Deutschland bangt um A380-Kreditrückzahlung

Airbus-Finanzchef beruft sich auf vertragliche Modalitäten.

Foto: Michael Csoklich.

Die Bundesrepublik Deutschland und andere Staaten unterstützten die Entwicklung des Airbus A380 mit Krediten in dreistelliger Millionen Höhe. Im Fall Deutschlands ist die Rückzahlung an die Auslieferungen gekoppelt. Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass Airbus pro übergebenem Flugzeug einen gewissen Prozentsatz an Rückzahlung zu leisten hat. Genau dieser Umstand könnte nun sowohl für die Bundesrepublik als auch für Airbus zum Problem werden, denn bis 2021 stehen nur noch 17 Stück zur Übergabe an Kunden an.

Die Zeitungen der Funke-Gruppe berichten unter Berufung auf eine Anfragebeantwortung der Regierung Deutschlands an die FDP, dass ursprünglich ein Kredit in der Höhe von 942 Millionen Euro gewährt wurde. Von der Darlehenssumme soll jedoch bislang nur ein Drittel getilgt worden sein. Aufgrund der ungewöhnlichen Rückführungsmodalität, die an tatsächlich ausgelieferte A380 geknüpft ist, bahnt sich nun eine Meinungsverschiedenheit zwischen Airbus und der Bundesrepublik Deutschland an.

Harald Wilhelm, Finanzchef des europäischen Flugzeugbauers, äußerte sich bereits dahingehend, dass das Unternehmen der Ansicht ist, dass der offene Restbetrag nicht zurückbezahlt werden müsse. Dies würde in weiterer Folge bedeuten, dass die Bundesrepublik Deutschland auf geschätzten 600 Millionen Euro zuzüglich Zinsen "sitzen bleiben" würde. Einer offiziellen Stellungnahme des Wirtschaftsministeriums ist zu entnehmen, dass man mögliche Rückforderungen gegen Airbus prüfe und gemeinsam mit dem Unternehmen evaluieren werde. Tiefergehend will man sich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht äußern.

Die Airbus-Flugzeugfamilien werden seit der Firmengründung mit Krediten jener Staaten, die am Unternehmen direkt oder durch Privatfirmen beteiligt sind, finanziert. So wurden in der Vergangenheit bereits milliardenschwere Darlehen für diverse Programme, darunter auch die A320-Familie und der A350-Langstreckenjets, von seiten verschiedener europäischer Staaten gewährt. Diese Praxis kritisiert Mitbewerber Boeing heftig und wirft den Europäern in regelmäßigen Abständen wettbewerbswidrige Finanzierungen vor. Auch diverse Beschwerden und Anträge wurden in der Vergangenheit bei den zuständigen U.S.-Behörden eingebracht. Doch nicht nur bei Airbus hat Boeing etwas gegen Kredite aus der öffentlichen Hand, sondern auch gegen Bombardier wurden Beschwerden so erfolgreich eingelegt, dass beinahe Strafzölle fällig geworden wären. Betroffen war das CS-Programm, das mittlerweile mehrheitlich den Europäern gehört und als A220-Familie bezeichnet wird.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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