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Verfasst am: 10.05.10 12:45

Von: Peter Unmuth

Fluglärm: Grün / Blau gegen Rot

Die Wiener Wahl im Oktober wirft Ihre Schatten bereits im Mai.

Foto: Peter Unmuth

Die Wiener Landtagswahlen im Oktober werfen Ihre Schatten bereits im Mai. In einer Pressekonferenz heute Vormittag thematisierten die Wiener Grünen die Gesundheitsauswirkungen von Fluglärm auf die Wiener Bevölkerung. Die Reaktionen von SPÖ und FPÖ ließen nicht lange auf sich warten.

Auslöser der Diskussion war die vom Mediziner Eberhard Greiser für das deutsche Umweltbundesamt erstellte Studie "Risikofaktor nächtlicher Fluglärm". In dieser werden die Daten von rund einer Million Menschen in der Umgebung des Flughafens Köln-Bonn mit „adressgenauen Lärmdaten" zusammengefasst und analysiert.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis das mit jedem zusätzlichen Dezibel das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, Schlaganfälle und möglicherweise auch für Krebserkrankungen steige, so Gemeinderat Günter Maresch. Auf Basis der ausgewerteten Daten eines deutschen Flughafens forderte der Umweltsprecher der Wiener Grünen eine ähnlich Studie für die betroffenen Gebiete rund um den Wiener Flughafen. Zusätzlich wurde ein absolutes Nachtflugverbot zwischen 22:00 und 07:00 Uhr über Wien, mit Ausnahme von Ambulanzflügen, eingefordert. Die dritte Piste ist aus Sicht der Grünen vehement abzulehnen. Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen werden die Grünen am Dienstagabend eine Podiumsdiskussion rund um das Thema Fluglärm veranstalten.

In einer Reaktion auf die Forderungen der Wiener Grünen sagte SPÖ Gemeinderat Erich Valentin: „"Wien nimmt von Fluglärm Betroffene sehr ernst! Da der Flugverkehr nach EU- und Bundesrecht geregelt ist, hat die Stadt Wien auf zivilrechtlichem Weg bereits eine ganze Menge für die Bevölkerung erreicht, und wir arbeiten laufend an weiteren Verbesserungen". Nach Ansicht von Valentin werden diese Verbesserungen indirekt auch durch die von den Grünen thematisierte Studie aus 2009 bestätigt. „Allerdings zweifeln Experten die Greiser-Studie wegen systematischer Mängel an. Bei behördlichen Verfahren in Deutschland wurde seiner Argumentation nicht gefolgt", sagt der Vorsitzende des Umweltausschusses.
Die Studie beziehe sich auf nächtliche Flugbewegungen rund um den Flughafen Köln-Bonn. "Da wir bereits vor Jahren für nahezu ganz Wien ein Nachtflugverbot zwischen 21 Uhr und 7 Uhr ausverhandelt haben, wäre diese Studie so oder so nicht auf Wien umlegbar und eine Verkürzung des Nachtflugverbots, wie Maresch es fordert, ein Rückschritt" so der SP-Gemeinderat.
Neben dem Nachtflugverbot gibt es über Wien Nachtflugreduktionen, anteilige Reduktion von Flugbewegungen und neuerdings lärmabhängige Start- und Landegebühren, die erste Erfolge zeigen. Das Stagnieren bzw. die Verkleinerung der Lärmteppiche und die kleiner werdende Zahl von Beschwerden sprechen eine deutliche Sprache.
Valentin kritisiert die Grünen mit den Worten: "Generell wäre es wünschenswert, in den sachlichen Dialog in der Wiener Stadtkonferenz einzusteigen, wo alle Fluglärm-Bürgerinitiativen Wiens in Dialog mit Austro - Control, Flughafen und AUA treten können. Die Stadt bildet die Plattform dazu". Stattdessen würden die Grünen eine auf Wien kaum anwendbare Studie ausgraben um nur irgendwie auf sich aufmerksam zu machen.

Unterstützung in der Sache erhalten die Grünen hingegen von der anderen Seite des politischen Spektrums. Der Flugverkehrssprecher der Wiener FPÖ LAbg. Toni Mahdalik unterstützt die Forderungen der Grünen mit den Worten: „Nun ist auch wissenschaftlich endgültig erwiesen, was über 300.000 betroffene Menschen in Wien seit langem merken und wissen. Fluglärm macht krank, Fluglärm fordert Menschenleben, Fluglärm verursacht enorme Kosten für das Gesundheitswesen. Die SPÖ muss daher ihre lebensgefährdende Beschwichtigungsstrategie rasch aufgeben, gegen Flugrouten über dicht besiedeltem Gebiet auftreten und als erste Maßnahme die Rücknahme der im Jahr 2004 eingerichteten neuen Flugschneise über dem Westen auf Schiene legen.„ Die FPÖ wird erneut auf allen politischen Ebenen Initiativen gegen die aus Ihrer Sicht „unmenschlichen Belastungen„ starten. Mahdalik weiter: „Nach den erschreckenden Erkenntnissen der Greiser-Studie kann die SPÖ die verheerenden gesundheitlichen Auswirkungen des Fluglärms über Wien nicht länger schön reden bzw. leugnen. Bürgermeister Häupl sowie die SPÖ-Stadträtinnen Sima Wehsely sind nun am Zug, endlich die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen statt nur nach der jährlichen 10 Mio. Euro-Dividende aus der Flughafen-Beteiligung zu schielen.„

Update 13.05.2010:

FPÖ kritisiert Fluglärm am Feiertag über Wien

In einer Aussendung kritisiert der Flugverkehrssprecher der FPÖ, LAbg. Toni Mahdalik, die Haltung von SPÖ und ÖVP den Fluglärm über Wien betreffend und nennt sie "unbarmherzig".
Denn auch am Feiertag sei an ungestörten Schlaf und Erholung im Osten der Donaustadt nicht zu denken: "Ein Flieger nach dem anderen donnert über die Köpfe der Betroffenen und macht sie krank", so Mahdalik.

Der Sprecher der FPÖ fordert die beiden Großparteien auf, endlich zu handeln, bei einer derartigen Belastung werde die Gesundheit der Menschen aufs Spiel gesetzt.


 
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