, haben deutliche Passagierrückgänge verursacht. Auch Bahrain Air hat ihre Flotte zuletzt auf vier Airbusse verkleinern müssen und hofft nun auf Synergien mit der noch-Konkurrenz. Die Gründung einer neuen Airline durch den Staat, die beide bestehende Carrier ersetzen könnte, steht ebenfalls im Raum.

Aber auch im viertreichsten Land der Welt, dem kleinen Ölproduzenten Kuwait, kämpft eine von zwei Airlines ums Überleben. Die dritte im Bunde, Wataniya Airways, die auch Wien regelmäßig angesteuert hatte, hat bereits im letzten Jahr den Betrieb einstellen müssen. Die staatliche Kuwait Airways hat inzwischen Schulden in einer Höhe von mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar angehäuft und stand zuletzt in Arbeitskämpfen mit ihrem Personal.  Sie drängt die Regierung momentan, eine Privatisierung voranzutreiben, da sie „mehr wie eine Ministeriumsabteilung als wie ein marktwirtschaftlich rentables Unternehmen geführt werde“, wie ein Analyst des Kleinstaates kritisierte. Zahlreiche Routen unter anderem nach Genf, Abu Dhabi und Muskat werden in Kürze eingestellt. Die Regierung müsse die Schulden übernehmen und Kuwait Airways an private Investoren übergeben.

Eine Fusion mit der Lowcost-Airline Jazeera Airways soll ebenfalls in Betracht gezogen werden. Diese hatte mit der Gründung von flyDubai 2009 ihre Streckenrechte in Dubai verloren und ihren Hub aufgeben müssen. Seither hatte sie mit Überkapazitäten und enormer Konkurrenz auf ihrem verbleibenden Drehkreuz in Kuwait zu kämpfen. Die A320-Flotte ist inzwischen deutlich dezimiert und Frequenzen sind ausgedünnt worden. Im ersten Halbjahr 2012 konnte sie erstmals wieder einen Gewinn von knapp elf Millionen Euro verbuchen.

Air Arabia aus den Vereinigten Arabischen Emiraten hat es indes mit gleich vier Konkurrenten im eigenen Land zu tun: Emirates und flyDubai, Etihad aus Abu Dhabi sowie die junge aber sehr ambitionierte RAK Airways aus dem nördlichsten Emirat Ras al Khaimah. Letztere wird noch in diesem Jahr mit Inlandsflügen nach Abu Dhabi beginnen. Wie Austrian Aviation Net berichtete, plant auch Rotana Jet diese Route mit Embraer 145 zu bedienen. In Anbetracht der Umstände werde die Lowcost-Airline aus Sharjah die restlichen bestellten Airbus A320 voraussichtlich auch nicht in den Emiraten einsetzen. Die Maschinen sollen ab den Hubs in Casablanca und Alexandria zum Einsatz kommen, die Eröffnung eines weiteren Drehkreuzes in Amman wurde aufgrund der politischen Instabilität inzwischen auf Eis gelegt.

Auch in Saudi Arabien tut sich einiges. Nachdem die Regierung angekündigt hatte, einem würdigen Kandidaten die Rechte sowohl für Inlandsflüge im Königreich als auch für internationale Dienste zu verleihen, hatten sich 14 Interessenten gemeldet. Unter den sieben ausgewählten Kandidaten, die NAS Air und der staatlichen Saudi Arabian Airlines Konkurrenz machen dürfen, finden sich auch Gulf Air und Qatar Airways. Letztere möchte im Nachbarland eine Tochtergesellschaft gründen und genau wie Saudia von dem vergünstigten Kerosin profitieren, das die Regierung dem neuen Carrier zugesichert hat. Die Inlandsfluglinie SAMA war vor zwei Jahren aus dem Markt gedrängt worden, indem ihr diese Zuwendung versagt worden war.

Qatar Airways aus dem kleinen gleichnamigen Emirat baut ihr Streckennetz inzwischen weiter aus. Demnächst werden auch Belgrad, Warschau und Chicago regelmäßig ab Doha angesteuert. Die Planungen für eine eigene Billigairline seien zwar abgeschlossen, die Gründung jedoch "auf unbestimmte Zeit verschoben", gab der CEO Akbar Al Baker in einem Interview bekannt.


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