Auf Augenhöhe

Ein Kommentar von Michael Csoklich zum neuen "DriveTo25" Programm von Austrian Airlines.

Austrian-Airlines-CEO Alexis von Hoensbroech (Foto: Austrian Airlines / Michele Pauty).

Das vorgestellte 10-Punkte-Programm für die AUA trägt erstmals die Handschrift von CEO Alexis von Hoensbroech, der seit August 2018 im Sattel von Austrian Airlines sitzt. Man kann es drehen und wenden wie man will - auch er steht unter dem Druck, das Ergebnis der Fluglinie weiter zu verbessern. Oder profaner gesagt: mehr Geld verdienen zu müssen. Denn wer investieren will, braucht Geld. Geld, das sich im Wettbewerb aber nicht immer leicht verdienen lässt. Und schon gar nicht dann, wenn Austrian in Wien die Billigfluglinien um die Ohren fliegen und die Ticketpreise drücken. So dreht auch Alexis von Hoensbroech an den berühmt-berüchtigten größeren und kleineren Rädchen, an denen sich auch schon seine Vorgänger versucht habe.  

Am Inhalt des 10-Punkte-Programms lässt sich grundsätzlich wenig kritisieren. Pünktlicher und zuverlässiger zu werden sind ebenso selbstverständliche Ziele wie das, die Kundinnen und Kunden in den Mittelpunkt des Bemühens zu stellen. 

Die Bereinigung der Langstreckenziele verfolgt wohl zwei Ziele: höhere Erträge und eine bessere Vernetzung mit der LH-Gruppe. Und auch das Aus für die Dash 8-400 und der Plan, diese durch 10 Stück A320 zu ersetzen, wird sich wohl bei den Erträgen positiv niederschlagen. Auch wenn dafür 200 Millionen Euro in die Hand genommen werden müssen. 

Die Schließung der Crew-Basen in den Bundesländern ist ein Gebot der Vernunft. Der Aufschrei der Gewerkschaft war erwartbar, die Sorge des Kärntner Landeshauptmanns um die Zukunft des Flughafens Klagenfurt als einzige Verbindung zu einem Hub ist nachvollziehbar. 

Alle internen Prozesse auf den Prüfstand zu stellen, zu digitalisieren und Doppelgleisigkeiten zu beseitigen - darum haben sich schon zahlreiche Vorstände bemüht. Aber: Selbst wenn Alexis von Hoensbroech dieses Ziel und die angekündigten Einsparungen von 20 bis 30 Millionen Euro wirklich erreicht - so decken diese lediglich die Mehrausgaben nach den Kollektivvertragsabschlüssen ab.

Unterm Strich geht es, wie gesagt, darum, die Gewinne nicht nur zu steigern, auf deutlich über 100 Millionen Euro, sondern diese auch regelmäßig einzufahren. Jahr für Jahr. Nur dann wird es möglich sein, in der und in die Zukunft zu investieren. Nur dann wird Austrian die (ur)alte Langstreckenflotte erneuern können und auch weiter Langstrecke fliegen können.

Die Motivation, dieses Ziel auch zu erreichen, sollte für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Ansporn sein: Alexis von Hoensbroech will, dass  Austrian bei der Gewinnmarge auf Augenhöhe mit Swiss und Lufthansa kommt. Das nämlich würde das Ansehen und den Stellenwert von Austrian im Konzern erheblich verbessern. Von Hoensbroech will, dass Austrian im Konzern etwas gilt. Möge die Übung gelingen.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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