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Im Focus Detail


Verfasst am: 24.05.10 09:55

Von: Peter Unmuth

Im Focus: Lufthansa A380

Alle Bilder: Lufthansa

Einsteigen über 2 Ebenen

Das Einsteigen über 2 Stockwerke in den A380 beschleunigt das Boarding. Durch dieses Konzept will Lufthansa das Boarding für den A380 in der gleichen Zeit abwickeln wie das für die um 150 Sitzplätze kleinere Boeing 747. Gemeinsam mit Fraport wurde diese zeitsparende Methode entwickelt. Gegenwärtig zehn Parkpositionen am Terminal sowie 5 weitere am Vorfeld sind für den A380 geeignet. Am Terminal wird das Boarding gleichzeitig über drei Fluggastbrücken durchgeführt.

Schon 2008 mit der Einweihung des sogenannten CD Riegels war Frankfurt für den A380 gerüstet. Über der Halle im Erdgeschoss befinden sich die Gates für die Economy Passagiere auf Ebene 2 und darüber auf Ebene 3 die den Gästen der Business und First Class sowie Frequent Travellern, Senatoren und HON Circle Mitgliedern vorbehaltenen Bereiche.
Eine gute halbe Stunde plant die Lufthansa für das Zwei-Ebenen Boarding ein.

Turnaround mit „Straßenverkehrsordnung„

Etwa eineinhalb Stunden Bodenzeit sind von den Planern zwischen Landung und nächstem Start für den A380 vorgesehen. Nach Erreichen der Parkposition docken 20 Versorgungsfahrzeuge, zwölf davon gleichzeitig, an. Dabei sind bis zu 70 Personen im Einsatz um den „Airboss„ wieder startklar zu machen.
In Kooperation mit der Tochter LSG Sky Chefs hat Lufthansa extra für den zweistöckigen A380 ein neues Catering Fahrzeug entwickelt. Dieser High Loader kann die Ladefläche bis auf das Niveau des A380 Oberdecks anheben.

Bis zu 50 Personen sind gleichzeitig an Bord des Flugzeuges um die notwendigen Aufgaben zu erfüllen. Damit sich die Dienstleister dabei nicht gegenseitig behindern hat Lufthansa eine eigene „Straßenverkehrsordnung„ eingeführt - Immer linksherum, also gegen den Uhrzeigersinn. Aber nicht nur diese Verordnung soll helfen die Prozesse zu optimieren, auch die Technik hilft mit. Der A380 hat an den Türen Sensoren die ein Signal senden wenn zum Beispiel das Beladen beginnt. Die zentrale Überwachung kann unter anderem auch dadurch feststellen ob alle Prozesse optimal laufen und ob sich die jeweiligen Dienstleister an Ihr exakt vorgegebnes Zeitfenster halten und gegebenenfalls korrigierende Maßnahmen einleiten.

Streckenplanung

Zahlreiche Kriterien sprechen für oder gegen die Aufnahme einer Destination in den Flugplan der A80 Flotte. Nicht jede große Metropole erfüllt automatisch all diese Kriterien. Als Basis dienen alle Destinationen die derzeit mit Boeing 747-400 oder Airbus A340-600 angeflogen werden. Daraus ergaben sich 30 mögliche Zielorte für den A380. Die strategische Bedeutung, sowohl für die Lufthansa als auch die deutsche Wirtschaft,  einzelner Märkte hat bei der Auswahl der A380 Destinationen eine hohe Priorität. Weiters sind Flugbegrenzungen auf Basis bilateraler Abkommen sowie möglicherweise fehlende Slots zu berücksichtigen. In diesem Umfeld stellt der A380 die einzige Möglichkeit dar die Kapazität auf diesen Strecken zu erhöhen.

Als Ergebnis dieser umfangreichen Prozesse wurden die Destinationen für die ersten 4 Airbus A380 der Lufthansa festgelegt. Den Anfang macht Tokyo, gefolgt von Peking und anschließend Johannesburg. Bereits jetzt beginnt die Streckenplanung für die 2011 zusätzlich zur Flotte kommenden A380 und im Herbst 2010 wird entschieden auf welchen Strecken das Flaggschiff zum Einsatz kommen wird.

Umweltfreundlichkeit – Das 3 Liter Flugzeug

Mit diesem niedrigen Kerosinverbrauch pro Passagier und 100 Kilometer schlägt der A380 trotz des Startgewichtes von 550 Tonnen ein neues Kapitel in der Luftfahrtgeschichte auf. Der spezifische Treibstoffverbrauch pro Sitz ist um 13 Prozent geringer als bei der 747. Die Emissions-Grenzwerte der ICAO werden um 62 Prozent bei den unverbrauchten Kohlenwasserstoffen und Kohlendioxid unterschritten, die Grenzwerte für Stickoxide um 31 Prozent.
Bereits 2009 erzielte der Lufthansa Konzern mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,3 Liter Treibstoff pro Passagier und 100 Kilometer den besten Wert der Unternehmensgeschichte. 1991 lag dieser Wert noch bei 6,2 Liter.

Mit den zu vergleichbaren Modellen rund 30 Prozent leiseren Trent 900 Triebwerken von Rolls Royce hat der A380 auch wahrnehmbare Vorteile für die Flughafenanrainer. Der fliegende Riese ist so leise das er in der Fluglärmkategorie vier eingestuft ist.

Innovatives Cockpit mit Human Factor Certification

Trotz der vielen Neuerungen ist das Cockpit des A380 für erfahrene Airbus Piloten kein Neuland. Alle Bedienelemente sind in der gleichen Position und Entfernung zu erreichen wie beim kleinsten Airbus, der A318. Als erstes Flugzeug erhielt der A380 für das  Cockpit eine sogenannte Human Factor Certification. Acht große Displays sind für die Darstellung der relevanten Informationen ins Cockpit integriert. Auf zwei weiteren Bildschirmen können sämtliche Handbücher, Anflug- und Wetterkarten oder das technische Logbuch abgerufen werden. Mit einem Trackball werden die Daten abgerufen und die Inputs der Piloten an die Systeme weitergegeben.

Neu ist auch die dreidimensionale Darstellung von Wetterfronten und Anzeige des Flugweges nicht nur in horizontaler Richtung sonder auch vertikal. Nicht neu, und jedem Airbus Piloten vertraut, ist die Flugsteuerung mittels Sidestick.

Landen mit BTV

„Brake to vacate„ ist die Bedeutung der drei Buchstaben. Dahinter verbirgt sich vereinfacht gesagt eine Bremse mit integriertem Navigationsgerät.
Durch diese Technik erreicht das Flugzeug die vorgewählte Abrollgeschwindigkeit exakt beim vorgesehenen Exit Point. Durch diesen optimierten Bremsvorgang wird die Verweildauer auf der jeweiligen Landebahn verkürzt.
In einer eigens dafür angelegten Datenbank sind die Koordinaten der Rollbahnen von Flughäfen gespeichert. Vor der Landung selektiert der Pilot mittels Trackball wo welche Abrollgeschwindigkeit erreicht werden soll, Egal an welcher Stelle der Piste dann aufgesetzt wird, BTV denkt mit und errechnet an Hand der GPS Koordinaten den Verzögerungsweg und die dafür notwendige Bremsleistung.

Sollte sich rechnerisch ergeben, das die Bahn für eine sichere Landung unter den gegebenen Umständen nicht ausreichend ist wird die „Runway Overrun Warning ausgegeben„.

Wartung in der 150 Millionen Halle

Für die Wartung des A380 sind 100 sogenannte Grossbetriebsmittel (Kräne und Hebebühnen) notwendig, zusätzlich gibt es mehr als 500 speziell angefertigte Werkzeuge. Für die Wartung der A380 hat Lufthansa in Frankfurt eine neue Wartungshalle gebaut. In der Halle mit einer Grundfläche von 180 mal 140 Metern und einer Höhe von 45 Metern finden zwei A380 oder 3  B747 gleichzeitig Platz.

Mit dem zweiten Bauabschnitt bis 2015 wird die Kapazität auf 4 A380 gleichzeitig erhöht. Für die notwendigen speziellen Arbeitsmittel wurden 14 Millionen Euro investiert.

Software – Ohne IT kein Flug

Über 500 Passagiere und mehr als 1000 Gepäckstücke, dies alles muss im Rahmen des A380 Check-In und Boarding bearbeitet werden. Auch wichtige Teile der Flugvorbereitung und die Berechnung des Schwerpunktes sind wurden in die von vielen Airlines weltweit genutzte Software NetLine/Load von Lufthansa Systems integriert.

In Zukunft wird auch der elektronische Pilotenkoffer, Lido/FlightBag, im A380 zum Einsatz kommen. Darüber hinaus wird auch die neueste Version von EFOM (Electronic Flight Operations Manual) von Lufthansa Systems eingesetzt werden. Mit EFOM werden wichtige Flugbetriebsdokumente erstellt die über das Electronic Flight Bag im Cockpit angezeigt werden können.

Superlative – Imposante Daten

- 220 Kabinenfenster
- 16 Türen
- 22 Räder (2 am Bugfahrwerk und 20 am Hauptfahrwerk)
- ca. 530 Kilometer Kabel
- ca. 100 000 einzelne Kabel
- ca. 40 300 Stecker
- ca. 550 Quadratmeter Teppich
- 18 000 speziell verstärkte Nieten und Bolzen verbinden den Rumpf mit jeder der beiden 28 Tonnen schweren Tragflächen.
- Rund 4 Millionen Einzelteile mit 2.5 Millionen Teilenummern von 1 500 Firmen aus 30 Ländern weltweit sind in der A 380 verbaut.
- Das Flügelpaar einer A 380 hat eine Oberfläche von 846 Quadratmetern – fast doppelt so viel wie bei der A 340-600.
- Im Rahmen der Entwicklung der A 380 meldete das Unternehmen Airbus mehr als 380 Patente an.

Daten im Vergleich - Die Lufthansa Langstreckenflotte

Langstreckenflugzeuge bei Lufthansa

 

A340-600

B747-400

B747-8i (ab 2011)

A380-800

Länge

75,3 m

70,7 m

76,3 m

72,7 m

Spannweite

63,5 m

64,6 m

68,4 m

79,8 m

Höhe

17,3 m

19,4 m

19,4 m

24,1 m

Tragfläche

437 m2

525 m2

554 m2

846 m2

Sitzkapazität in LH-Konfiguration

306

344

ca. 405

526

Reichweite

12.600 km

12.700 km

13.500 km

12.000 km

Verbrauch pro Passagier und 100 km

4,1 l

4,2 l

3,5 l

3,4 l

Tankkapazität

204.000 l

216.000 l

243.000 l

310.000 l

max. Startgewicht

368 t

395 t

440 t

569 t

Reisegeschwindigkeit

Mach 0,83

Mach 0,85

Mach 0,85

Mach 0,85


 
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