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Im Focus Detail


Verfasst am: 25.08.10 07:25

Von: Florian Smeritschnig und Martin Metzenbauer

Sommergespräch mit Peter Malanik

Peter Malanik - seit Februar 2009 an der Spitze von Austrian Airlines - führte zusammen mit seinem Vorstandskollegen Andreas Bierwirth die AUA durch ihre vermutlich schwerste Zeit seit Bestehen des Unternehmens. Mittlerweile hat die rot-weiß-rote Airline im Lufthansa-Verband ihre Heimat gefunden und liefert seit einigen Monaten auch durchwegs wieder positive Meldungen.

Trotzdem befindet sich die Fluglinie weiterhin inmitten eines großen und spannenden Umbauprozesses. Auf der einen Seite innerhalb des Unternehmens, das derzeit dabei ist, mit schlankeren Strukturen und einem komplett neuen Management seine Linie zu finden. Auf der anderen Seite in der Luftfahrtlandschaft als ganzes, die zwischen einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld, Konsolidierungen, einer nicht immer wohlwollenden Politik und den brennenden ökologischen Fragen ihren Weg finden will.

Zu diesen und einer ganzen Reihe anderer Themen konnten wir mit AUA-Chef Peter Malanik im Rahmen des Finales unserer heurigen "Sommergespräche" reden.

Austrian Aviation Net: Sie sind seit 1. Februar 2009 an der Spitze von Austrian Airlines. Die erste Zeit war dabei wohl die schwierigste – wie geht es Ihnen heute? Besser als vor eineinhalb Jahren?

Peter Malanik: Deutlich besser als vor einem Jahr um dieselbe Zeit – diese Phase war in der Tat wirklich schwierig und auch persönlich belastend. Die notwendigen Einschnitte waren für alle schmerzhaft. Ich darf aber nicht wehleidig sein: Mich hat es insofern betroffen, als ich sehr schwierige, schmerzhafte Entscheidungen treffen mußte. Die wirklich Betroffenen waren unsere Mitarbeiter, und das ist natürlich viel gravierender.

Austrian Aviation Net: Sie haben mit Ihrem Vorstandskollegen im letzten Herbst eine Drei-Säulen-Strategie vorgestellt. Dazu gehört, dass größere Flugzeuge auf "Rennstrecken" eingesetzt werden. Das bedeutet, wie man gesehen hat, einen respektablen Passagierzuwachs in den letzten Monaten. Ein bisschen wollen Sie auch am Low Cost Segment mitnaschen, hat es den Anschein. Aber durch niedrigere Preise für den Konsumenten kommen auch niedrigere Durchschnittserträge zustande. Wie sieht es da mit dem Yield aus?

Peter Malanik: Wir haben viel Kapazität, zum Teil aus dem Charterbereich, in die Linie verlagert. Wir setzen die größeren Flugzeuge vor allem auf preiselastischen Märkten ein, und das ist eben oft auch dort, wo Low Cost-Carrier vertreten sind. Wir fliegen hier nicht gegen irgendjemanden, sondern für unsere Passagiere und das funktioniert gut. Die gute Auslastung geht natürlich auf Kosten des Durchschnittsertrags. Mit dem besseren Ladefaktor überkompensieren wir den Durchschnittsertragsverfall aber. Einen anderen wichtigen Beitrag leistet das Kostensenkungsprogramm.

Austrian Aviation Net: Bei dieser Kostensenkung können Sie aber nie die Effizienz einer Billigflugline erreichen.

Peter Malanik: Die Geschäftsmodelle einer  Low Cost- sowie einer Netzwerkairline beginnen nach und nach zu konvergieren. Die klassischen Lowcoster, die das Konzept noch als die reine Lehre vertreten, werden weniger. Viele laden sich mit immer mehr Komplexität auf, und das zu managen kostet Geld. Für diese Airlines entsteht also ein gewisser Kostendruck nach oben. Wir als Netzwerker versuchen jedoch, unsere Komplexität kostengünstiger zu managen. Also eine Kostenentlastung am Weg nach unten – irgendwo treffen wir uns dann vielleicht.

Das muss jedoch nicht zwingend so sein, da wir neben dem Angebot an die preiselastischen Passagieren immer noch unser umfassendes Netzwerkprodukt anbieten. Hier haben wir einen gewissen Teil an Passagieren, die bereit sind, mehr zu bezahlen.Durch unseren Passagiermix können wir uns es also leisten, auch in einem niedrigeren Preissegment vertreten zu sein. Obwohl wir mit den Kosten noch nicht ganz dort sind, wo reine Billigfluggesellschaften heute sind.

Austrian Aviation Net: Wie wird sich Ihrer Meinung nach das Low Cost Modell entwickeln?

Peter Malanik: Ich glaube, dass wir wieder einmal am Beginn einer Entwicklung in der Luftfahrt stehen, die zu einer völlig neuen Begrifflichkeit führen und neue Abgrenzungen notwendig machen wird. Ja, es wird klassische Low Cost Airlines geben, die weiter sehr konsequent den Weg einer Ryanair gehen – deren Zahl wird sich aber auf eine Handvoll beschränken. Viele Airlines, die jetzt das Etikett eines Billigfliegers tragen, werden sich vermutlich zu Netzwerkairlines entwickeln oder sich zumindest in diese Richtung bewegen. Wir, die sogenannten Legacy Carriers, werden uns kostenseitig anpassen. Wir werden unsere Komplexität günstiger managen können und somit weitere Kosten abschütteln.

Austrian Aviation Net: Ein weiterer Punkt der Drei-Säulen-Strategie betrifft die kostenseitige Sanierung. Wo stehen Sie derzeit? Wo sind noch Einsparungen zu erreichen?

Peter Malanik: Wir haben die schmerzhaftesten Schritte hinter uns und der Personalabbau auf die angepeilten rund 6.000 Mitarbeiter wird per Jahresende erreicht werden. Mit einer kostenseitigen Sanierung ist man jedoch nie ganz fertig. Wir dürfen nicht bei 90 Prozent stehen bleiben, und auch in Zukunft ständig genau auf die Kosten schauen, ansonsten wachsen uns die Schwammerl der Ineffizienz immer wieder neu nach, und es entsteht eine neue Kostenspirale nach oben. Wir sind gut unterwegs. Aber zurücklehnen dürfen wir uns deshalb nicht!

Neben dem Personal gibt es natürlich Einsparungen bei unseren Lieferanten, von denen viele bereits ihren Beitrag geleistet haben. . Hier – bei den Lieferanten -  werden wir auch weiter auf der Kostenbremse draufbleiben.

Um diese Erfolge zu erreichen, war es wichtig, unsere eigene Effizienz und Produktivität zu verbessern. Nachdem wir zuerst hausintern auf diese Dinge Wert gelegt haben, hat man das extern bemerkt und war eher bereit, mit uns zusammenzuarbeiten. Dazu zählt zum Beispiel eine höhere Nutzung unseres Sachanlagevermögens; schon ein paar Prozent mehr Utilization bei Flugzeugen sind hier viel. Für unsere Lieferanten ist es ein gutes Investment, uns beim Durchstarten zu unterstützen. Dieses Investment wird sich für sie rentieren.

Austrian Aviation Net: Derzeit steht vor allem die Diskussion mit dem Flughafen Wien in der Öffentlichkeit. Wie schaut es hier aus?

Peter Malanik: Wir führen konstruktive Gespräche. Unser Standpunkt ist, dass wir gemeinsam an einer Kostensenkung arbeiten sollten. Denn wenn wir wieder wachsen, bekommt auch der Flughafen mehr Passagiere.

Austrian Aviation Net: Die dritte Säule steht für die Synergien mit dem Lufthansa Konzern. Wo sind diese für sie am deutlichsten spürbar?

Peter Malanik: Nicht sonderlich überraschend, vor allem in den Bereichen Verkauf und Bodendienste und dabei hauptsächlich im Ausland. Wir haben uns mit der Lufthansa geeinigt, welche Organisation die andere im Ausland vertreten wird. So tun wir das für die Lufthansa in Außenstationen in vielen Märkten in Osteuropa, und in Westeuropa und in Übersee – das ist der überwiegenden Anzahl der Fälle – übernimmt die Lufthansa unseren Verkauf.

Gemeinsam haben wir nun eine wesentlich schlagkräftigere Verkaufsorganisation geschaffen. Quantität macht in diesem Bereich auch Qualität aus und wir können nun wesentlich mehr Passagiere im Langstreckenbereich ansprechen. Das hilft uns dabei, diese Routen zu stabilisieren. Wir müssen nun nicht mehr nur die „Krümmel der Reichen„ aufklauben, sondern haben Zugang zu Geschäft mit Großkunden, das wir als Austrian allein nicht mehr akquirieren konnten.

Im Bereich Bodendienste gibt es ähnliche Abmachungen mit der Lufthansa, die meistens denen der Verkaufsorganisation gleich sind.

Austrian Aviation Net: Und im Einkauf?

Peter Malanik: Da merkt man es auch. Aber man muss deutlich sagen, dass wir bisher auch nicht schlecht eingekauft haben.

Austrian Aviation Net: Um noch einmal zur zweiten Säule zurückzukommen: Was man derzeit vom fliegenden Personal mitbekommt, gibt es gewisse Unruhe, die sich vor allem zwischen Ihrem Vorstandskollegen Dr. Bierwirth und dem Betriebsrat abspielt. Es geht um eine Erhöhung der Blockstundenzahlen und eine Veränderung der Dienstpläne. Wie würden Sie die Stimmung im Unternehmen und im Besonderen im fliegenden Bereich im Augenblick charakterisieren?

Peter Malanik: Lassen sie mich ein wenig ausholen: Mit dem Betriebsrat Boden und auch mit dem Betriebsrat der Fliegenden haben wir durchaus eine konstruktive Gesprächsbasis. Wir haben das 150 Millionen Euro Barwertpaket mit dem Bordbetriebsrat sehr gut über die Bühne gebracht, was da und dort nicht einfach war. Die Gesprächsbasis gab es und gibt es – das funktioniert.

Was wir von unseren fliegenden Kollegen und Kolleginnen benötigen, ist natürlich eine höhere Produktivität und da beginnt das Missverständnis: Wir erwarten nicht, dass unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im gegebenen Rahmen mehr leisten – wie sollen sie das auch? Viel mehr an ihrer Produktivität können die Kollegen und Kolleginnen selbst  nicht leisten.

Hier geht es um eine andere Einteilung, nach der mehr Blockstunden geflogen werden. Der erste Schritt ist, andere Pairings (also Einsatzrotationen) zu finden, die dazu führen, dass das fliegende Personal etwas mehr Zeit ihrer Freizeit an der Außenstation verbringen wird. Das ist natürlich unangenehm. Aber das hat bei manchen den Eindruck erweckt, dass es nun unproduktiver wird, da man subjektiv noch mehr an der Außenstation – unproduktiv - wartet.

Um damit aufzuräumen, braucht es den zweiten Schritt, und das ist ein neues Netzdesign, welches ab Herbst verfügbar sein wird. Dann wird sich zeigen, dass wir die Zeit unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen besser einplanen können, und sie dadurch auch produktiver einsetzen können. Damit wird dann in der Dienstzeit wieder mehr geflogen und ich habe nicht den Eindruck, dass sich unsere Piloten gegen mehr Fliegen wehren, denn sie sind Piloten geworden, um zu fliegen. Sie wehren sich nur gegen den gefühlten Vorwurf, sie selbst wären nicht einsatzfreudig. Das war nie das Thema. Es geht nur darum, dass sie mit einer neuen Planung mehr fliegen werden und ich glaube, sobald das einmal verstanden ist, wird es auch klappen.

Austrian Aviation Net: Es sind zu diesem Thema Schriftwechsel geführt worden, die sehr emotional waren. Woher, glauben Sie, rührt diese Emotionalität?

Peter Malanik: Lassen wir die Kirche bitte im Dorf. Bei manchen ist sicherlich viel Emotion im Spiel, aber es haben uns etwas über 20 Piloten geschrieben. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich nehme jeden einzelnen der mir schreibt ernst – aber die übrigen 2.500 Kollegen aus dem OS-Flugbetrieb haben uns nicht geschrieben. Die persönlichen Gespräche, die ich führe, zeigen mir, dass die Mehrheit schon verstanden hat, worum es geht. Aber ja, es gab durchaus einige sehr emotionale, überzogene Reaktionen.

Es geht derzeit darum, auch für den OS-Flugbetrieb endlich wieder Wachstum zustande zu bringen. In den vergangenen zehn Jahren sind wir praktisch nur bei VO gewachsen.  Und ich verstehe schon, dass nach zehn Jahren Schrumpfungserfahrung bei OS eine emotionale Angespanntheit im Raum steht. Aber jetzt, wo wir den Pfropfen herausholen und wieder Wachstum darstellen können, gibt es viele Gründe dafür, dass sich die Stimmung deutlich verbessern wird.

Austrian Aviation Net: Um wie viel zusätzliche Blockstunden handelt es sich?

Peter Malanik: Wenn ich mir die historischen Flugstunden ansehe, kann ich sagen, dass derzeit wieder das geflogen wird, was schon einmal geflogen wurde. Bitte um Verständnis, wenn ich keine Zahl nenne, denn sonst wird nur über diese eine Zahl gesprochen. Es wird nicht unmenschlich, es wird nicht ausbeuterisch und vor allem in keiner Weise sicherheitsgefährdend.

Austrian Aviation Net: Wie angesprochen, bauen Sie auf 6.000 Mitarbeiter ab. Fangen Sie bereits wieder an zu suchen, um einen eventuellen Fluktuationsbedarf zu decken?

Peter Malanik: Was wir sicher nicht tun, ist Personalstand aufzubauen. Wir sind der Meinung, dass wir mit den rund 6.000 Mitarbeitern auch das unmittelbar anstehende Wachstum bewältigen werden können und vor allem müssen, denn nur das führt zu einer Einheitskostensenkung - vor allem im Overhead Bereich werden wir sicher kein Personal aufbauen. Nachdem die Wirtschaft doch wieder anzieht, wird es bei uns sicherlich auch Fluktuation geben. Im letzen Jahr hatten wir eine Fluktuation von einem Prozent, was absolut minimal ist. In normalen Jahren haben wir unternehmensweit vier bis fünf Prozent Mitarbeiterfluktuation. In manchen Bereichen gibt es deutlich mehr und diese Fluktuation werden wir auch weiterhin ausgleichen müssen.

Austrian Aviation Net: Im letzten Jahr wurde mehr als die Hälfte der zweiten Führungsebene ausgetauscht. Welche Gründe waren hierfür verantwortlich? Haben die Leute nicht in den Konzern gepasst?

Peter Malanik: Zwei wesentliche Gründe: Sowohl Andreas Bierwirth als auch ich haben neue Verantwortungsbereiche bekommen. Ich habe den gesamten betrieblichen Bereich des Unternehmens übernommen und mein Kollege ist gänzlich neu ins Unternehmen gekommen. Es ist auch in unkritischen Zeiten ganz normal, dass man sich nach und nach sein eigenes Team zusammenstellt. Da geht es einfach darum, mit wem man gut arbeiten kann, wo man zusammenpasst, nicht um einen Vorwurf der Inkompetenz oder der schlechten Arbeitsleistung, sondern einfach um ein persönliches Team. Der zweite Grund ist eher im kommerziellen Bereich anzusiedeln: Wenn ein Unternehmen einen ganz neuen Weg einschlagen will, dann ist es oft sinnvoll, diesen mit neuen Köpfen gehen.

Austrian Aviation Net: Bleiben wir beim Thema Austrian als Arbeitgeber. Als Sponsor der WU Top League engagiert sich OS zwar bei der Förderung ausgezeichneter Studierender der Wirtschaftsuniversität Wien und versucht gezielt Nachwuchs für den Konzern zu interessieren – dieses Jahr wurden letztendlich dann doch keine Praktikumsplätze angeboten. Wie wichtig ist Ihnen solch eine Nachwuchsarbeit, und wird es nächstes Jahr solche Stellenangebote geben?

Peter Malanik: Die Vorgehensweise dieses Jahr stellt durchaus keinen Widerspruch dar, denn in einer Phase, die wir nun durchlebt haben, hätten wir keine sinnvollen Praktikumsplätze anbieten können. Es ist ja nur dann gut und imagebildend für das Unternehmen und dann gut für die Studierenden, die zu uns kommen, wenn man ihnen auch etwas Sinnvolles bieten kann. In einer Kernsanierungsphase eines Unternehmens kann man nur sehr schwer ein Praktikum anbieten, von dem der Praktikant auch profitiert und es wäre unseriös und unfair gewesen, da kaum Zeit geblieben wäre, sich mit diesen Leuten zu beschäftigen.

Daher ja, im nächsten Jahr wird es wieder Praktika geben und wir wollen diese sogar aufwerten, denn wir wollen in verschiedenen Unternehmensbereichen eine quasi Fixstelle schaffen, wo sich die Praktikanten, die möglichst lange bleiben sollen und einer fixen Aufgabe nachgehen werden, gegenseitig abwechseln, sodass auch der jeweilige Fachvorgesetzte immer mit einem zusätzlichen Mitarbeiter rechnen kann. Solch eine Permanentabfolge funktioniert viel besser, als wenn man jemanden für ein bis drei Monate in ein Unternehmen holt und einzelne Arbeitsaufgaben erst finden muss.

Austrian Aviation Net: Kommen wir nun zur Langstrecke. Laut einem Bericht in der Zeitschrift "News" ist diese nun nach vielen Jahren endlich profitabel. Wie ist Ihnen das gelungen? Liegt das nur am neuen Vertrieb oder gibt es auch andere Gründe?

Peter Malanik: Durch die Kooperation mit Lufthansa im Vertrieb kommen wir an eine andere Wertigkeit.Wir sind nun dort vertreten, wo wir vorher noch nie vertreten waren. Ein Passagier aus Sao Paulo, der von einem Punkt in Europa aus nach Temesv


 
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