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Von: Peter Unmuth

Verfasst am: 27.11.10 11:14

AF447: Air France macht Airbus verantwortlich

Air France lehnt jede Verantwortung für die Pitot-Sonden, die vermutlich ein Teil der Ursachen für den Absturz des Fluges AF447 mit 228 Toten waren, ab. Die Fluggesellschaft gab an, dass Ihre Bedenken von Airbus und Thales nicht zur Kenntnis genommen worden seien.

Der am 1. Juni 2009 verunfallte Airbus A330-22 F-GZCP. Foto: AirTeamImages.Com

In einem am Freitag veröffentlichten Memorandum an Justiz und Presse weist Air France jede Verantwortung für den Absturz des Rio-Paris Fluges von sich. Die Gesellschaft beschuldigt Airbus und Thales bezüglich der Warnungen zu den Pitot-Sonden untätig gewesen zu sein.

Das Versagen dieser Geschwindigkeitmesssonden wird als mitwirkendes Element beim Absturz des Airbus A330-200 mit dem Kennzeichen F-GZCP am 1. Juni 2009 vor der brasilianischen Küste gesehen.

Air France gibt an, dass Airbus und Thales trotz mehrmaliger Warnungen keine Empfehlungen oder langfristige Lösungen für das Problem angeboten hätten.

Ein Sprecher von Airbus verwies auf die laufenden gerichtlichen und technischen Untersuchungen, sowie auf die Suche nach dem Fludatenschreiber, die trotz langer Suche bislang nicht gefunden werden konnten. Ohne die Black-Box kann die Ursache des tragischen Absturzes nicht identifiziert werden, sagte er. Auch die BEA wiederholt seit Begin der Untersuchungen, dass es ohne die Black-Box unmöglich wäre, die genaue Ursache für den Absturz zu bestimmen. Ein Sprecher von Thales hat ebenfalls auf die Untersuchung der BEA verwiesen.

Es wurde festgestellt, dass die Sonden von Thales im Falle von Vereisung falsche Geschwindigkeitsinformationen liefern. In den 10 Monaten vor dem Absturz von AF447 sind 15 Zwischenfälle dieser Art auf dem A330 aufgetreten, ohne dass Air France die Sonden ersetzt hätte. Ein im Rahmen der Untersuchung in Paris erstelltes gerichtliches Gutachten hat die Wartung der Sonden durch Air France in Zweifel gestellt. In den Monaten nach dem Absturz hatte die Fluggesellschaft die Thales Sonden, wie durch Airbus empfohlen, durch solche von Goodrich ersetzt.

Das an die Justiz übergebene Memo gibt die intensive Kommunikation zwischen Air France und Airbus bezüglich der Sonden auf.

Air France warnte Airbus nach den ersten beiden Zwischenfällen mit Sonden vom Typ AA im Juli 2008. Nach neuerlichem Auftreten der Probleme gibt AF im Rahmen einer E-Mail an Airbus Ihre diesbezüglichen "großen Bedenken" bekannt. Die Gesellschaft hat damals nachgefragt, ob absehbar wäre, dass die von Thales hergestellten Sonden des Typs BA widerstandsfähiger gegen Frost würden.

Airbus antwortete, dass bei den Sonden keine maßgebliche Verbesserung zu erwarten sei. Ein Jahr zuvor hatte Airbus in einer technische Mitteilung den Austausch der Sonden AA durch den Typ BA empfohlen, da diese das Vereisungsrisiko limitieren sollten.

Im November 2008, hat Air France bei Airbus nachgefragt, ob es möglich sei, die Thales Sonden durch solche von Goodrich zu ersetzen, allerdings ohne eine offizielle "Änderungsanfrage" zu stellen.

Im April 2009, nach erneuten Zwischenfällen, forderte Air France eine schnelle Lösung. Airbus hat vorgeschlagen, die Sonden BA zu testen. Air France initiierte ein Programm zum Austausch der Sonden, aber auf dem am Flug AF447 eingesetzten A330 konnten die Sonden nicht rechtzeitig getauscht werden.

Ein anderes Dokument des Memorandums zeigt auf, dass zwischen 1994 und 1996, nach mehreren Zwischenfällen mit den altem Model der Sonden von Goodrich, Airbus der amerikanische Firma auferlegt hatte, neue Sonden herzustellen. An Thales sei diese Aufforderung, trotz 23 Zwischenfällen innerhalb von 5 Jahren mit den Sonden vom Typ AA, nicht ergangen.


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