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Verfasst am: 08.11.12 07:37

Von: Roman Payer

Öldämpfe: Nur ein Verdachtsfall in Österreich

Österreichs Fluggesellschaften offenbar nicht oder kaum betroffen

Am 19. Dezember 2010 entging der Germanwings-Flug 753 nur knapp einem Absturz. Die Cockpit-Crew verlor kurz vor der Landung in Köln beinahe das Bewusstsein. Die Luft habe sich beim Einatmen "dicht" angefühlt, schilderten die Piloten nachher. (Symbolfoto: AirTeamImages.com)

Im Zusammenhang mit den deutschen Zwischenfällen, bei denen giftige Dämpfe ins Cockpit oder in die Flugzeugkabine gelangt sein sollen, wurde die Kritik an der Lufthansa und ihrer Billigtochter Germanwings immer lauter. Die deutsche Fluggesellschaft soll verdächtige Zwischenfälle vertuscht haben. Das Aufdecken eines Falls - ein Flug von Wien nach Köln, der 2010 kurz vor Weihnachten beinahe in einer Katastrophe endete - durch das ARD-Magazin "Monitor" von einigen Wochen, löste eine massive Medienberichterstattung aus. Zuletzt hieß es, pro Woche soll es alleine in Deutschland bis zu zehn Verdächtsfälle geben. Das wirft die Frage auf, wie viele Zwischenfälle in Österreich bekannt sind?

Austrian Aviation Net hörte sich unter österreichischen Piloten um. Demnach hat keiner der befragten Piloten eine brenzlige Situation in Zusammenhang mit kontaminierter Kabinenluft erlebt. Untereinander erzählt man sich von einem einzigen Fall in den letzten Jahren, bei dem ein Pilot befürchtet habe, giftige Dämpfe eingeatmet zu haben. Dieser habe eine Untersuchung angeordnet, allerdings konnte da keine Schädigung festgestellt werden.

Piloten sind schon seit Jahren hellhörig, was das Thema Öldämpfe betrifft. Allerdings wisse man auch, dass solche Fälle sehr, sehr selten sind, fasst Boeing-737-Kapitän Peter Beer von der Austrian Cockpit Association (ACA) im Gespräch mit AANet zusammen. Meist seien die Gründe für die Geruchs- oder Rauchentwicklung erklärbar. Nur in wenigen Fällen könne nicht ausgeschlossen werden, dass das hochgiftige TCP in die Atemluft der Passagiere oder gar ins Cockpit gelangt sei.

Die als TCP bezeichnete Substanz gilt als Nervengift und einer der Verursacher des sogenannten "aerotoxischen Syndroms". Zum Hintergrund: TCP ist ein Zusatzstoff für Flugzeug-Motoröle. Im Flugbetrieb können über die Zapfluft der Triebwerke - die bei den meisten Flugzeugen die Kabine mit Luft versorgt - Ölrückstände und damit auch TCP ins Flugzeuginnere gelangen. Das sogenannte aerotoxische Syndrom kann die Folge sein: Akut treten Kopfschmerzen, Husten oder Übelkeit auf.

Beer fordert eine rasche Aufklärung des Germanwings-Falls durch die zuständigen Behörden, denn noch seien nicht alle Fragen geklärt. Laut Beer eine der entscheidenden Fragen: "Warum war nur das Cockpit betroffen?"

Antworten, die erst die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) geben wird. Der bisher veröffentliche Zwischenbericht lässt noch alle möglichen Ursache offen.


 
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