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Verfasst am: 08.11.11 18:11

Von: Roman Payer

NIKI wird deutsch - Eine Analyse

Fragen und Antworten zur Übernahme von NIKI

Fotos: AirTeamImages.com, André Zehetbauer

NIKI wird deutsch. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin hat heute angekündigt, die österreichische Low-Cost-Airline von Niki Lauda komplett zu übernehmen. Air Berlin ist seit 2004 an der NIKI Luftfahrt GmbH beteiligt, seit dem Vorjahr mit 49,9 Prozent. Jetzt "verkauft" die Privatstiftung Lauda die komplette Gesellschaft nach Deutschland. Was das bedeutet, hat Roman Payer recherchiert.

Was ist heute passiert?
Niki Lauda und der CEO von Air Berlin, Hartmut Mehdorn haben auf einer Pressekonferenz in Wien bekanntgegeben, dass Air Berlin 100 Prozent der Anteile an NIKI übernehmen wird. Bis Jahresende soll die Übernahme abgewickelt sein.

War diese Entwicklung absehbar?
Ja, Air Berlin hat sich schon 2004 an der kurz davor von Lauda gegründeten Fluglinie beteiligt. Letztes Jahr hat Air Berlin die Anteile auf 49,9 Prozent aufgestockt und NIKI ein Darlehen gewährt. Dieses Darlehen war auch der Grund, warum in Insiderkreisen gemutmaßt wurde, dass NIKI eines Tages komplett bei Air Berlin landen wird. Tatsächlich kauft Air Berlin keine Anteile an NIKI, sondern das Darlehen wird durch die Übernahme getilgt.

War die Übernahme überraschend?
Definitiv. Dass alles so schnell ging, ist überraschend und nur vor dem Hintergrund des oneworld-Beitritts und der Finanzsituation von Air Berlin zu erklären. Man wollte offenbar noch vor 2012 Nägel mit Köpfen machen.

Was ändert sich?
Für die Passagiere nichts. Insgesamt werden aber Entscheidungen transparenter. Wichtige strategische Entscheidungen werden künftig in Berlin getroffen, aber auch schon jetzt gab die deutsche Partnerairline die grundsätzliche Linie vor.

Was bedeutet das für den Flughafen Wien?
Nichts. Vonseiten Air Berlins gibt es das Bekenntnis zum Hub in Wien, derzeit werden die Verbindungen nach Osteuropa aufgestockt. Mit NIKI soll das Netz auf den schnell wachsenden Märkten in Osteuropa „noch schlagkräftiger“ werden.

Was macht Niki Lauda jetzt?
Der Ex-Formel1-Weltmeister wechselt im Dezember als Verwaltungsrat zu Air Berlin. Dort wird er im 13-köpfigen Board sitzen und für die gesamte Air Berlin Group entscheiden. Lauda will „nach wie vor die Augen auf NIKI halten. Ich bin von oben verantwortlich.“ In Pension geht Lauda jedenfalls nicht. Und: Er will auch weiterhin Flugzeuge selber fliegen. Der Konkurrenz richtete er heute aus: „Der lästige Molch Lauda ist nicht weg“.

Wird „Niki Nationale“ nach dem Verkauf der Lauda Air an die AUA und NIKI an Air Berlin eine dritte Airline gründen?
Nein, auch wenn der Airliner innerhalb von zehn Jahren zwei Fluggesellschaften verkauft hat, ist es ausgeschlossen er es noch einmal wissen will. Mit dem Wechsel ins Board von Air Berlin ist fix, dass sein künftiges Engagement der Air Berlin-Gruppe gilt. Außerdem gehen ihm die Namen für eine Neugründung aus: Lauda Air ist im Eigentum der Austrian Airlines und flyNIKI ist eine Marke von Air Berlin. Aber: Niki Lauda hat noch seinen Zweitnamen Andreas

Die AUA gehört der Lufthansa, Alleineigentümer von NIKI ist künftig AB. Gibt es da jetzt eigentlich noch österreichische Airlines?
Ja, es gibt noch österreichische Linienfluggesellschaften, aber keine großen Carrier mehr. Mit der heutigen Übernahme dominieren in Österreich eindeutig die beiden deutschen Luftfahrtkonzerne. Die Fluglinien mit heimischen Eigentümern verstecken sich in Innsbruck, Bregenz und Dornbirn. Mit 210.000 jährlichen Passagieren ist InterSky künftig die größte Airline mit österreichischem Mehrheitsbesitz.

Was bleibt an NIKI österreichisch?
Vieles: Die Airline wird ihren Firmensitz und ihr Drehkreuz weiter in Wien haben. Bei NIKI werden auch künftig Österreicher, derzeit knapp 800, arbeiten und die NIKI Luftfahrt GmbH bleibt eine österreichische Unternehmensrechtsform. Ob es an Bord der NIKI-Jets auch weiterhin typische österreichische Bauernbrote geben wird, ist fraglich. Generell will Air Berlin die Tochterairline stärker integrieren und „ökonomische und logistische“ Synergien nützen.

Warum wird eine „neue, rein österreichische“ Stiftung gegründet?
Wegen der Landerechte. Aus verkehrsrechtlichen Gründen bleibt NIKI ein österreichisches Unternehmen mit eigener Geschäftsführung. Die Mehrheitseigentümerschaft an der NIKI Luftfahrt GmbH soll durch eine österreichische Privatstiftung sichergestellt werden. Die Konstruktion erinnert an das Modell von Lufthansa und AUA.

Wie geht es NIKI finanziell?
Fantastisch, wenn man den Aussagen der NIKI-Manager glaubt. Die NIKI Luftfahrt GmbH werde trotz des schwierigen Marktumfeldes „zum 7. Mal in Folge ein positives Ergebnis“ erwirtschaften, hieß heute einer Presseaussendung. Lauda selbst spricht – bei einem prognostizierten Umsatz von 430 Millionen Euro – von einem „zweistellig positiven“ Ergebnis für 2011. Überprüfen lassen sich die Jubelmeldungen nicht, NIKI gibt keine Zahlen bekannt. Doch die Air Berlin Gruppe, in deren Bilanz auch die Gewinne und Verluste von NIKI einfließen, schreibt aktuell dunkelrote Zahlen.

Wie viel kostete Air Berlin eigentlich der Kauf von NIKI?
Gar nichts. Air Berlin muss für die Übernahme nichts zahlen, denn Niki Lauda schuldete der deutschen Airline ein Darlehen in der Höhe von 40,5 Millionen Euro. Anstatt seine Schulden zurückzuzahlen, „schenkt“ er Air Berlin seine Anteile und tilgt damit den Kredit. Indirekt könnte man die 40,5 Millionen Euro als Kaufpreis ansehen.


 
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