Harter Brexit: Was passiert im Flugverkehr?

Notfallmaßnahmen sollen verschiedene Themen wie die Aufrechterhaltung des Direktverkehr oder notwendige Anpassungen bei EU-Airlines im britischen Eigentum abdecken.

Auch bei der in Österreich angesiedelten EasyJet Europe wird man sich Gedanken machen müssen - die Airlines sollen aber sechs Monate Zeit für eine Lösung bekommen (Foto: Thomas Ramgraber).

Der "harte Brexit" wird nach den diversen Chaos-Sitzungen der letzten Tage im britischen Unterhaus immer wahrscheinlicher. Was bedeutet dies für die Luftfahrt? Laut Verkehrsminister Norbert Hofer sollten zumindest den Österreicherinnen und Österreichern im Bereich Verkehr keine großen Nachteile entstehen. "Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden mit den Lösungen, die bisher gefunden wurden. Trotzdem wird es für die Zukunft wichtig sein, weiterhin eine gute Gesprächsbasis mit London zu haben", erklärte Hofer in einer Aussendung.

Einer der wichtigsten Punkte ist der, dass der Direktverkehr zwischen den EU27 und Großbritannien (ohne jegliche Kapazitätsbeschränkungen) weiterhin ermöglicht wird. Zudem bleiben die Kooperationsmöglichkeiten zwischen Airlines beider Seiten bestehen, so könne beispielsweise Code-Share-Flüge weiterhin angeboten werden. Flugpläne nach UK müssen nun allerdings wieder durch die nationalen Behörden (in Österreich die Austrocontrol) genehmigt werden.

Übergangsfrist für Unternehmen
Für Unternehmen gibt es eine Übergangsfrist von sechs Monaten zur Anpassung der Eigentum- und Kontrollstrukturen. Dies erlaubt europäischen Airlines, die derzeit in mehrheitlich britischem Eigentum stehen, ihre Strukturen über einen verlängerten Zeitraum anzupassen. "In Österreich sind davon EasyJet, Laudamotion und Level betroffen", heißt es in der Aussendung. Die Voraussetzung dafür ist, dass zwei Wochen nach in Kraft treten der EU-Verordnung Umstrukturierungspläne den zuständigen nationalen Behörden vorgelegt werden

Per Verordnung solle es laut dem österreichischen Verkehrsministerium zur Sicherstellung fairer Wettbewerbsbedingungen kommen: Sollten die UK-Airlines unter günstigeren Bedingungen operieren können, z.B. aufgrund von Subventionen oder da Passagierrechte oder Umweltstandards nicht angewendet werden, so können von Seiten der Europäischen Kommission bzw. der Mitgliedsstaaten Sanktionen wie der Entzug von Verkehrsrechten oder finanzielle Sanktionen, ergriffen werden. Im Bereich Safety wird die Verlängerung der Gültigkeit von Zertifikaten einerseits und die Aufrechterhaltung der One-Stop-Security andererseits garantiert.

Reisen nach UK mit Vorsicht planen
Diese Notfallmaßnahmen kommen nur zur Anwendung, wenn UK ohne Austrittsvertrag aus der EU austreten sollte. Im Falle einer Zustimmung zum Austrittsvertrag kommt es zu einer Übergangsphase bis Ende 2020, in welcher des EU-Recht weiterhin von UK angewendet wird. "Wir sind in engem Kontakt mit den Stakeholdern im Bereich Luftfahrt und wissen, dass von deren Seite bereits im Hintergrund gearbeitet wird, um die Notfallmaßnahmen umzusetzen. Besser kann man nicht vorbereitet sein", so Hofer zuversichtlich.

Nichts desto trotz kann nicht ausgeschlossen werden, dass es zu Flugausfällen kommt. Vom Verkehrsministerium wird empfohlen, Reisen nach UK mit Vorsicht zu planen. Darüber hinaus sollten Reisende bei Buchungen darauf achten, ob in den Vertragsbestimmungen Klauseln enthalten sind, die einen Ausfall der Reise bei einem Austritt UKs ohne Abkommen vorsehen.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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