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Verfasst am: 27.06.11 06:18

Von: Martin Metzenbauer

Emirates: "Ein Partner Österreichs"

Die Golf-Fluglinie macht Stimmung für sich und kämpft weiter um die Ratifizierung des provisorischen bilateralen Luftfahrtabkommens von 2004.

Foto: Emirates, Bearbeitung: Austrian Aviation Net

Die stark expandierende Emirates Airline fliegt seit 2004 zwischen Wien und Dubai. Seit damals ist das Passagieraufkommen auf der Strecke massiv gestiegen – bei Austrian Airlines um durchschnittlich 33 Prozent, bei der Fluglinie aus dem Golfstaat um 25 Prozent – pro Jahr. 2010 flogen bereits 211.000 Menschen mit Emirates zwischen Wien und Dubai – immerhin ein Anteil von mehr als einem Prozent des Aufkommens am Flughafen Wien.

Aufgrund dieses starken Wachstums setzt die Airline seit 2010 auf der Strecke die Boeing 777-300ER ein – nach dem Airbus A380 das größte Fluggerät von Emirates mit über 350 Sitzplätzen. Trotzdem war die Kapazität mit Auslastungszahlen von durchschnittlich 82 Prozent nicht genug – Emirates wollte daher mit Beginn des heurigen Sommerflugplanes den lange gehegt Wunsch wahrmachen und Wien an den meisten Tagen „double daily“ anfliegen.

Für den Flugverkehr zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Österreich kommt an sich ein Abkommen aus dem Jahr 1990 zur Anwendung, welches aber de-facto durch ein Nachfolgeabkommen aus 2004 und ein Memorandum of Understanding aus 2005 abgelöst wurde. Das Papier aus dem Jahre 2004 wurde allerdings bislang noch nicht ratifiziert – trotzdem ist es nicht unüblich, dass ein solches Agreement provisorisch angewandt wird. So auch bei den Flügen zwischen Dubai und Wien – so konnte die AUA im Jahr 2008 die Anzahl ihrer wöchentlichen Flüge auf 14 erhöhen.

Dennoch gab es im Frühjahr 2011 offenbar dann doch Probleme mit den zusätzlich geplanten Emirates-Flügen. Aus irgendeinem Grund berief man sich im zuständigen Infrastrukturministerium nicht mehr auf das Agreement von 2004 sondern auf das de jure noch immer gültige Abkommen von 1990. Die Behörden untersagten daher kurzerhand die Aufstockung der Flüge. Allerdings nur kurzfristig, da das Provisorium aus 2004 danach rasch wieder – ebenfalls provisorisch – zur Anwendung kam und Emirates über den Sommer dreizehn Mal pro Woche fliegen durfte…

Was genau damals der Auslöser für dieses Verbot gewesen ist, darüber kann nur gemutmaßt werden. Von Branchenkennern wird eine gewisse Lobbyingtätigkeit von Seiten des Lufthansa-Verbundes nicht ausgeschlossen.

So wehrte sich zuletzt die AUA-Mutter mit Händen und Füßen gegen zusätzliche Emirates-Flüge nach Deutschland. Und auch Austrian-Vorstand Peter Malanik macht kein Hehl daraus, was er von der Airline, die mehr als 30 Millionen Passagiere pro Jahr befördert, hält. So würde eine Verflechtung von Staat, Eigentümer, Flughafen und Airline zu anderen Voraussetzungen als in Europa führen und den Wettbewerb auf eine schiefe Ebene bringen.

Mittlerweile rückt der Winterflugplan näher und damit auch die Entscheidung der Behörden, wie nun mit den Emirates-Flügen weiter zu verfahren ist. Bis September laufen in Wien bilaterale Verhandlungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Österreich, um über den Text des provisorischen Abkommens aus 2004 zu beraten. Emirates erhofft sich davon, dass die liberalen Vereinbarungen weiter zementiert und damit die 13 wöchentlichen Flüge (samt eines geplanten 14. Fluges) auf rechtlich solider Grundlage durchgeführt werden können.

Egal wie die juristische Situation aussieht: Emirates versucht immer wieder zum Ausdruck zu bringen, dass ihre Verbindung Wien-Dubai sowohl für die Passagiere als auch für den Standort Flughafen Wien wichtig ist und für die AUA gar keine so große Bedrohung darstellt.

Ganz im Gegensatz zur Lufthansa, die durch ihre Omnipräsenz in Mitteleuropa laut Emirates die Ticketpreisschraube nach oben dreht. So rechnet die Airline in einer aktuellen Österreich-Analyse vor, dass Langstreckenflüge über Frankfurt mit Lufthansa empfindlich teurer sind als mit British Airways über London oder Air France über Paris. „Es ist nicht im Interesse Österreichs, der Verbraucher oder des freien Wettbewerbs, wenn die österreichischen Passagiere von Wien via Frankfurt auf teurere Reiserouten umgelenkt werden“, heißt es in einem Emirates-Statement.
 

Grafik: Emirates

Für  die Drehkreuzfunktion des Flughafens Wien erachtet Emirates ihre eigene Präsenz für wichtig und legt eine einfache Rechnung vor: Das 800-Millionen-Projekt Skylink müsse sich rentieren, die AUA streiche allerdings seit Jahren Langstreckenflüge. Daher komme „neuen Routen von Fluggesellschaften wie Emirates eine besondere Bedeutung zu“.

Überhaupt sieht sich die Fluglinie aus Dubai gar nicht so sehr als direkte Konkurrenz zu Austrian, sondern offenbar vielmehr als Ergänzung. So bedient Emirates als Umsteigeverbindung ab Wien via Dubai 53 Destinationen in den Regionen Nahost, Afrika, Asien und Australasien, die weder von der AUA noch von einer anderen Fluggesellschaft ab Wien direkt angeflogen werden. Dies sorge für eine bessere Anbindung Wiens.

Austrian Airlines würden lediglich sechs Destinationen bedienen, zu denen Emirates via Dubai ebenfalls Passagiere befördert. Hier hätte aber die AUA durch die direkten Verbindungen einen „beträchtlichen Wettbewerbsvorteil“. So sei der Marktanteil dieser Destinationen laut Global Distribution System (GDS) bei durchschnittlich 58 Prozent, der von Emirates liege bei nur 6 Prozent. Die Golf-Airline stelle daher „keine bedrohliche Konkurrenz“ dar.

Für die AUA sei Dubai außerdem ein guter Quellmarkt: Rund 76 Prozent der Passagiere auf der Dubai-Wien Route steigen laut GDS in Wien um. 24 dieser AUA-Destinationen werden auch von Emirates direkt angeboten.

Insgesamt sieht man bei der Fluglinie auch eine gewisse eigene Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Österreich. So hat Emirates zuletzt rund € 26 Mio. an direkten Ausgaben in Österreich getätigt – darunter € 20,5 Mio. für Betriebsausgaben, € 3,4 Mio. für Werbung und Sponsoring und € 2,1 Mio. für Produkte und Dienstleistungen.

Abgesehen davon sind Dubai und die Vereinigten Arabischen Emirate wirtschaftlich relativ eng mit Österreich verbunden: So gehen 21 Prozent der Exporte für die arabische Region in die VAE, die Handelsbilanz zeigt einen gewaltigen Überschuss zu Gunsten Österreichs (96 Prozent). Österreichische Marken wie Swarovski oder Red Bull sind in den Emiraten bekannt und begehrt. Und auch die Bau- und Schwerindustrie ist vertreten – man denke an Strabag oder Voest Alpine.

Emirates promotet den Tourismusstandort Österreich auf der eigenen Website und im "World of Choice"-Reisekatalog mit einer Auflage von 250.000 Stück.

Darüber hinaus fördert Emirates laut eigener Ansicht auch den österreichischen Incoming-Tourismus: Das Reiseziel wird im gesamten Streckennetz promotet, Österreich hat gerade in letzter Zeit stark an Popularität bei Touristen aus dem Nahen und Mittleren Osten gewonnen. 2010 ist ihre Zahl um 20 Prozent gestiegen.

Insgesamt sieht sich Emirates also wörtlich als „Partner Österreichs“ – eine Beziehung, die die Airline aus Dubai in den nächsten Jahren „weiter vertiefen“ möchte. Ob dies gelingt, werden nicht zuletzt die zuständigen österreichischen Behörden mitentscheiden.


 
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