"Causa MAX" könnte Boeing teuer kommen

Das Grounding der Boeing 737 MAX könnte wegen des komplexen Software-Updates und neuen Informationen zum Ethiopian-Absturz noch länger dauern - mit massiven finanziellen Folgen für den Konzern.

Foto: Boeing

Man hätte meinen können, dass Boeing das Software-Update für die 737 MAX zügig nachliefert, um das Grounding der mehr als 370 betroffenen Flugzeuge so schnell wie möglich zu beenden. Die Nachjustierung der Software dürfte allerdings noch etwas länger als erwartet dauern - AviationNetOnline hat darüber berichtet. Auf Boeing könnte nun aber auch noch ein weiteres Problem zukommen: Wie nämlich das "Wall Street Journal" berichtete, sollen die Piloten der Ethiopian-Unglücksflugzeuges das Maneuvering Characteristics Augmentation System (MACS) - wie von Boeing vorgeschrieben - ausgeschaltet haben. Sie konnten das Flugzeug demnach trotzdem nicht mehr in einen Steigflug bringen. Die Zeitung beruft sich auf Personen, die mit den Ermittlungen vertraut sind.

Für Boeing und vor allem die vom Grounding betroffenen rund 40 Airlines könnte diese neue Information einen weiteren empfindlichen Delay für den Einsatz der 737 MAX bedeuten. Airlines helfen sich mittlerweile mit geleasten Flugzeugen aus - beispielsweise Icelandair, die statt ihrer vier MAX im Sommer bis zu drei Boeing 767 einsetzen wird.

Auf Boeing selbst könnten bei einer weiteren Verzögerung zusätzliche Regressforderungen und Stornierungen zukommen. So hat beispielsweise TUI bekanntgegeben, dass dem Konzern durch das Grounding ihrer 15 MAX-Flugzeuge bis zu 300 Millionen Euro entgehen würden. Wenn man solche Zahlen auf die 370 gegroundeten Maschinen hochrechnet, ergeben sich Verluste in Höhe von gleich mehreren Milliarden Euro. Dass sich die Airlines hier an Boeing schadlos halten werden, kann man wohl annehmen.

Der TUI-Konzern rechnet mit bis zu 20 Millionen Euro Verlust pro gegroundeter 737 MAX (Foto: www.AirTeamImages.com).

Solche Summen wird der 1916 gegründete Flugzeughersteller auch nicht einfach aus der Portokasse bezahlen können. Die Cash-Reserven wurden Ende 2018 mit 7,7 Milliarden US-Dollar (6,8 Milliarden Euro) angegeben, der Schuldenstand betrug zum gleichen Zeitpunkt 11,3 Milliarden US-Dollar (10,1 Milliarden Euro). Auf der anderen Seite ist Boeing hochprofitabel - 2018 ging der operative Cash Flow gleich um 15 Prozent auf 15,3 Milliarden US-Dollar (13,6 Milliarden Euro) in die Höhe. Diese bislang hohe Ertragskraft des Konzerns erklärt vielleicht auch, warum es bei der Boeing-Aktie bislang trotz des MAX-Desasters lediglich eine leichte Kurskorrektur gegeben hat: Zuletzt lag der Preis bei rund 380 US-Dollar - nicht weit entfernt vom Höchstkurs von 404 US-Dollar.

Für Boeing wird das MAX-Grounding also mit ziemlicher Sicherheit ein wirklich teures Unterfangen werden - ob verlorene Aufträge, Regressforderungen und dergleichen den US-Konzern finanziell ins Wanken bringen werden, scheint nicht zuletzt aufgrund der hohen Profitabilität des Konzerns eher unwahrscheinlich. Eine gewisse Auswirkung auf die mittelfristige Investitionstätigkeit (Stichwort: 797) ist dabei allerdings nicht undenkbar.

Eines ist allerdings sicher: Eine möglichst rasche Lösung der "Causa MAX" wäre im Sinne von Boeing und der betroffenen Airlines immens wichtig. Allerdings steht der Leitspruch der Aviation-Branche "Safety First" über allen wirtschaftlichen Themen - bevor die offensichtlichen Probleme der aktuellen 737-Version nicht mit höchster Sicherheit gelöst werden können, muss die am Boden bleiben.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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