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Verfasst am: 16.09.11 10:15

Von: Roman Payer

Sommergespräch mit Armin Unternährer

Im vierten Sommergespräch 2011 räumte Armin Unternährer ein, dass die Auslastung der People's Viennaline noch nicht befriedigend sei. Die Business Aviation laufe am Südufer des Bodensees aber überdurchschnittlich gut.

Foto: Roman Payer

Als Geschäftsführer des Schweizer Flughafen St. Gallen-Altenrhein an der Grenze zu Vorarlberg hat sich Armin Unternährer zuletzt mit dem dortigen Platzhirschen Austrian Airlines angelegt. "Als ich 2007 nach Altenrhein gekommen bin, war überall nur AUA-Werbung, der Flughafen war nicht existent", sagte er im Sommergespräch mit Austrian Aviation Net. Mittlerweile sind diese Plakatflächen an seine eigene Airline, die People' Viennaline vermietet. AANet sprach mit Unternährer über den Konkurrenzkampf mit der AUA, über die Luftfahrt in der Bodenseeregion und über seine neuesten Pläne: Mit dem Embraer 170 Charterflüge ab Altenrhein anzubieten.

Austrian Aviation Net: Wir haben bei den heurigen Sommergesprächen schon mit Airlinern und mit Flughafenchefs gesprochen. Mit wem spreche ich heute, mit einem Flughafenchef oder einem Airlinechef?

Armin Unternährer: Immer mit beiden. Vom Verstand und vom Herzen bin ich Chef sowohl vom People‘s Business Airport als auch von der People‘s Viennaline. Unsere Airline wurde ja nicht einfach so hinzugefügt. Mir hat die Abhängigkeit von der AUA immer schon Sorgen gemacht. Als sie dann 2008 in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten geriet, haben wir uns Gedanken gemacht, was wir tun, falls Lufthansa nicht übernimmt. Ein Drittel unseres Einkommens wäre plötzlich weggebrochen. Wir haben damals schon mit Partnern gesprochen, ob jemand die Strecke im Fall des Falles übernehmen könnte. Die Gründung der eigenen Airline voriges Jahr war daher für mich nur eine logische Folge. Es ist also so, dass mir beide Unternehmen am Herzen liegen, einfach weil sie zusammengehören.

AANet: Es ist aber sehr ungewöhnlich, dass man als Flughafen auch eine Airline betreibt…

Unternährer: Ich glaube es ist sogar einzigartig. Das hat uns aber nicht aufgehalten, Neuland zu betreten. Wir sind ja eigentlich dazu gezwungen worden, weil wir so klein sind.

AANet: Die Austrian Airlines haben den Flughafen geklagt, weil sie sich nicht gut genug behandelt fühlten. Den Interessenskonflikt, den Sie als Geschäftspartner und zugleich als Konkurrent haben, kann man nicht abstreiten. Wie gehen Sie damit um?

Unternährer: Für mich gibt es keinen Interessenskonflikt. Als ich 2007 nach Altenrhein gekommen bin, war überall nur AUA-Werbung, der Flughafen war nicht existent. Die Austrian Airlines haben für die Werbeflächen keinen Cent bezahlt, weil sich das geschichtlich so ergeben hatte. Ich habe die Plakatflächen dann an Banken und Versicherungen vermietet. Derzeit sind sie halt an die Viennaline vermietet.

Die People‘s Viennaline muss dieselben Gebühren zahlen wie die AUA, da machen wir keinen Unterschied. Wir führen den Flughafen und die Airline auf den Cent genau als getrennte Firmen, daher sehe ich da auch keinen Interessenskonflikt.

AANet: Die People’s Viennaline hat vor gut einem halben Jahr den Flugbetrieb aufgenommen. Was hat sich dadurch geändert?

Unternährer: Für die Kunden so einiges: Die AUA hatte jahrelang eine Monopolstellung, die sie in meinen Augen auch missbraucht hatte. Es gab überhöhte Tarife und die Kundenbetreuung war mangelhaft. Als Reaktion auf die neue Konkurrenz wurden die Flugpreise angepasst und für die Passagiere gibt es mehr Flüge zwischen Altenrhein und Wien. Dadurch ist auch das Passagieraufkommen in Altenrhein um 40 Prozent gestiegen.

Wir hatten aber als „Start-Up“ einige Probleme mit der Glaubwürdigkeit. Uns hat keiner zugetraut, dass wir tatsächlich fliegen und als wir dann in der Luft waren, meinten viele, dass wir das nicht lange durchstehen. Nach einem halben Jahr wird das Vertrauen der Kunden mittlerweile besser. Ich kann nur erneut versichern, dass wir bis 2015 und darüber hinaus durchfliegen werden. Dazu haben wir den finanziellen Background.

AANet: In den Sommermonaten wurden immer wieder Flüge gestrichen. Wie sieht es da im Herbst aus?

Unternährer: Traditionell sind Juli aber vor allem August sehr schwach. Das ist ganz normal auf einer Geschäftsstrecke und war auch schon früher so. Wir haben heuer natürlich ausgedünnt, es würde ja keinen Sinn machen, leer zu fliegen. Jetzt fliegen wir aber wieder die drei täglichen Rotationen und das wird auch den ganzen Winter so bleiben.

AANet: Wo liegt denn die Auslastung der Viennaline derzeit?

Unternährer: Ich habe heute Morgen noch nachgesehen und da war die Auslastung in den ersten Septembertagen bei 40 Prozent. Das ist sehr schön aber noch nicht befriedigend. Das wird sich noch verbessern. Die Vorausbuchungen stimmen uns optimistisch, wobei es für uns schwierig ist, das zu beurteilen, weil wir keine Erfahrungswerte haben und Geschäftsreisende tendenziell eher kurzfristig buchen.

AANet: Dass die Viennaline bei 40 Prozent Auslastung rote Zahlen schreiben muss, ist relativ klar. Wie sieht aber auf Holding-Sicht: Belastet die Airline das Gesamtergebnis?

Unternährer: Genaue Zahlen möchte ich hierzu nicht nennen. Dem Flughafen helfen die zusätzlichen Rotationen natürlich. Aber wie es unterm Strich für 2011 aussehen wird, kann ich während des Jahres noch nicht sagen.

AANet: Ganz konkret: Ist die Viennaline für die Holding, die Altenrhein Realco AG, eine Belastung, ja oder nein?

Unternährer: Im Moment ist es gesamtwirtschaftlich noch eine leichte Belastung. Das ist so.

AANet: Gibt es eigentlich Überlegungen den Embraer-Jet stärker einzusetzen?

Unternährer: Ja, natürlich. Wir sind im August auch schon einen Einzelcharter nach Split geflogen. Unsere Priorität lag aber zu Beginn auf der Linienstrecke. Wir wollten zuerst die Operation nach Wien sauber fliegen, aber es ist ganz klar, dass wir uns in neue Geschäftsfelder vorwagen. Wir werden und müssen auch zusätzliche Charterflüge anbieten, seien es jetzt Einzelflüge oder ganze Ketten im Winter oder nächsten Sommer.

AANet: Das ist fix?

Unternährer: Ja, das machen wir definitiv. Wir müssen unser Flugzeug aber auch unsere Crews besser auslasten. Im Herbst werden wir noch zwei oder drei weitere Einzelcharter fliegen. Bisher haben wir die meisten Anfragen abgelehnt, weil wir uns auf das Kerngeschäft konzentrieren wollten. Jetzt läuft die Wien-Rotation wie eine Schweizer Uhr, daher gehen wir Schritt für Schritt in Richtung Charter. Derzeit behandeln wir eben diese Einzelanfragen, schauen uns aber für den Winter auch nach Skicharterflügen um und für die Sommerkataloge stehen wir in Verhandlungen mit den Reisebüros.

AANet: Wo würden Sie diese zusätzlichen Charterflüge im Flugplan unterbringen?

Unternährer: Wir könnten die Charterflüge am Tagesrand anbieten, am Abend den Hinflug und am nächsten Morgen den Rückflug. Ideal eignet sich auch das Wochenende. Zwischen den Linienflügen am Samstagvormittag und der Rotation am Sonntagabend ist genug Platz für Charterflüge. Da gehen sich für den People’s Airport und die Viennaline sicher zwei bis drei Ferienflüge aus.

AANet: Der Name People’s ist untypisch. Warum heißt der Flughafen eigentlich People‘s Business Airport?

Unternährer: In der Schweiz gibt es Gesetz, dass der Flughafen so heißen muss, wie der Standort-Kanton und die Standort-Gemeinde, also St. Gallen-Altenrhein oder Zürich-Kloten. Aber unser Marketingname ist People‘s Business Airport. Wir haben uns für einen kontroversen Namen entschieden, weil wir Aufmerksamkeit erzeugen wollten. Wir haben 55 Prozent Business Aviation, da ist das einzig entscheidende Kriterium, ob du bekannt bist oder nicht. Die Kampagne hat gut funktioniert, weil plötzlich hat man weltweit über den Namen diskutiert.

AANet: Hat sich der Erfolg der Kampagne auch in Zahlen messen lassen?

Unternährer: Ja, wir hatten ein Wachstum, obwohl der Markt für Business Aviation krisenbedingt schrumpfte. Auch aktuell wächst die Business Aviation bei uns um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

AANet: Was macht den Flughafen Altenrhein abseits des Flugbetriebes aus?

Unternährer: Der Name People’s soll auch zeigen, dass wir auf den Menschen fokussiert sind. Als in Zürich einführt wurde, dass alle Economy-Passagiere am Automaten selbst einchecken müssen, wurde ich gefragt, wann wir das machen. Wir werden das nie machen, das ist nicht unsere Unternehmensphilosophie.

AANet: Wie sieht eigentlich das Konkurrenzverhältnis zum Flughafen in Zürich und zu Friedrichshafen aus?

Unternährer: Bei der Strecke nach Wien stehen wir natürlich in Konkurrenz zu Friedrichshafen. Der Flughafen Friedrichshafen ist aber ganz anders ausgerichtet. Die sind viel mehr interessiert an Chartern und an größeren Flugzeugen. Das ist bei uns gar nicht möglich, wir können keine Flüge mit 120-Sitzern durchführen, da sind wir durch unsere nur 1500 Meter lange Piste eingeschränkt. Wir haben aber gar nicht vor, die Start- und Landebahn zu verlängern, denn dann würden wir automatisch in das Low-Cost-Segment hineinrutschen und das wollen wir nicht.

Bei der Business Aviation konkurrieren wir sehr stark mit Zürich. Da geht’s um Bekanntheit. Der Passagier sagt, er will zum World Economic Forum in Davos, der Pilot oder Operator entscheidet dann ob man Zürich oder Altenrhein anfliegt. Wenn man weiß, dass man in die Ostschweiz muss, dann macht Altenrhein für Passagiere in Privatjets Sinn.

AANet: Wie wichtig ist die Business Aviation?

Unternährer: Bevor wir die Viennaline starteten, machte die Linie 35 Prozent aus, die Business Aviation lag bei 55 Prozent und der Rest waren Mieteinnahmen. Das hat sich durch die Viennaline etwas verschoben, die Business Aviation ist aber nach wie vor sehr wichtig.

AANet: Und Charter?

Unternährer: Die Tyrolean fliegt im Sommer zwischen Mai und Oktober etwa 25 Charterflüge. Bei den Gesamteinnahmen des Flughafens ist das nur ein kleiner Anteil.

AANet: Was erwarten sie für 2012 in der Luftfahrt rund um den Bodensee?

Unternährer: Mit Überraschungen rechne ich nicht. Ich erwarte, dass 2012 sowohl die People‘s Viennaline als auch die Austrian Airlines die Strecke Altenrhein-Wien weiterhin parallel fliegen werden.


 
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