Austrian Airlines im Klima-Check

Die heimische Airline hat in Sachen Umweltverträglichkeit findet sich im Atmosfair-Test nur im unteren Mittelfeld - und hat damit noch Luft nach oben. Damit steht sie aber in der Lufthansa Group nicht alleine da.

Foto: Austrian Airlines

Dass Flugzeuge genauso wie alle anderen Massenverkehrsmittel Emissionen erzeugen und damit die Klimabilanz verschlechtern, ist kein Geheimnis. Die Luftfahrtbranche steckt allerdings viel Geld und Brainpower dahin, den Umwelt-Fußabdruck zu verringern - unter anderem durch die Entwicklung spritsparender Jets. Inwieweit diese Bemühungen erfolgreich sind, hat sich die Klimaschutzorganisation Atmosfair angeschaut und ihre aktuellen Ergebnisse im Rahmen der Klimakonferenz im polnischen Kattowitz vorgestellt. Dazu wurden Daten von insgesamt 125 Airlines des Jahres 2016 ausgehoben und einer detaillierten Analyse zugeführt.

Die besten Werte erreichten dabei Fluggesellschaften, die modernes und auf die Streckenlänge angepasstes Fluggerät einsetzen, dabei viele Sitze unterbringen und sowohl die Passagierkabine als auch den Frachtraum gut auslasten. Die Effizienz wird dabei anhand des Atmosfair Airline Index (AAI) ausgegeben, bei dem die Fluglinien (theoretisch) bis zu 100 Punkte erreichen können. Daraus wird nach Effizienzklassen von A bis G unterschieden, die wiederum auch nach Streckenlänge unterteilt werden. Billigflieger werden in einer eigenen Klasse gewertet.

LATAM setzt auf modernes Fluggerät wie den Airbus A350 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Nach diesem Ranking sind weltweit unter den "normalen" Fluglinien TUI Airways sowie LATAM Airlines Brasil an der Spitze. Diese beiden Fluglinien sind auch die einzigen, welche die Effizienzklasse B erreichen konnten - derzeit gibt es keine Airline, die A schafft. In der Klasse C finden sich Fluglinien wie TUIfly, SunExpress, Condor, KLM, Virgin Australia, Thai, Air Canada oder Iberia. Ins D-Ranking haben es unter anderem Finnair, Air India, Delta, TAP, Qantas, American Airlines, Lufthansa, Singapore Airlines, Air France oder auch EVA Air geschafft.

AUA (und Lufthansa Gruppe) mit Verbesserungspotential
Gerade noch in die D-Gruppe ist Austrian Airlines mit 51,6 von 100 Effizienzpunkten gekommen. Damit erreichte die AUA in der aktuellen Auswertung Rang 81 von 125 weltweit. Bei den Kurzstrecken bis 800 Kilometer schaffte es die heimische Fluglinie dabei auch nur in die Klasse E, bei den Mittel- und Langstrecken war man im D-Bereich. Dabei muss man allerdings bedenken, dass Austrian Airlines im Erhebungsjahr 2016 noch die "durstigeren" Fokker-Jets in der Flotte hatte - im Gegensatz zu den sparsameren Embraer-Maschinen, die von 2016 bis 2017 zur AUA kamen und die niederländischen Regionalflugzeuge ablösten.

In der bereits deutlich weniger effizienten Gruppe E finden sich unter anderem die AUA-Schwestern Swiss und Brussels Airlines, Etihad, LOT, Qatar Airways oder auch Emirates. Die Gruppe F weist Fluglinien wie Air Astana oder Kenya Airways auf. Als einzige Airline in der Gruppe G und gleichzeitig als Schlusslicht des Gesamtrankings findet sich die kleine South African Airlink mit nur 2,3 von 100 Effizienzpunkten.

Billigflieger mit eigener Berechnung
Low Cost Carrier laut der Definition von ATI (Air Transport Intelligence) wurden einer gesonderten Betrachtung unterzogen. Laut Atmosfair würden viele (aber nicht alle) LCCs Subventionen erhalten und damit Flüge durchführen, die sie sonst nicht zu den niedrigen Preisen hätten anbieten können. Diese Subventionen würden also Flüge und damit CO2 erzeugen, das auch in die Klimabilanz der subventionierten Airline einfließen müsste, aber im AAI nicht erfasst werden könne. Auch andere Airlines profitieren von Subventionen in verschiedenen Formen, wandeln diese laut Atmosfair aber nicht direkt in niedrigere Preise und damit erhöhtes CO2 um. Viele LCCs würden außerdem von und zu Regionalairports fliegen - die Anfahrtswege sind dann aber überwiegend länger als beim Flug von Zentrum zu Zentrum. Durch diese längeren Anfahrten entsteht zusätzliches CO2, das im Ranking miteingerechnet werden müsse.

Die Kombination aus einer dichten Bestuhlung mit modernem Fluggerät bringt Punkte beim Klimacheck - wie beispielsweise beim Billigflieger Scoot (Foto: www.AirTeamImages.com).

Trotzdem finden sich in der zweitbesten Effizienzklasse B mit neun Carrier deutlich mehr Airlines als bei den "klassischen" Flugunternehmen - darunter sind beispielsweise Norwegian, Ryanair oder Scoot. Das Gros der Billigflieger ist unter C gelistet. In dieser Klasse fliegen beispielsweise Air Asia, EasyJet, Eurowings, Southwest Airlines, Vueling oder Wizz Air. In der Effizienzklasse D sind unter anderem Air Asia X, Azul Airlines, FlyDubai, JetBlue oder Westjet gelandet. Ein einziger Low Cost Carrier - die mexikanische Interjet - findet sich in der Klasse E, keiner in F und G.

Schwieriger Vergleich
Rankings wie jenes von Atmosfair sind zweifellos wichtig, um die Klimafreundlichkeit unterschiedlicher Airlines transparent zu machen. Trotzdem ist ein direkter Vergleich schwierig - das zeigt schon das Definitionsproblem zwischen Low Cost Carriern und "klassischen" Airlines (falls es letztere heute streng genommen überhaupt noch gibt). In diesem Zusammenhang werden sich Fluglinien wie Swiss oder die Golfcarrier mit einem relativ hohen Premium-Anteil und damit weniger Passagieren pro Flug schwerer tun als touristisch ausgerichtete High-Density-Fluglinien. Für diese Airlines bleibt demnach hauptsächlich die Investition in modernere Flugzeuge gepaart mit einer für das Sitzplatzangebot bestmöglichen Auslastung.

Dass solche Rankings allerdings dazu beitragen, bei Fluglinien und Passagieren ein weiter zunehmendes Umweltbewusstsein zu erzielen, ist zweifellos wichtig. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Effizienzsteigerungen der Airlines weltweit derzeit allein noch nicht zum 1,5 Grad oder 2 Grad Ziel führen", erklärte Dietrich Brockhagen, Geschäftsführer von Atmosfair. "Wir brauchen neue, synthetisch und CO2-neutral hergestellte Treibstoffe und weitere Maßnahmen für die Klimawende im Flugverkehr."

Hohe Ziele
Die Branchenziele sind dabei bekannt: Bis 2050 soll die Luftfahrt nach dem Pariser Klimaabkommen CO2-frei sein, bereits ab 2020 will man nach dem CORSIA-Abkommen nur noch CO2-neutral wachsen. Diese jüngste Statistik zeigt allerdings, dass man davon noch weit entfernt ist. Weltweit sind die CO2-Emissionen der Airlines zuletzt um fünf Prozent gewachsen, während die geflogenen Kilometer um gut sechs Prozent zulegten. Die notwendige Entkopplung von Verkehrswachstum und CO2-Emissionen ist damit noch nicht in Sicht.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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