Lauda: Wer zusammensitzen will, muss extra zahlen

Der österreichische Billigflieger passt sich den Gepflogenheiten der Konzernmutter Ryanair und des Mitbewerbers Wizzair an: Gemeinsam gebuchte Passagiere können zufällig auseinandergesetzt werden. Wer zusammensitzen möchte muss Sitzplätze kostenpflichtig reservieren.

Kabine eines Lauda-A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

Kostenpflichtige Sitzplatzreservierungen sind für die meisten Reisenden ein verzichtbares Extra. Dennoch versuchen viele Airlines diese den Passagieren trotzdem zu verkaufen, um einen Zusatzverdienst zu erlangen. Bislang galt bei den meisten Fluggesellschaften ohnehin die Regel, gemeinsam in einem Vorgang gebuchte Reisende zusammen zu setzen. Die Ryanair-Tochter Lauda macht es seit wenigen Tagen ihrer Konzernmutter offenbar gleich und platziert bei der „zufälligen Platzzuweisung“ Zusammenreisende auseinander. Selbstredend wird vor dem endgültigen Abschluss des Web-Check-In eine Änderung der Sitzplätze angeboten. Kostenpflichtig. Bislang setzte Lauda – sofern zum Zeitpunkt des Web-Check-In verfügbar – gemeinsam gebuchte Passagiere zusammen.

Wer den  Web-Check-In einfach nicht machen will und zum Schalter geht, läuft Gefahr, horrende Check-In-Gebühren bezahlen zu müssen. Die Arbeiterkammer hat vor einigen Monaten dagegen rechtliche Schritte eingeleitet. Gegen Ryanair und Wizzair wurde kürzlich Klage eingereicht, während gegen Lauda in erster Instanz nicht rechtskräftig entschieden wurde, dass die Höhe der Gebühr unzulässig ist. Die österreichische Airline legte dagegen ein Rechtsmittel ein, so dass das Verfahren weiterhin läuft.

Kostenpflichtige Sitzplatzreservierungen werden mittlerweile von vielen Fluggesellschaften angeboten – auch von so genannten "Premium Carriern". Doch gerade bei Billigfliegern ist zu beobachten, dass diese zum Teil penetrant und mit einer Form der Angstmache, dass man nicht zusammensitzen wird, regelrecht aufgeschwatzt werden. Ryan- und Wizzair weisen im Gegensatz zu anderen Fluggesellschaften nicht nur im Kleingedruckten darauf hin, dass es keine Garantie für „Zusammensitzen“ gibt, sondern durchaus prominent als Verkaufsargument.

Foto: Thomas Ramgraber

Doch nur ein äußerst geringer Anteil an Flugreisenden dürfte freiwillig Geld für einen oder mehrere Wunschsitzplätze ausgeben, da bei besonders niedrigen Ticketpreisen die Extrakosten als besonders teuer empfunden werden. Bislang rühmte sich die österreichische Fluggesellschaft Lauda zumindest bei offiziellen Presseveranstaltungen damit, dass Passagiere auch ohne Sitzplatzreservierung zusammengesetzt werden. Von dieser Praxis hat man sich offensichtlich verabschiedet, wie auch mehrere Tests, die AviationNetOnline mit realen Buchungen durchführe, belegen.

Bei allen Test-Web-Check-Ins, die AviationNetOnline seit 1. Mai 2019 durchführte, zeigte sich, dass in der jeweiligen Maschine nur sehr wenige oder überhaupt keine Sitze reserviert waren. Das Zusammensetzen der Reisenden wäre also ohne Probleme möglich gewesen. Sämtliche Check-Ins im Test wurden unmittelbar nach Eröffnung der allgemeinen 48-Stunden-Frist durchgeführt.

Was sagt eigentlich die Fluggesellschaft Lauda zu dieser stillschweigenden Änderung? Das Unternehmen erklärt auf AviationNetOnline-Anfrage: „Kunden, die keinen Sitzplatz erwerben möchten, erhalten automatisch nach dem Zufallsprinzip beim Online Check-in einen freien Platz. Reservierte Sitzplätze für Kinder sind kostenlos, solange der Erwachsene einen reservierten Platz erwirbt. Die Reservierung eines Sitzplatzes bei der Ryanair Group hängt ausschließlich von den Kunden ab. Ab einem Aufpreis von nur vier Euro kann einfach und unkompliziert zu jeder Buchung ein Wunschsitzplatz hinzugefügt werden. Kunden, die keinen Sitzplatz erwerben möchten, erhalten kostenlos einen freien Sitzplatz.“

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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