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Verfasst am: 12.11.10 11:14

Von: Roman Payer

Nach Dreamliner-Notlandung: Boeing in der Krise?

Eine defekte Schalttafel ist Schuld daran, dass der Boeing Dreamliner ZA002 am Dienstag in Texas notlanden musste. Die Schalttafel habe das Isoliermaterial in Brand gesetzt, teilte Boeing am Donnerstagabend mit. Die Verzögerungen bei der Dreamliner-Auslieferung dürften weiter gehen.

Foto: Boeing

Acht Boeing 787 Dreamliner sind seit Montag abbestellt worden. Die Aktie des US-amerikanischen Flugzeugbauers stürzte in den letzten Tagen um mehrere Prozent ab. Gestern schloss die Boeing-Aktie auf der Wallstreet in New York bei Minus 2,53 Prozent. Insgesamt ist Boeing mit dem Langstrecken-Jumbo 787 schon drei Jahre im Verzug. Die Notlandung des Test-Dreamliners ZA002 in Texas ist nur der neueste Vorfall einer langen Pannenserie:

19.06.2005: Air Canada storniert 14 Dreamliner. Grund: Boeing kann die vereinbarten Kosten nicht einhalten

21.02.2006: Auf der Luftfahrtmesse in Singapur sagt Boeing-Chef, man sei noch im Zeitplan: „Der Erstflug ist für 2007 geplant, im zweiten Quartal 2008 soll das erste Flugzeug an die Kunden ausliefert werden.“

22.05.2006: Nach Angaben des Boeing-Direktors sind bereits 25 Prozent der Informationen für das Detaildesign festgelegt. Dieses umfasse vor allem die großen Bauteile wie Rumpf und Tragflächen.

17.06.2007: Bei der Montage des ersten Flugzeugs ergeben sich fingerbreite Lücken. "Die Probleme waren nicht unerwartet und wurden relativ routiniert gelöst", sagte der für kommerzielle Flugzeuge zuständige Boeing-Direktor Scott Carson. Zu diesem Zeitpunkt hält Boeing noch am ursprünglichen Zeitplan fest.

19.06.2007: Es wird bekannt, dass Delta Air Lines bis Jahresende 125 Boeing 787 abbestellen könnte.

11.12.2007: Der US-Flugzeugbauer Boeing erwartet nach der mehrmonatigen Verzögerung bei seinem neuen Langstreckenjet 787 Dreamliner keine weiteren Rückschläge. Hauptgrund dafür waren Probleme bei Zulieferern.

30.01.2008: Angesichts der fehlenden Auslieferungen der 787 rechnet Boeing mit einem rückläufigen Umsatz. Mitte des Monats hatte Boeing eingeräumt, die Probleme beim Bau der ersten Dreamliner und mit den Zulieferern nicht in den Griff zu kriegen und hatte sowohl den Erstflug als auch die Auslieferung der 787 verschoben.

19.02.2008: Das weltweit größte Leasingunternehmen von Flugzeugen, International Lease Finance Corp (ILFC), kündigt bei der Flugschau in Singapur an, Entschädigungszahlungen zu fordern. Auf Boeing könnten Forderungen in Milliardenhöhe zukommen. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits knapp 900 Dreamliner zu einem Listenpreis von 140 Milliarden Dollar geordert.

04.11.2008: Der geplante Erstflug wird auf 2009 verschoben. Als Grund wird von Boeing ein zweimonatiger Streik genannt. Es ist bereits die fünfte Verschiebung des Erstflugs und Boeing ist Ende 2008 bereits 16 Monate hinter dem ursprünglichen Zeitplan.

04.05.2009: Boeing rechnet weiter fest mit dem Jungfernflug im zweiten Quartal 2009.

02.07.2009: Der Flugzeugbauer will ein Zulieferer-Werk kaufen. Boeing hat sich beim Dreamliner so stark wie noch nie auf Zulieferer verlassen. Die Schwierigkeiten bei der Koordination der Zulieferer ist einer der Hauptgründe für die Verzögerungen. Zeitgleich stornierte Qantas 15 Dreamliner.

11.12.2009: Boeing meldet, dass die letzten Tests für den Boeing Dreamliner erfolgreich abgeschlossen seien. Wenige Tage später hebt der Dreamliner zum ersten Mal ab. Zwei Jahre verspätet.

09.05.2010: Fünf Monate und 600 Flugstunden nach dem Erstflug des Langstrecken-Jets Boeing 787 droht sich die Auslieferung erneut um mehr als drei Monate zu verzögern.

10.08.2010: Boeing räumt weitere Probleme beim Zusammenbau der Maschinen ein.

05.11.2010: Einzelne Fluggesellschaften müssen einem Magazinbericht zufolge noch länger auf den Boeing-Langstreckenflieger 787 Dreamliner warten. Schlimmstenfalls könne die Verzögerung zehn Monate betragen, berichtete "Aviation Week"

10.11.2010: Die jüngste Panne führt zu einer Notlandung in Texas. Eine Defekte Schalttafel lässt Rauch in die Kabine des Boeing-Dreamliner strömen. Der Flugzeughersteller setzt die Testflüge auf unbestimmte Zeit aus. Die Zweifel für den angepeilten Auslieferungstermin im 1. Quartal 2011 mehren sich.


 
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