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Verfasst am: 10.10.12 14:34

Von: Jan Gruber

Welcome Aviation: Oliver Ladurner im Interview

Mit gleich drei Airlines im Hause ist die Welcome Aviation Group in Innsbruck ein Nischenanbieter mit bewegter Geschichte. Man fliegt Südtiroler nach Rom, Verletzte holt man aus aller Welt in ihre Heimat zurück und bedient im Auftrag der AUA die Strecke Linz-Wien. Austrian Aviation Net sprach mit Welcome-Aviation-Group Geschäftsführer Oliver Ladurner über die Wichtigkeit des richtigen Fluggeräts auf der richtigen Strecke, Jets mit hohem Kerosinverbrauch und darüber, dass Luftfahrtbegeisterte sich am besten mit allem rund um die Luftfahrt entspannen können.

Oliver Ladurner ist auch Kapitän auf der Do-328. (Fotos: Welcome Aviation Group)

Unter der Dachmarke „Welcome Aviation Group“ bringen es die Fluggesellschaften „Air Alps“, „Welcome Air“ und „Tyrol Air Ambulance“ zusammen auf eine Flotte von zwölf Flugzeugen. Am Ruder sitzt seit Feber 2012 Oliver Ladurner, der 1999 bei Air Alps als Pilot angefangen hat und bisher über 9.000 Flugstunden auf der Dornier 328 vorweisen kann. Austrian Aviation Net telefonierte mit Welcome-Aviation-Chef Ladurner am Mittwoch.

Austrian Aviation Net: Auf Ihrer Homepage findet sich eine Meldung vom 22.07.2012, in der angekündigt wird, dass 50-70-Sitzer Turboprop evaluiert werden. Das ist schon einige Zeit her…
Oliver Ladurner: Da ist in der Tat schon sehr viel Zeit vergangen. Wir werden in Kürze unsere neuen Homepages launchen und dann ist natürlich alles auf dem neuesten Stand. Das heißt aber nicht, dass sich für uns das Thema der neuen Turboprops erledigt hat. Im Gegenteil, denn wir bedienen mit Air Alps auf eigene Rechnung die Strecke Bozen-Rom. Dabei haben wir bisher 480.000 Passagiere sicher, schnell und mit einer Pünktlichkeit von 99,5 Prozent transportiert. Auf kurz oder lang führt hier für uns kein Weg an einem größeren Turboprop vorbei. Konkret evaluieren wir die ATR 72-500 und die ATR 72-600. Wir können dann mit größerem Fluggerät die Anzahl der Verbindungen etwas ausdünnen, gleichzeitig aber mehr Sitzplätze anbieten.

AANet: Warum gerade einen Turboprop aus dem Hause ATR?
Ladurner: Das ist einfach gesagt: Die ATR ist derzeit der wirtschaftlichste Turboprop mit überschaubarer und effizienter Kostenstruktur. Besonders die Wirtschaftlichkeit durch den geringen Treibstoffverbrauch macht die ATR 72 für uns zum idealen Flugzeug.

AANet: Als Welcome Air haben Sie eine kurze Zeit auch die Do-328 als Jet im Einsatz gehabt. Welche Erfahrungen konnten Sie mit dem Exoten sammeln?
Ladurner: Wir haben die Do-328-Jets ausgemustert da die Wirtschaftlichkeit sowohl im Linieneinsatz als auch im Ambulanzeinsatz nicht gegeben war. Wir setzen jedoch die Dornier 328 Turboprop für unsere Ambulanzflüge bei Tyrol Air Ambulance und für Charterflüge ein. Im Passagierflugbetrieb ist es so, dass ein Jet normalerweise schneller, komfortabler und leiser sein sollte als ein Turboprop. Da konnte der Do-328 Jet nicht mithalten, denn sie kann nicht höher fliegen, ist nicht nennenswert schneller und leiser ist sie auch nicht unbedingt. Dafür benötigt dieses Flugzeug deutlich mehr Treibstoff als ein Turboprop und ist eben im Linienflugverkehr in dieser Größe kein Instrument. Es ist schon sehr schwierig bis unmöglich einen 50-Sitzer-Jet im Regionalflugverkehr wirtschaftlich zu betreiben und bei der noch kleineren Do-328 in Jetausführung ist das gar nicht machbar.

AANet: Das heißt, dass die Turboprops im Regionalfluggeschäft eine Renaissance erleben?
Ladurner: Es ist immer die Frage wo man ein Flugzeug einsetzen möchte und vor allem auch kann. Die großen Fluggesellschaften konzentrieren sich zunehmend auf Mittel- und Langstrecke und dünnen ihre Regionalstrecken aus. Als regionale Fluggesellschaft hat man nur in Kooperation mit „Flagship Carriern“ eine Chance erfolgreich mit 30/50/70-Sitzern zu fliegen. Und genau hier muss man die Anforderungen des Markts beachten: Wenn möglichst viele Frequenzen gefragt sind, wird man eher auf den 30- bis 50-Sitzer setzen. Verbindungen im Tagesrand werden eher mit den 70-Sitzer bedient werden. Eine kleinere Airline sollte aber immer größeren Carrier kooperieren. Die große Fluggesellschaft kann von den niedrigeren Stückkosten der Regionalfluggesellschaft profitieren. Das bedeutet eine Win-Win-Situation für beide Seiten.

AANet: Sie fliegen schon im Auftrag der AUA mehrmals täglich von Linz nach Wien und zurück. Ist das so eine Win-Win-Situation?
Ladurner: Wir fliegen vier Rotationen am Tag für die Austrian Airlines. Auf jeden Fall ist das eine Win-Win-Situation, denn wir können mit kleinerem Fluggerät auf dieser Verbindung das Mehr an den gewünschten Frequenzen anbieten. Austrian Airlines profitiert von unseren effizienten Stückkosten.

AANet: Im Sommer wurde die Kooperation auch auf andere Strecken ausgedehnt. Wie hat das funktioniert?
Ladurner: Das war ebenfalls ein klassisches ACMI-Geschäft. Wir stellen alles rund um das Flugzeug, von der Crew über Versicherung bis hin zur Wartung. Wir konnten kurzfristig ein Flugzeug freimachen und im Auftrag der Austrian Airlines einsetzen. Wir haben mit unserem ACMI-Angebot ein hervorragendes Produkt für unseren Kunden und wir hoffen in Absprache mit der AUA dies weiterentwickeln zu können. Aber um einer Frage gleich vorzugreifen: Konkrete Gespräche über weitere ACMI-Einsätze für die AUA gibt es im Moment nicht.

AANet: Können Sie sich vorstellen, dass Sie Ihr Linienfluggeschäft in Eigenregie ausbauen und zum Beispiel wieder ab Innsbruck Flüge auf eigene Rechnung anbieten könnten?
Ladurner: Wir sind mit Air Alps Aviation im Liniengeschäft tätig. Wir betreiben mit Air Alps die Strecke Bozen-Rom. Aber Innsbruck als solches ist jetzt nicht angedacht. Wir evaluieren den Markt nach Möglichkeiten aktiv zu werden.. Ich möchte jedoch festhalten, dass wir  ohne Kooperation mit einem großen Partner wie zum Beispiel Austrian Airlines keine Experimente machen werden. Wir bekennen uns zu unseren Geschäftsmodellen und werden diese Stärken weiter ausbauen.

AANet: Sie betreiben als eine der letzten europäischen Airlines die Do-328 als Prop. Welche Erfahrungen konnten Sie mit diesem mittlerweile immer seltener werdenden Flugzeugmuster sammeln?
Ladurner: Mit diesem Muster haben wir wirklich sehr viel Erfahrung. Seit 1999 ist dieses in der Flotte der Air Alps, die zwischenzeitlich auf bis zu acht Flugzeuge angewachsen war. Wir waren bis zum wirtschaftlichen Aus der Alitalia sozusagen ihre „Production Company“. Die Do-328 ist immer noch ein hochmodernes Flugzeug, das effizient, zuverlässig, schnell und leise ist. Die Nachteile möchte ich aber auch nicht unerwähnt lassen, denn die gibt es natürlich: Die Sitzplatzkapazität ist mit 31 Sesseln natürlich sehr beschränkt und somit ist die Preisgestaltung der Buchungsklassen nicht zur Gänze marktgerecht. Deswegen geht bei uns auch die Tendenz zum 50-Sitzer, wenn nicht gleich zum 70-Sitzer. Turboprop versteht sich natürlich. Im Regionalflugbereich sehe ich die Zukunft in wirtschaftlichen Turbopropflugzeugen und hier gibt es zur Zeit eigentlich nur Bombardier und ATR. Die Embraer 170 ist auch in diesem Segment und eigentlich ein eher wirtschaftlicher Jet. Ich sehe die Zukunft im Regionalflugbereich bis zu 70 Sitzplätze aber ganz klar im Turbopropbereich.

AANet: Immer wieder kursieren Gerüchte, dass Saab eine modernisierte, verlängerte und verbesserte Neuauflage der Saab 2000 bringen könnte. Geben Sie dem eine Chance?
Ladurner: Man hört viel, aber von konkreten Plänen eines Saab-Comebacks habe ich nichts gehört. Die Saab 340 und die Saab 2000 sind effiziente und insbesondere schnelle Flugzeuge. Man darf den Regionalflugmarkt nicht nur in Europa sehen, sondern weltweit. Es gibt viele Märkte wo durchaus ein dritter Player fußfassen könnte, aber man muss auch sehen, dass der Trend auch zu größeren Jets und weniger Frequenzen geht. Bombardier und ATR sind in einem Segment tätig, in dem es darauf ankommt jedes Gramm Kerosin einzusparen, um möglichst wirtschaftliche Zubringer- oder Regionalflüge anbieten zu können. ATR hat mit der ATR 72-600 den wirtschaftlichen Turboprop, nicht zuletzt durch die angepasste verbrauchsarme Triebwerksleistung so erfolgreich. Das Signal von Intersky, neue Regionalflugzeuge in Form von Turboprops anzuschaffen war mit Sicherheit ein gutes Signal für den Regionalflugmarkt.

AANet: Wo warten Sie Ihre Flugzeuge eigentlich?
Ladurner: Wir haben einen eigenen Part 145-Wartungsbetrieb in Innsbruck mit 24-Stunden-Betrieb. Kundenflugzeuge haben wir im Regelfall nicht, da wir mit unserer Flotte sehr gut ausgelastet sind. Dass wir künftig auch die Drittwartung wesentlich erweitern möchte ich nicht ausschließen.

AANet: Die Tyrol Air Ambulance ist ein wichtiges Standbein Ihrer Unternehmensgruppe. Wie läuft ein Ambulanzflug ab?
Ladurner: Wir sind wahrscheinlich ein Global Player in Europa und immerhin schon seit 1976 in diesem Segment aktiv und haben Pionierarbeit geleistet. Europaweit gehören wir zu den drei größten Ambulanzfluggesellschafen und ich behaupte mal, dass wir das größte Know-How aufweisen können. Wir haben weltweit mit den größten Versicherungen und Assistancen Verträge sowie Abkommen, welche rund um die Uhr die Leistungen der Tyrol Air Ambulance in Anspruch nehmen können. Wir führen mit unseren als fliegende Intensivstation ausgestatteten Notfalljets sogenannte „Repatriierungen“ von erkrankten und verletzten Personen aus der ganzen Welt durch. Europaweit einzigartig sind die sogenannten „Gipsbomber“ und Ambulanzsammeltransporte, welche mit der Dornier 328 durchgeführt werden. Unsere bestens ausgebildeten und mehrsprachigen Mitarbeiter der 24/7-Alarmzentrale betreuen gemeinsam mit unseren hochqualifizierten Ärzten unsere Kunden und Patienten weltweit. Unsere Notfalljets sind in Kürze einsatzbereit, im Dienste unserer Kunden unterwegs und für jeden medizinischen Notfall gerüstet. Für uns steht die erstklassige Versorgung der Patienten und die sichere Rückkehr in seine Heimat an oberster Stelle. Wir sind aber nicht Ambulanzfluggesellschaft allein. Unsere Stärke ist unsere Flexibilität und Qualität. So entscheiden unsere Ärzte aufgrund der notwendigen medizinischen Versorgung ob ein Patient mit einem unserer Jets oder per Linienflugzeug heimgeholt wird. Diese Qualität und Objektivität wird von unseren Partnern sehr geschätzt. Wir bieten auch alle Dienste als Assistance an. So sind wir der medizinische Partner für Fluggesellschaften für diverse medizinische Abklärungen von Patienten die auf der Linie repatriiert werden können. Wir organisieren alles rund um die Repatriierung, von der Indikation bis zur Rückholung mit unseren Jets oder dem von unseren Ärzten begleiteten Patienten auf der Linie. Unsere Flugzeuge haben bis zu fünf Intensivbetten. Wir haben zwei Dornier 328 Turboprop, zwei Gulfstream G 100 und zwei Citation Notfalljets, einer davon in Kooperation mit dem ÖAMTC, im Einsatz. Insgesamt stehen täglich bis zu sechs Flugzeuge zur Verfügung, die wir im Sammeltransport oder Einzel-Doppeltransport binnen kürzester Zeit zum Patienten fliegen.

AANet: Wie stark ist Ihre Flotte eigentlich insgesamt?
Ladurner: Wir haben in der Gruppe 12 Flugzeuge.

AANet: Vorhin sprachen Sie von erfolgreichen ACMI-Einsätzen für die AUA. Haben Sie hier auch andere Kunden?
Ladurner: Natürlich. Besonders im Gruppencharter zum Beispiel für Automobilhersteller, Fußballmannschaften oder natürlich auch für andere Fluggesellschaften, sind wir mit Welcome Air und Air Alps ein verlässlicher Partner. Wir bieten ein erstklassiges und hochwertiges Produkt. Zwei Dornier sind jeden Tag im Linienbetrieb im Einsatz: Ein  Flugzeug für die AUA auf der Strecke Linz-Wien und die andere Dornier für uns selbst ab Bozen. Wir sind besonders im ACMI ein sehr gefragter Partner.

AANet: Sie sprechen das Thema Gruppencharter an. Kann dieser preislich mit Linienflügen mithalten?
Ladurner: Das hängt natürlich mal davon ab wo die Destination des Kunden ist, wie viele Passagiere er hat und welche Wünsche er in puncto Catering oder individuellen Leistungen hat. Ich denke, dass wir bei einer Flugdauer von 1-1,5 Stunden durchaus mithalten können und der Kunde durch einen Charter eine absolute Flexibilität gewinnt. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass es auf vielen Strecken nicht wirklich Sinn macht, aber wir fliegen natürlich auch Airports an, zu denen es keine direkten Linienverbindungen ab Wien, Innsbruck oder woher auch immer gibt. Es kommt einfach darauf an für welchen Zweck Sie das Flugzeug brauchen. Wenn Sie als Unternehmen eine exklusive Reise machen wollen oder Ihre Mitarbeiter direkt zu einem Event oder Messe bringen müssen, ist der Charter absolut die bessere Alternative. Es gibt nicht viele Charterfluggesellschaften, die mit 31-Sitzern aufwarten können.

AANet: Welche persönlichen Ziele haben Sie sich als Geschäftsführer gesteckt?
Ladurner: Ich möchte unser Kerngeschäft, die Tyrol Air Ambulance zur absoluten Nummer Eins am europäischen Ambulanzluftfahrthimmel fliegen und die ganze Gruppe weiter ausbauen und nachhaltig strategisch positionieren. Ich bin offen für Neues, aber mein Ziel ist ein ausgeglichenes Ergebnis in 2013.

AANet: Wie können Sie sich am besten entspannen?
Ladurner: Das Fliegen und alles rund um die Fliegerei ist für mich auch Entspannung. Ich bin Flugkapitän und kann gesamt über 9.000 Flugstunden vorweisen. Leider geht es sich jetzt durch meine Funktion als Geschäftsführer nicht mehr aus, dass ich unsere Do-328 noch regelmäßig selber pilotiere. Für einen Luftfahrtbegeisterten wie mich ist es eben so, dass die Luftfahrt auch in der Freizeit der Entspannung dient.

AANet: Vielen Dank für das Interview, Herr Ladurner.


 
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