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Verfasst am: 16.12.10 09:30

Von: Roman Payer

Details zum Vorstandsmarathon

Foto: Flughafen Wien

Wie bereits gestern, kurz nach Ende der Aufsichtsratssitzung berichtet, muss Flughafen-Vorstand Herbert Kaufmann gehen. Sein Vertrag wird mit 31. Dezember 2010 aufgelöst. Die Verträge seiner Kollegen, Ernest Gabmann und Gerhard Schmid sollen Ende nächsten Jahres enden. Damit hat der Aufsichtsrat gestern die Weichen für einen Neuanfang gestellt. Aufsichtsratschef Christoph Herbst wird mit Jänner 2011 neuer Vorstandschef, allerdings nur für ein Jahr. Danach soll es für die Vorstandsposten eine Ausschreibung geben, bei der sich auch Gabmann und Schmid bewerben dürfen.

Streitpunkte waren auch die horrenden Ablösen, die die Vorstandsmitglieder bei einer frühzeitigen Ablöse erhalten hätten. Alle Verträge waren voriges Jahr um fünf Jahre bis 2014 verlängert worden. Allein Herbert Kaufmann hätte Ansprüche in der Höhe von mehr als einer Million Euro gehabt. Gestern dürfte Kaufmann aber auf einen Großteil davon verzichtet haben. Zahl, die im Zusammenhang von Kaufmanns Ablöse genannt wird, liegt bei 350.000 Euro, das enstpricht etwa seinem Jahresbruttogehalt.

Der neue Vorstandschef Christoph Herbst gilt als Vertrauter von Erwin Pröll. Damit hat die ÖVP-Fraktion im Vorstand die Mehrheit übernommen: Der rote Kaufmann muss gehen, der schwarze Herbst kommt. Im Aufsichtsrat übernimmt der ehemalige Generaldirektor der Bank Austria Karl Samstag (SPÖ) den Chefposten. Herbst will nach einem  Jahr im Vorstand wieder in den Aufsichtsrat zurückkehren. Seine Stelle wird nicht nachbesetzt.

Der Flughafen Wien hatte gestern in der Nacht noch eine Presseaussendung verschickt. Darin betont man, dass nach Ansicht des Aufsichtsrates keine strafrechtlichen oder aktienrechtlichen Verletzungen vorlägen. Der Aufsichtsrat beschäftigte sich eingehend mit dem Rechnungshofbericht zum Skylink-Terminal. Kaufmann wurde laut der Aussendung eine Beraterfunktion am Flughafen angeboten.

Christoph Herbst fand trotz des Skylink-Skandals lobende Abschiedsworte für Herbert Kaufmann: "Der Flughafen Wien hat sich bis heute zu einem erfolgreichen und starken Unternehmen entwickelt und Herbert Kaufmann hat diese hervorragende Entwicklung sehr wesentlich mitgestaltet. Er wird daher dem Unternehmen auch weiterhin für beratende Tätigkeiten zur Verfügung stehen. Für die Fertigstellung der Terminalerweiterung VIE-Skylink setzt der Aufsichtsrat auf Kontinuität im Vorstand. Gleichzeitig wird sich der Flughafen neuen Herausforderungen durch die rasante Veränderung der Luftfahrtindustrie stellen müssen und daher gilt es, bereits heute die Weichen für eine zukunftsgerichtete Führung und Organisation zu stellen."

Austrian Airlines wollte den gestrigen Aufsichtsratsmarathon gegenüber Austrian Aviation Net nicht kommentieren. Allerdings hatte AUA-Vorstand Andreas Bierwirth in sämtlichen Medien schon Anfang November den führungslosen Flughafen Wien kritisiert. Auf die damalige Frage, ob Bierwirth das mit Machtkämpfen und Ablösegerüchten beschäftigte Flughafen-Management überhaupt noch für handlungsfähig halte, antwortete er diplomatisch: "Wir haben mit Aufsichtsratspräsident Christoph Herbst ein exzellentes Gesprächsverhältnis." Als ob Bierwirth schon vor Wochen gewusst hätte, dass Herbst vom Aufsichtsrat in den Vorstand wechselt.


 
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