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Verfasst am: 11.04.13 23:25

Von: Martin Metzenbauer

Kommentar: Luftfahrt auf dem Abstellgleis?

Regierung und Behörden spielen ein undurch- und kurzsichtiges Spiel. Nicht nur mit Emirates, der abermals der vierzehnte wöchentliche Flug verwehrt wurde.

Foto: Andy Graf

Eigentlich müsste sich die Golf-Airline Emirates von der heimischen Luftfahrtbehörde Austro Control verschaukelt vorkommen. Die Fluglinie aus Dubai freut sich seit Jahren über steigende Passagierzahlen zwischen Österreich und den Emiraten und baut ihre Linienverbindung kontinuierlich aus. Davon profitieren viele: Zum einen die Passagiere, die über den Megahub Dubai unkompliziert in die ganze Welt umsteigen können, zum anderen Wien und Österreich, da durch Emirates Jahr für Jahr zehntausende - meist zahlungskräftige - Touristen in die Alpenrepublik kommen. Und sogar Konkurrentin Austrian profitiert von den Emirates-Rotationen, da sie in Wien die Abfertigung der zwei täglichen Flüge übernimmt und daran exzellent verdient.

Trotzdem unternimmt man in Österreich offenbar alles, um Emirates zu vergraulen. Die jüngsten Beispiele: Ein vierzehnter wöchentlicher Flug wurde abermals nicht erlaubt, ein Codeshare mit Qantas zwischen Dubai und Wien wurde abgelehnt und der A380 der Fluglinie darf in Wien schon gar nicht landen. Die Argumentationen von Austro Control: Schwach und fadenscheinig.

So beruft man sich bei der Verweigerung der Codeshare-Flüge darauf, dass diese nicht Teil des bilateralen Abkommens seien. Interessant ist dabei, dass Sri Lankan vor ein paar Jahren unproblematisch ihre Flugnummer auf die Emirates-Flüge von und nach Wien setzen durfte. Laut Emirates-Sprecher Andrew Parker, der am Donnerstag zu einem kurzen Besuch in Wien war, gebe es solche Probleme nur in Österreich. Dies sei auch deswegen schade, da Menschen aus Down-Under derzeit aufgrund des starken australischen Dollars gerne nach Europa fliegen. Eine durchgehende Qantas-Flugnummer erleichtere die Buchung und natürlich auch das Meilensammeln. Bei einer aktuellen Europa-Werbekampagne in Australien ist Austria aufgrund der Austro-Control-Entscheidung nun auch nicht mit dabei.

Den vierzehnten Flug verweigert man der Airline mit dem Argument, dass man negative wirtschaftliche Auswirkungen nicht ausschließen könne - insbesondere nicht auf die Langstreckenflüge von Austrian Airlines. Austro Control müsse daher die Passagierflüsse von Emirates weiter beobachten. Dies tut sie seit der Einführung der zwei täglichen Flüge. Aber offenbar ohne zu einem Ergebnis gekommen zu sein.

Besonder skurril ist in diesem Zusammenhang auch, dass die AUA im Sommer statt wie früher bis zu 14 wöchentlichen Flügen (womit seinerzeit offenbar niemand ein Problem hatte) nur noch fünf Rotationen pro Woche aufgrund des Umbaus der Langstreckenflotte durchführt. Dabei ist gerade der Sommer für den Incoming-Tourismus aus den arabischen Ländern extrem wichtig.

Darüber, warum Austro Control hier so rigide ist, kann nur spekuliert werden. Dass hier vielleicht AUA und Lufthansa ihre Meinung zu Emirates an entsprechender Stelle wirkungsvoll kundgetan haben, erscheint manchen nicht unwahrscheinlich.

Dass sich die Lufthansa samt ihrem österreichischen Arm vor der außereuropäischen Konkurrenz fürchtet, ist dabei absolut zu verstehen. Und daran hat die Politik gehörige Mitschuld. Abgesehen von kleinen Gemeinheiten wie der Luftfahrtsteuer, die nur kurzfristigst Geld in die leeren Staatskassen bringt, ist das allgemeine Klima diesen wichtigen Wirtschaftszweig betreffend schlecht. Bei der chronischen Angst der Politiker um Wählerstimmen ist man wohl leider besser beraten, den Fluglärm zu kritisieren als die Aviation-Branche zu fördern. Viel mehr als salbungsvolle Worte bei Luftfahrtveranstaltungen zu diesem Themenbereich ist leider nur selten zu hören.

Wäre dieses negative Umfeld und Stimmungsbild besser und würde die Branche auf einem vernünftigen Niveau gefördert statt sabotiert werden, wäre die Angst vor ein paar Emirates-Passagieren vermutlich auch nicht so groß. So ist die Situation für alle Beteiligten unbefriedigend.


 
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