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Verfasst am: 01.10.13 09:12

Von: Martin Metzenbauer

Flughafen Heringsdorf im Portrait

Der kleine Airport als wichtiger Tourismusfaktor auf der Ferieninsel Usedom.

Das Abfertigungsgebäude des Flughafens Heringsdorf auf der Insel Usedom (Fotos: Martin Metzenbauer).

Das Abfertigungsgebäude des Flughafens Heringsdorf auf der Insel Usedom (Fotos: Martin Metzenbauer).

Zugegeben, zu den größten Airports zählt der internationale Flughafen der Insel Usedom nicht gerade: Mit rund 20 bis 30 Tausend Passagieren pro Jahr schafft er es in Deutschland auf Platz 32 unter den Verkehrslandeplätzen. Trotzdem ist HDF - so der IATA-Code - für die Region und vor allem den Tourismus ein wichtiger Faktor.

Die Geschichte des Flugplatzes geht mehr als 100 Jahre zurück: Bereits im Jahr 1911 landeten dort die ersten Maschinen, bald darauf wurde ein "richtiger" Flugplatz errichtet und durch die Flugzeugwerke des Kärntner Konstrukteurs Joseph Sablatnig ausgebaut. 1935 übernahm die Wehrmacht den Flughafen und stationierte dort eine Staffel. Im Jahr 1945 wurde das Flugfeld von den Sowjets eingenommen.

Das kleine Vorfeld auf dem Flughafen Heringsdorf (Foto: Martin Metzenbauer).

Das kleine Vorfeld auf dem Flughafen Heringsdorf.

In den darauffolgenden Jahren wurde der Flugplatz militärisch von der sowjetischen Armee und der damaligen Nationalen Volksarmee der DDR genutzt. Im Jahr 1962 durften dann auch erstmals nicht-militärische Passagiere abgefertigt werden. Aus dieser Zeit kommt auch der Name "Flughafen Heringsdorf". Dieser wurde für den zivilen Teil des Flugplatzes benutzt, während der Fliegerhorst "Garz" genannt wurde. Das bekannte Ostseebad Heringsdorf ist allerdings rund 20 Autominuten vom Airport entfernt.

Ein Gepäcksband ist am Flughafen Heringsdorf absolut ausreichend (Foto: Martin Metzenbauer).

Ein Gepäcksband ist am Flughafen Heringsdorf absolut ausreichend.

Nach der Wende endete dann die militärische Nutzung des Flughafens. In den folgenden Jahren folgten ausgiebige Sanierungen und Adaptierungen für den Flugbetrieb. So wurde HDF mit einem Instrumentenlandesystem (ILS) ausgestattet, außerdem wurden ein Terminal samt Tower errichtet. Dieses verfügt heute über vier Check-in-Schalter, ein Gepäcksband, ein Reisebüro sowie über ein kleines Café. Einen Shop sucht man hier allerdings vergeblich, Autovermietungen findet man hingegen schon.

Neben dem Linienflugverkehr wird der kleine Airport Heringsdorf auch von der allgemeinen Luftfahrt sowie für Schulungsflüge (im Bild: Lufthansa Flight Training) genutzt (Foto: Martin Metzenbauer).

Neben dem Linienflugverkehr wird der kleine Airport Heringsdorf auch von der allgemeinen Luftfahrt sowie für Schulungsflüge (im Bild: Lufthansa Flight Training) genutzt.

Obwohl der Flughafen nur über ein relativ kleines Vorfeld verfügt, auf dem maximal zwei Verkehrsflugzeuge abgefertigt werden können, ist er durch seine 2.305 Meter lange und 35 Meter breite Runway durchaus auch für Flugzeuge vom Rang einer Boeing 737 oder eines Airbus A320 geeignet. So wurden mit Maschinen dieser Kategorie bereits Charterflüge nach Tunesien oder in die Türkei durchgeführt.

EuroLOT ist eine der Airlines, die Heringsdorf im Sommer anfliegen (Foto: Martin Metzenbauer).

EuroLOT ist eine der Airlines, die Heringsdorf im Sommer anfliegen.

Heute lebt Heringsdorf allerdings hauptsächlich vom Incoming-Tourismus. In den letzten Jahren wurde zuerst durch OLT Express, danach durch Air Berlin und andere Fluglinien ein regelrechtes Feriendrehkreuz aufgebaut. Im Sommer 2013 brachte Air Berlin Passagiere aus Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart und Wien, EuroLOT aus Dortmund, Köln und Warschau sowie Helvetic aus Bern und Zürich auf die Ostseeinsel.

Air Berlin fliegt mit Embraer-Jets von Niki bzw. LGW nach Usedom (Foto: Martin Metzenbauer).

Air Berlin fliegt mit Embraer-Jets von Niki bzw. LGW nach Usedom.

Die Wien-Verbindung existiert seit 2012 - allzuviele Österreicherinnen und Österreicher verirren sich allerdings noch nicht nach Usedom. Im Jahr 2012 waren es gerade einmal 2.113 Gäste aus der Alpenrepublik, die hauptsächlich mit dem Flieger anreisten. Als Fluggerät diente letztes Jahr die Saab 2000 und Fokker 100 von OLT Express, heuer war es dann zuerst die Bombardier Q400, die dann aus operationellen Gründen von Embraer-Jets von Niki bzw. Air Berlin/LGW abgelöst wurden.

Towerkanzel des Flughafens Heringsdorf (Foto: Martin Metzenbauer).

Towerkanzel des Flughafens Heringsdorf.

Aufgrund der Bedeutung des Incoming-Flug-Tourismus wird der Airport auch von der Politik gestützt. Rund eine halbe Million Euro mussten zuletzt pro Jahr zugeschossen werden, um den Betrieb sichern zu können. Die örtlichen Hotelliers kaufen den Airlines außerdem einen Teil der Tickets garantiert ab, sodass die Usedom-Flüge kein besonders hohes Risiko für die Fluglinien darstellen.

Austro Control kümmert sich in Usedom um die Flugsicherung (Foto: Martin Metzenbauer).

Austro Control kümmert sich in Usedom um die Flugsicherung.

Ein interessantes Detail stellt die Flugsicherung dar. Diese wird nämlich seit 2007 von Austro Control als Air Traffic Service (ATS) Provider betreut. Ähnliche Flugsicherungsleistungen haben die Österreicher bereits in Augsburg, Braunschweig, Friedrichshafen, Hof Plauen, Lübeck, Kassel Calden, Oberpfaffenhofen, Parchim Schwerin und Zweibrücken übernommen.

Im

Im "Hangar 11" sind historische Flugzeuge ausgestellt, die zum Großteil noch in flugfähigem Zustand sind.

Neben den touristischen Linienflügen im Sommer "lebt" der Airport von der allgemeinen Luftfahrt, Flugschulen und Inselrundflügen. Außerdem findet sich am Flughafen der "Hangar 10" - wo von einem Großbäcker eine Sammlung antiker Flugzeuge samt Shop und elegantem Restaurant eingerichtet wurde. Der Salzburger "Hangar 7" lässt grüßen...

Auch eine betagte Antonov An-2 ist am Flughafen Heringsdorf stationiert und bietet von dort aus Rundflüge an (Foto: Martin Metzenbauer).

Auch eine betagte Antonov An-2 ist am Flughafen Heringsdorf stationiert und bietet von dort aus Rundflüge an.

Usedom selbst ist als zweitgrößte deutsche Insel eine wirklich interessante Destination, die eine große Vielfalt an Möglichkeiten bietet, einen Sommerurlaub abseits der üblichen Reiseziele zu verbringen. Neben den mondänen Kaiserbädern bieten sich verschlafene Fischerdörfer aber auch attraktive, große Resorts zum Urlauben an. Man kann auf der Insel unterschiedlichste Dinge unternehmen - viel Natur, eine Menge Attraktionen speziell für Kinder und natürlich das maritime Flair der Ostsee lassen die Zeit auf Usedom wie im Flug vergehen. Genauso wie die Anreise über den kleinen Flughafen Heringsdorf.


 
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