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Verfasst am: 23.10.12 13:24

Von: Jan Gruber

SkyWork-Chef Tomislav Lang im Interview

Mit einer Flotte von einigen Dornier 328 und Bombardier Q400 verwandelte SkyWork Airlines den sich in einem Dornröschenschlaf befindlichen Flughafen Bern-Belp in einen belebten Hauptstadtflughafen. Der ehemalige (im Dienst für Germanwings) Greiss Airlines Service-Manager Tomislav Lang sitzt seit einiger Zeit bei den Schweizern in der Chefetage und das Unternehmen wächst und wächst. Austrian Aviation Net sprach mit CEO Tomislav Lang über seine Airline, neue Flugstrecken und Zubringerflüge zum Skifahren nach Österreich.

Tomislav Lang ist Geschäftsführer der SkyWork Airlines AG. (Foto: SkyWork Airlines AG)

Mit einer Flotte von vier 31-sitzigen Dornier 328 und drei 72-sitzigen Bombardier Q400 bindet die Schweizer Airline „SkyWork Airlines“ unter anderem auch Wien an die Schweizer Hauptstadt Bern an. Während andere Hauptstädte zumeist gleich über mehrere Flughäfen verfügen, verbrachte der Flughafen Bern-Belp vor dem Markteintritt der SkyWork Airlines eher ein Schattendasein im Flugwesen. Durch SkyWork Airlines wächst Bern mittlerweile sogar zu einem kleinen Hub heran. Austrian Aviation Net traf sich am  letzten Mittwoch mit SkyWork Airlines-Chef Tomislav Lang in Bern. Der gebürtige Kroate war maßgeblich am Aufbau der Germanwings-Stationen Stuttgart, Hamburg, Berlin und aller Kroatien-Strecken der heutigen Kranich-Billigmarke beteiligt. Seit einiger Zeit hat er bei SkyWork Airlines das Ruder in der Hand und baut in Bern eine Airline auf, die eben keine Regionalfluglinie sein möchte, sondern sich selbst als „Europe‘s Best Cost Airline“ sieht.

Austrian Aviation Net: In den Medien kursieren immer wieder Meldungen, dass Sie Ihre Bombardier-Flotte abstoßen werden. Sogar Inserate bei einem Flugzeughändler wurden gefunden. Wie geht es mit den Q400 bei SkyWork weiter?
Tomislav Lang: Das stimmt, dass wir diese zum Verkauf ausgeschrieben hatten. Wir haben geprüft, ob wir diese gegen andere Q400 austauschen können, aber jene die wir besichtigt haben, waren in einem für uns nicht akzeptablen Zustand. Also behalten wir lieber unsere drei Q400. Das war ein reiner Benchmark, so etwas ist ein üblicher Vorgang. In den Winter geht es mit fünf Do-328 und drei Q400. Weitere Q400 werden aber nicht kommen.

AANet: Das heißt, dass Sie sogar Zuwachs bekommen?
Lang: Im Moment haben wir vier Dornier 328 in Betrieb und im Dezember kommt noch eine fünfte dazu.

AANet: Woher konnten Sie diese Dornier 328 kurzfristig organisieren?
Lang: Diese erwerben wir von der MHS Aviation. Die Maschine war zuletzt für Cirrus Airlines im Einsatz und ist in sehr gutem Zustand.

AANet: Sie werden immer wieder mit Embraer-145-Flugzeugen in Verbindung gebracht. Sämtliche Fluggesellschaften mustern ihre 50-Sitzer-Jets nach und nach aus oder haben sie bereits ausgemustert und Sie denken sogar an die Einflottung eines solchen Musters. Warum?
Lang: Das Projekt wurde zurückgestellt, weil eben ein 50-Sitzer-Jet sehr schwierig wirtschaftlich zu betreiben ist. Wir benötigen aber einen guten 50-Sitzer, mit dem wir mehr ausprobieren können, denn die Q300 ist nicht wirklich was und die ATR auch nicht. Bei diesem Projekt sind wir insofern nicht mehr ganz „on track“, weil wir eher auf den Embraer 190 fokussieren.

AANet: Also gleich eine Nummer größer?
Lang: Warum nicht? Der Embraer 190 ist das ideale Flugzeug für Bern, denn es kann bei maximaler Zuladung und Betankung ab Bern sechs Stunden fliegen. Damit kommen wir nach Helsinki, Moskau und so weiter. Es ist aber so, dass der E190 im Moment für Bern zu groß ist, weil wir diesen noch nicht voll auslasten können und somit nicht wirtschaftlich betreiben können. Daher ist es ausgeschlossen, dass wir das Jet-Projekt vor 2014 angehen werden. Auch im Hinblick auf die Treibstoffkosten bin ich der Ansicht, dass der Turboprop ein großes Revival erfahren wird, denn bei den immer weiter steigenden Treibstoffkosten muss die wirtschaftliche Vernunft entscheiden und nicht der emotionale Wunsch nach Jets. Der Fuelburn der Turboprops liegt im Durchschnitt um bis zu 40 Prozent unter jenem vergleichbarer Jets. Daher hat das Jetprojekt für uns nicht erste Priorität.

AANet: Würden Sie bei Embraer fabrikneue Jets ordern oder eher auf Gebrauchtflugzeuge setzen?
Lang: Ganz klare Antwort: Gebrauchtflugzeuge! Es gibt auf dem Markt so viele Gebrauchtflugzeuge, die in einem wunderbaren Zustand sind und teilweise sogar enorm wenig geflogen wurden. Neue Maschinen kommen nur dann in Frage, wenn das Angebot vom Hersteller so gut wäre, dass wir sprichwörtlich blöd wären, da nicht zuzuschlagen.

AANet: Renate Moser sagte einmal gegenüber einer Zeitung, dass der Do-328 nicht wirtschaftlich zu betreiben wäre. Sie stocken Ihre Do-328-Flotte auf. Was machen Sie besser?
Lang: Wir haben eine sehr gute Auslastung unserer Maschinen, die bei durchschnittlichen 60 Prozent liegt und können mit fairen Ticketpreisen immer mehr Passagiere gewinnen. Es kommt darauf an wie man die Maschine einsetzt und für uns ist die Dornier 328 im Moment die perfekte Maschine für Bern. Sie ist schnell, komfortabel, aber ganz froh sind wir natürlich über die Effizienz in puncto Fuelburn. Leider wird sie nicht mehr produziert.

AANet: Mit „SkyWork Ski“ haben Sie im Rahmen Ihrer Pressekonferenz explizit Flüge nach Österreich angesprochen gehabt…
Lang: Natürlich, aber nicht im täglichen Linienflugbetrieb am Tagesrand. Auf Anfrage aus der Region Montafon, evaluieren wir hier ein entsprechendes Konzept, das mit dem Winterflugplan 2013/14 angeboten werden könnte. Das wird alles auf Charter hinauslaufen und vielleicht bauen wir ja eine kleine, zweite Basis. Ins Montafon werden wir aber eher Bustransfers anbieten, weil ein Flug von Bern nach Altenrhein würde offen gesagt keinen Sinn machen. Im Moment fehlen im Montafon noch die entsprechenden Hotels, aber wir sind überzeugt, dass diese bis nächstes Jahr stehen werden und dann werden wir natürlich entsprechende Produkte über SkyWork Travel anbieten. Es ist ganz klar möglich und vorstellbar, dass wir im Charter von überall her Gäste in Richtung Montafon bringen könnten. Gespräche dazu gibt es, aber vor Winterflugplan 2013/14 wird es unter dem Label „SkyWork Ski“ nichts geben.

AANet: Wie läuft eigentlich Ihre Wien-Strecke?
Lang: Mit dieser Strecke sind wir wirklich sehr zufrieden und bekommen ohne Codeshares oder andere Kooperationen eine erstklassige Auslastung unserer Maschinen in Eigenregie hin. Das ist eine unserer besten Strecken und unser Ziel ist es, dass wir noch einen Mittagsflug dazu nehmen. Am Wochenende sind immer mehr Touristen nach oder von Wien unterwegs und das ist wirklich sehr erfreulich. Der Anteil der Geschäftsreisenden liegt bei rund 60 Prozent und der Rest sind Privatreisende. Die Auslastung ist mit durchschnittlich 60 Prozent im Tagesrand sehr gut und hat Potenzial.

AANet: Gibt es eigentlich spezielle Firmenkonditionen?
Lang: Klar. Wir haben ein eigenes B2B-Team, das sich um Großkunden kümmert, die in der Regel bis zu zehn Prozent günstigere Tickets bekommen. Bei den Tarifen haben wir direkt auf der Homepage speziell auf Geschäftskunden abgestimmte Tarife namens „SkyWorker“ und „SkyExecutive“. Auch der Zugang zu den Business-Lounges ist im Executive-Tarif inklusive und unabhängig von Statuskarten anderer Airlines.

AANet: Vor einiger Zeit sagten Sie in einem Interview mit AANet, dass Sie in Bezug auf Interlining und Codeshares mit anderen Airlines, so auch der AUA, im Gespräch wären. Was ist im Moment der Stand der Dinge?
Lang: Mit KLM sind wir sehr weit und werden in Kürze unsere Kooperation vorstellen. Wir sind auch mit anderen großen Fluglinien im Gespräch, aber dazu möchte ich im Moment im Hinblick auf das übliche vereinbarte Stillschweigen nichts sagen. Wir sind aber keine Airline, die auf die große Fluggesellschaft angewiesen wäre, sondern sind an einer Zusammenarbeit interessiert, die eine Win-Win-Situation für beide, den Kleinen und den Großen bietet. Im Moment gibt es leider mit Austrian Airlines überhaupt keine Gespräche. Unsere Tür steht der AUA jederzeit offen, denn wir würden gerne mit ihnen zusammenarbeiten.

AANet: Was wird mit KLM konkret kommen?
Lang: Interlining und Codeshare. Wir werden aber nicht in den Farben der KLM oder einer anderen Airline fliegen, sondern bleiben natürlich SkyWork Airlines. Wir sehen uns nicht als eine Airline, die auf die Hilfe eines Großen angewiesen ist, sondern eher als eine, die einem Großen helfen möchte das Streckennetz durch Codeshares zu erweitern.

AANet: Wo wird SkyWork Airlines in fünf Jahren stehen? Was ist Ihre persönliche Vision?
Lang: Der Begriff „Europe‘s Best Cost Airline“ soll mit SkyWork Airlines in Verbindung gebracht werden und wir haben eine schöne Embraer-190-Flotte und eine weitere Station. Die Dornier-328 sind nicht mehr in der Flotte und wir verdienen mit allem was wir machen gutes Geld, bei fairen und nachvollziehbaren Ticketpreisen.

AANet: Vielen Dank für das Interview, Herr Lang!


 
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