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Verfasst am: 16.01.11 22:15

Von: Roman Payer

Interview mit AUA-Chef Andreas Bierwirth

Im Interview mit Austrian Aviation Net stellt AUA-Chef Andreas Bierwirth klar, dass man den Skylink-Terminal "dringend" brauche. Es gäbe bei Parkpositionen für Verkehrsflugzeuge bereits Engpässe. Gefragt nach neuen Invesitionen sagte der Vertriebsvorstand, dass man heuer ein positives operatives Ergebnis erzielen müsse. Erst danach könne man investieren, etwa in die Langstrecke: "Fest steht, dass wir unser Streckennetz von 10 Langstreckendestinationen mittelfristig ausbauen wollen", so Bierwirth gegenüber Austrian Aviation Net. Die Vorstandsbestellung von Thierry Antinori wertet Bierwirth als Signal der Lufthansa, die AUA zu stärken.

Foto: Martin Metzenbauer

Austrian Aviation Net: In Wien sind die Grünen in die Regierung eingezogen und haben die Forderung nach einem Nachtflugverbot am Flughafen Wien ins Regierungsprogramm eingebracht. Wie sehen Sie diese Entwicklung und wie weit würde ein Nachtflugverbot den Flugbetrieb der AUA beeinträchtigen. Würden Sie offen gegen ein Nachtflugverbot in Wien auftreten?

Andreas Bierwirth: Ja, denn wir haben hier in Wien im Rahmen des Dialogforums eine gute Lösung für die Nachtflüge gefunden. Diese Vereinbarung wird von vielen anderen europäischen Standorten immer wieder zum Vorbild genommen. Die Nachtflugbewegungen aller Airlines sind in Wien seit 2007 schrittweise reduziert geworden. Diese Regelung ist von allen beigezogenen medizinischen Sachverständigen positiv beurteilt worden.

Austrian Aviation Net: Austrian Airlines hat mit Einführung des Winterflugplans einen zusätzlichen Umsteigeknoten in VIE eingeführt. Hat sich dieser bisher bewährt und wie wirkt er sich auf die Verkehrszahlen der AUA aus?

Andreas Bierwirth: Wir hatten 2010 ein Passagierwachstum von rund 10 Prozent – trotz der ASK-Sperre der EU. Natürlich trägt der neue Umsteigeknoten einen Teil zu diesem Wachstum bei. Der wahre Erfolg ist darin zu sehen, dass wir mit wesentlich weniger Flugzeugen als früher deutlich mehr Passagiere befördern. Die siebente Welle gibt uns mehr Flexibilität für den weiteren Ausbau des Flugplans, also Platz für Wachstum im Jahr 2011. Zusätzlich haben wir die Produktivität der Flugzeuge gesteigert, es gibt weniger Standzeiten als früher.

Im Detail haben wir die Zahl der Anschlussverbindungen – also zum Beispiel eine Verbindung von Paris über Wien nach Moskau oder eine Reise von Zagreb über Wien nach Düsseldorf – um 300 pro Woche gesteigert. Gleichzeitig haben wir die Verbindungsqualität verbessert, vor allem für Reisen von Westeuropa in Richtung Osten.

Austrian Aviation Net: Der Flughafen Wien darf bis zum Abschluss der Umweltverträglichkeitsprüfung nicht weiter ausbauen; d.h. keine neuen Parkpositionen für Verkehrsflugzeuge. Abstellpositionen für Verkehrsflugzeuge sind bereits jetzt knapp. Wenn AUA weiter expandieren darf, wird es hier zu Kapazitätsengpässen kommen. Macht Ihnen das Sorgen und sehen Sie hier eine Bedrohung ihrer Expansion?

Andreas Bierwirth: Ja, es gibt gewisse Engpässe. Wir brauchen daher den Skylink dringend. Wir müssen in der Lage sein, in Zukunft gemeinsam mit dem Flughafen, den Passagieren ein leistungsfähiges und hochqualitatives Gesamtpaket anzubieten.

Austrian Aviation Net: Warum kann die AUA zwar an Passagierzahlen zulegen, diese lassen sich in den Quartalzahlen nicht im selben Ausmaß wieder finden?

Andreas Bierwirth: Die Ertragslage ist unverändert schwierig, weil die Margen aufgrund des sehr starken Wettbewerbs am Standort Wien im Europaverkehr weiter unter Druck sind. Um so wichtiger ist es, dass wir konsequent an unserem Sanierungskurs festhalten. Auf der Langstrecke schauen die Margen besser aus. Wir haben in Einzelmonaten auf der Langstrecke ein positives Ergebnis erzielt – erstmals in der Geschichte von Austrian. Insgesamt gesehen sind wir mit unserem Sanierungskurs gut unterwegs, aber wir sind eben noch nicht am Ziel: Wir haben in den ersten drei Quartalen 2010 den operativen Verlust gegenüber dem Vorjahr um 73 Prozent gesenkt. Heuer wollen wir ein positives operatives Ergebnis erzielen. Im Jahr 2012 ein positives Gesamtergebnis.

Austrian Aviation Net: Welche Produktänderungen sind auf der Langstrecke geplant? Angeblich kommt ja eine neue Business Class. Im Jahr 2011 sollen zwei Boeing 767 durch zwei Boeing 777 (Leasing) ersetzt werden. Wie sieht es damit aus?

Andreas Bierwirth: Es gibt unterschiedliche Überlegungen zur Langstrecke. Fest steht, dass wir unser Streckennetz von 10 Langstreckendestinationen mittelfristig ausbauen wollen. Das betrifft auch die Flotte. Aber hier ist es noch viel zu früh, um über konkrete Maßnahmen zu sprechen. Voraussetzung für diese Überlegungen ist, das wir profitabel wirtschaften, Geld verdienen. Nur wenn wir Geld verdienen, können wir investieren.

Austrian Aviation Net: Warum wird das Premiumservice wieder abgeschafft? Andere Airlines – z.B. Iberia – werten gerade auf der langen Mittelstrecke ihr Produkt auf statt ab. Und 2009 bekannte man sich dazu, im Segment Nahost ein „starker Herausforderer mit Premium-Fokus" sein zu wollen. Hätte man diesen Service nicht optimieren können – also zum Beispiel die abgetrennte Kabine verkleinern – als ihn ganz aufzugeben?

Andreas Bierwirth: Im Winterflugplan 2010/11 bieten wir das Premium Service unseren Kunden noch an. Im Laufe des Sommers 2011 werden wir es dann sukzessive auflassen. Wir machen das, weil die Nachfrage nach dem Premium Service unter unseren Anforderungen liegt. Zusätzlich setzen wir die Flugzeuge aus dem Premium Service im Rahmen unserer neuen aktiven Marktstrategie „Austrian Next Generation“ verstärkt auch im Europaverkehr ein. Und hier benötigen wir eine höhere Produktivität – also mehr Sitze an Bord -, um marktfähige Preise anbieten zu können. Daher ist es kaufmännisch sinnvoll, die Austrian Kurz- und Mittelstreckenflotte komplett zu harmonisieren. Wir statten die vier Premium Service Flugzeuge also ab Sommer 2011 ebenfalls mit dem neuen Kabinendesign und den neuen Sitzen aus. Durch die neue Kabineneinrichtung und das umfangreichere Catering an Bord wird der Passagier auch in Zukunft auf Flügen in den Nahen Osten ein hochwertiges Produkt erleben.

Austrian Aviation Net: Wie schätzen Sie den künftigen Bedarf für eine Business Class auf Europa-Flügen generell ein? Ist ein solches Produkt noch zeitgemäß? Wie hat sich hier die Nachfrage nach der Krise entwickelt?

Andreas Bierwirth: Die goldenen Zeiten sind vorbei. Zwar wird es natürlich auch weiterhin Business Class Passagiere geben, die auf die vielen verschiedenen Annehmlichkeiten wie etwa Lounges, spezielle Check-in Möglichkeiten oder ein noch besseres Service an Bord auch weiterhin Wert legen. Aber die Preise, die sie dafür zu zahlen bereit sind, werden wohl nicht mehr auf das Niveau von früher zurück kehren. Wir müssen nun daran arbeiten, das Produkt Business-Class besser von der Econonmy-Class zu differenzieren.

Austrian Aviation Net: Zum Produkt einer Airline gehört auch das Streckennetz: Austrian hat mit dem Winterflugplan mit Tiflis eine weitere Osteuropa-Destination gestrichen. Bleibt man dem Focus East weiterhin treu?

Andreas Bierwirth: Ja, ohne jeden Zweifel. Wir sind und bleiben Marktführer in Zentral- und Osteuropa mit 44 Reisezielen. Und genau aus diesem Grund haben wir auch mit unserem Partner Georgian Airways ein Codeshare Agreement abgeschlossen, um unseren Passagieren hier eine gute Lösung anbieten zu können. Die Flüge von und nach Tiflis sind eng auf die Netzwerkknoten von Austrian Airlines abgestimmt. Damit können die Passagiere sehr zeitsparend reisen und viele Umsteigeverbindungen nützen. Die Flüge werden von Georgian Airways mit einer Boeing B737 durchgeführt, da gibt es auch eine Austrian Airlines Flugnummer drauf.

Austrian Aviation Net: Ab April 2011 gibt es ein Vorstandstrio. Wie gut kennen Sie Thierry Antinori?

Andreas Bierwirth: Ich kenne Thierry Antinori sehr gut und schätze ihn. Er ist ein hervorragender Airline-Manager, der uns mit seinem Know-how weiterbringen wird. Wir haben die erste Phase der Sanierung beendet – das waren die großen Kosteneinschnitte und das Implementieren der neuen Markstrategie. Nun geht es darum, weiter auf die Kosten zu schauen, aber noch stärker den Focus auf das Wachstum zu legen.

Austrian Aviation Net: Bei Lufthansa war Antinori ebenso wie Sie bei der AUA für die Passage und Vertrieb zuständig. Will die Lufthansa Ihre Tätigkeiten kontrollieren und überwachen?

Andreas Bierwirth: Nein, ich sehe das überhaupt nicht so. Antinori ist echtes Schwergewicht der Branche. Wir können gemeinsam viel bewegen. Thierry Antinoris Bestellung ist ein klares Signal, Austrian Airlines zu stärken. Wir werden zu dritt dafür sorgen, dass es mit Austrian Airlines wieder bergauf geht.


 
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