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Von: Roman Payer

Verfasst am: 14.08.12 08:40

Wöhrl kann sich weitere ATR-Flugzeuge vorstellen

InterSky-Retter Hans Rudolf Wöhrl über die aktuelle Expansion nördlich des Bodensees, mit welchen österreichischen Bundesländerflughäfen er gerade Verhandlungen über eine neue Strecke führt und warum er, obwohl er sich Sorgen um Air Berlin und Lufthansa macht, für InterSky eine "echte Marktchance" sieht.

Foto: AirTeamImages.com

Der deutsche Luftfahrtinvestor Hans Rudolf Wöhrl hält mittelfristig den Kauf von weiteren ATR-Regionalflugzeugen für InterSky für denkbar, wie er in einem Telefoninterview mit Austrian Aviation Net sagte. Mindestens fünf Flugzeuge eines Typs seien sinnvoll. Auch den Einsatz von 100-Sitzern in fernerer Zukunft schloss er nicht aus. Zuerst gelte es aber, die jetzt anstehende Expansion zu verdauen. Wöhrl, der mit seiner Beraterfirma Intro Aviation bei der Bodensee-Airline eingestiegen war, krempelt derzeit die schwächelnde Regionalfluglinie um: Bis nächsten Sommer soll - wie berichtet - das Personal verdoppelt werden und die Flotte um zwei ATR 72-600 auf insgesamt fünf Flugzeuge wachsen.

Schon bald könnte ein freiwerdendes Dash 8 Q300-Flugzeug auf einer neuen Strecke zum Einsatz kommen. Die Verhandlungen mit den Airports laufen, eine Entscheidung soll es in den nächsten vier Wochen geben. In Österreich kommen laut Wöhrl Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt und Graz infrage.

Seit knapp einem halben Jahr zieht Wöhrl hinter den Kulissen die Fäden der InterSky. Gegenüber Austrian Aviation Net sprach er offen darüber, dass InterSky 2011 kurz vor dem Aus stand. Damals verließ der damalige Chef Claus Bernatzik die Airline. Bei dem anschließenden Verkauf eines Flugzeuges habe es sich im einen „Notverkauf“ gehandelt.

Jetzt, im ersten Halbjahr 2012 habe Intersky nach einem Millionenverlust wieder „hauchdünn schwarze Zahlen“ geschrieben, so Wöhrl. Das rechtfertige auch den Kauf der beiden neuen Flieger. Er sieht ein Comeback der Regionalcarrier. Die großen Airlines hätten Nischenstrecken, die für die Wirtschaft wichtig seien, gestrichen, weil sie das mit ihrer Kostenstruktur nicht schafften. Für InterSky ergebe sich da eine „echt Marktchance“, ist Wöhrl überzeugt.


Das Interview führte AANet-Chefredakteur Roman Payer

Dass durch einen neuen Flugzeugtypen höhere Wartungskosten entstehen, lässt Wöhrl nicht gelten. Es sei „kein großer Aufwand“. Rabatte habe es für die beiden ATR-Maschinen aber kaum gegeben. „Wir haben Druck gemacht, daher war der Verhandlungsspielraum deutlicher geringer“, sagte Wöhrl. Die Flugzeuge hätten ursprünglich in die Karibik geliefert werden sollen. Intersky hatte die Bestellung von Caribbean Airlines übernommen.

Gestemmt werde die Finanzierung hauptsächlich von Intro, die Flugzeuge aber sollen zur Intersky wandern. Die erste Maschine wird in Friedrichshafen stationiert, das sei fix, so Wöhrl. Die zweite ATR wird erst nächstes Jahr ausgeliefert, dazu gebe es noch keine endgültige Entscheidung.

Sehr zurückhaltend gab sich Wöhrl bei der Frage, ob InterSky für die Lufthansa Zubringerflüge nach München übernehmen könnte. Aus Sicht der Lufthansa bestehe die Gefahr, die eigenen Frankfurt-Flüge zu „kannibalisieren“. Außerdem gebe es bei der Lufthansa eher die Tendenz, Strecken zu reduzieren.

Beim Thema-Pilotenrecruitment für die neuen Flugzeuge will sich Wöhrl nicht einmischen, man wolle aber den InterSky-Piloten zuerst die Chance geben, auf die ATR zu wechseln, bevor neue ATR-Piloten eingestellt werden.

Wöhrl, der alle seine gekauften Airlines früher oder später wieder verkaufte, kann sich bei InterSky jedoch vorstellen, beteiligt zu bleiben. Da gebe es Unterschiede zu LTU und dba, die er sanierte und an Air Berlin weiterverkaufte.

Stichwort Air Berlin: Wöhrl hält den aktuellen Kurs vom Air Berlin-Chef Hartmut Mehdorn „für sehr mutig“. „Mir wäre das zu riskant“, kommentierte Wöhrl. Er hätte weder mit Etihad paktiert noch wäre er oneworld beigetreten. Unter Hunold sei Air Berlin in der Fläche sehr stark gewesen. Jetzt lege sich Air Berlin als Netzwerkcarrier mit sehr mächtigen Gegnern an.

Ob es Air Berlin in fünf Jahren noch gibt? Wöhrl kontert mit der Gegenfrage, ob es die Lufthansa in fünf Jahren noch gibt. In einem Gutachten habe er schon vor einigen Jahren vorhergesehen, dass der Kranich 2013 massive Probleme bekomme. Durch das aktuelle milliardenschwere Sparprogramm sieht er sich bestätigt. Generell werden die europäischen Fluggesellschaften von den „Sandkastenairlines“ und den Billigfliegern in die Zange genommen. Eine Führungsaufgabe einer großen Airline hält Wöhrl trotzdem für reizvoll. Aber: „Mir ist bange um alle europäischen Fluggesellschaften“.


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