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Verfasst am: 23.09.08 12:45

Von: Martin Metzenbauer

Interview: Air France-KLM Österreich-Chef Guido Hackl

Guido Hackl über persönliche Ziele als Area Manager, die Entwicklung von Air France-KLM in Österreich und den Sinn einer möglichen strategischen Partnerschaft mit der AUA.

Air France-KLM hat seit August dieses Jahres einen neuen Area Manager: Guido Hackl übernahm das Ruder von Mathieu Dousset, der nach Frankreich an den Hauptsitz von Air France zurückkehrte. Der 43-jährige Hackl war zuvor bei Lufthansa, Swissair, Sabena und SN Brussels tätig, bevor er im April 2004 zur KLM als Country Sales Manager wechselte. Kurz darauf ging der Merger zwischen Air France und KLM über die Bühne, sodass Hackl nunmehr Österreich-Chef der am Umsatz gemessen größten Airlinegruppe der Welt ist. Austrian Aviation Net traf den frischgebackenen Air France-KLM Österreich-Direktor zum Gespräch.

Austrian Aviation Net: Sie sind seit knapp zwei Monaten Country Manager von Air France-KLM für Österreich. Wie sehen Ihre persönlichen Ziele aus?

Guido Hackl: Eines meiner Ziele ist es, in einer Zeit schlechter Konjunktur und zunehmend aggressiver Mitbewerber, so gut wie möglich mit dem Markt mit zu wachsen. Dabei ist man natürlich immer von der Produktion abhängig – wir werden als Air France im Winterflugplan leider eine Rotation aus dem Flugplan nehmen. Jetzt fliegen wir noch siebenmal am Tag zwischen Wien und Paris (viermal selbst und dreimal im Codeshare mit Austrian), ab Oktober führen wir nur noch drei tägliche Flüge selbst durch. Dadurch ist es natürlich schwierig, diesen Wachstumskurs zu gehen.

Ein weiteres Ziel ist es, die Organisation auf so gute Beine zu stellen, dass sie die Anforderungen des österreichischen Marktes am besten befriedigen kann. Wir haben vor kurzem das Stadtbüro zugesperrt, da sich der Betrieb in Zeiten von Internet und elektronischer Buchung nicht mehr rentiert. Die Leute aus dem Stadtbüro müssen in anderen Bereichen integriert werden und erhalten neue Aufgaben. Auch am Flughafen muss man Strukturen schaffen, die nachhaltig erfolgsversprechend sind.

Austrian Aviation Net: Sie haben den Verkauf über das Internet angesprochen – wie hoch ist da bei Ihnen der Anteil?

Guido Hackl: Der ist bei Air France und KLM unterschiedlich. Air France hat wegen des Codeshares mit Austrian erst im Februar das elektronische Ticket eingeführt, das ja eine Grundvoraussetzung für die Internetbuchung ist. Bei der KLM sind es ca. 14%, bei der Air France ca. 10%.

Austrian Aviation Net: Auf Ihren Strecken von Wien nach Paris bzw. Amsterdam sind mit NIKI und SkyEurope zwei Low Cost Airlines unterwegs. Machen Ihnen die das Leben schwer?

Guido Hackl: Natürlich. NIKI und SkyEurope fliegen im Tagesrand nach Paris – das geht an den Netzwerkairlines nicht spurlos vorbei. Dabei verlieren wir nicht nur Passagiere – auch der Durchschnittsertrag sinkt. Wir haben natürlich reagiert und sind mit unseren Preisen auch heruntergegangen und haben Angebote, die teilweise attraktiver sind als die der Low Cost Airlines.

Austrian Aviation Net: Wie viele Prozent Ihrer Fluggäste haben Paris bzw. Amsterdam als Endziel und wie viele steigen um?

Guido Hackl: Bei unserem Passagiermix sieht es so aus, dass wir auf den Paris-Flügen 75% Umsteiger haben, nach Amsterdam sind es 84%.

Austrian Aviation Net: Wird es ab Wien neue Destinationen geben?

Guido Hackl: Derzeit ist unser Angebot ab Wien ausreichend.

Austrian Aviation Net: Wie sieht es mit den Bundesländern aus?

Guido Hackl: Von den Bundesländern hatte ja die KLM eine sehr lange Partnerschaft mit der AirAlps, die sich aber vor einigen Jahren leider dazu entschieden hat, mit der Alitalia zusammenzuarbeiten. Dadurch sind die Verbindungen von Salzburg, Linz und Innsbruck nach Amsterdam weggefallen. Die Air France hat ab Salzburg mit Styrian Spirit zusammengearbeitet, die aber in Konkurs gegangen ist. Uns sind also die Partner in Österreich abhanden gekommen.

Wir sind in engem Kontakt mit den Flughäfen Graz und Salzburg – diese Destinationen stehen eigentlich kontinuierlich auf dem Prüfstand. In eigener Produktion können wir sie aber derzeit nicht starten, da uns die Flugzeuge fehlen. Wir hätten gerne einen Partner, den es aber momentan nicht gibt.

Austrian Aviation Net: Die Fusion zwischen Air France und KLM wurde 2004 vollzogen – wie ist der Zusammenschluss vonstatten gegangen?

Guido Hackl: Von den Geschäftsführungen wurde damals erklärt, dass die Fusion nicht auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen würde. Das hat sich bewahrheitet – aufgrund des Zusammenschlusses hat niemand seinen Job verloren. Es ist auch tatsächlich so, dass beide Brands parallel wachsen. Wenn Sie sehen, wie KLM in Amsterdam Schiphol und Air France in Paris Charles de Gaulle wächst, dann geschieht das im Gleichklang.

Teilweise werden natürlich vom einen Partner Destinationen aufgegeben, die dann vom anderen übernommen werden – aber das macht dann Sinn, das ist sehr ausgewogen. Air France sagt nicht: "Wir sind der Senior Partner und das Wachstum wird nur mit Air France generiert." Man kann sich das auch bei den Available Seat Kilometers nach jeder Flugplanperiode ansehen – beide Airlines wachsen jedes Mal in etwa gleich.

Austrian Aviation Net: Auch im Langstreckenverkehr?

Guido Hackl: Gerade auf der Langstrecke. Die Air France hat vor kurzen beispielsweise Salt Lake City aufgenommen, die KLM Panama City, Air France fliegt dank Open Sky London-Los Angeles, die KLM wiederum hat mit eigenem Fluggerät Dallas aufgenommen. Beide Airlines haben also ein sehr ausgeglichenes Wachstum – eben gerade auf der Langstrecke.

Austrian Aviation Net: Bis heuer müssen KLM und Air France vertraglich mit getrennten Operations fliegen – wird sich daran etwas ändern?

Guido Hackl: Sie werden in den Außenstationen wie hier in Wien kaum mehr jemanden finden, der sagt "Ich bin Air France" oder "Ich bin KLM", da ist alles integriert. Anders ist es natürlich in den Headoffices Amsterdam und Paris, da kann man natürlich alleine schon aufgrund der geographischen Distanz nicht einfach integrieren. Dort geht es eher darum, zu sehen welcher Job wo am besten gemacht wird.

Ich müsste mich sehr täuschen, wenn sich etwas bei den Brands ändern würde. Die Marke "KLM" ist in Holland seit ca. 90 Jahren bekannt und natürlich dementsprechend gut positioniert. Das gleiche gilt natürlich für Air France in Frankreich. Es würde unheimlich wenig Sinn machen, die beiden Brands zu verschmelzen oder den einen Teil zugunsten des anderen verschwinden zu lassen.

Austrian Aviation Net: Können Sie mir abschließend noch ein kurzes Statement zu den Air France-KLM-Ambitionen bei der AUA-Privatisierung geben?

Guido Hackl: Air France-KLM hat ein Angebot abgegeben – wegen eines echten Interesses an der AUA. Rein vom Streckennetz macht das Sinn: Sie sehen, was die AUA im Osten hat, was Air France-KLM nicht hat – da gibt es möglicherweise mehr Überlappungen mit der Lufthansa. Zu den reellen Chancen steht es mir nicht zu, eine


 
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