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Verfasst am: 26.04.10 22:03

Von: Philipp Weber

Die Aschewolke: Ein persönlicher Rückblick

Die Welt steht auf kan Fall mehr lang

Ich möchte vorausschicken, dass ich am Flughafen Wien arbeite, die Situation auf anderen österreichischen Airports mag vielleicht etwas anders ausgesehen haben. Auch gibt der folgende Artikel lediglich meine eigenen, persönlichen Ansichten und Meinungen wieder, basierend auf gemachten Erfahrungen und Erlebnissen während der chaotischen Tage, in denen der österreichische Luftraum geschlossen war.

Der Anfang: Ein kleiner unbekannter Vulkan sorgt für Schlagzeilen... und kurz darauf für Chaos

Als zu Beginn vorletzter Woche die ersten Berichte über einen Vulkanausbruch auf Island in der heimischen Medienlandschaft auftauchten, sorgten diese lediglich für Aufhorchen bei Menschen mit naturwissenschaftlichem Interesse, oder Islandreisenden. Nicht einmal der Namen dieses Vulkans war leicht aussprechbar, ein Grund mehr, diese ersten Berichte in ein dunkles Eck unserer medialen Wahrnehmung zu verbannen.

Natürlich, Vulkane können sehr gefährlich sein, Namen wie Vesuv, Pompeij oder Krakatau sind vielen Menschen ein Begriff. Doch Vulkanausbrüche, die in unseren Breiten für Beeinträchtigungen oder sogar Bedrohung gesorgt hätten, sind im kollektiven Bewusstsein nicht verankert.

Dass dann kurz darauf die ersten Gerüchte über Gefahren für den europäischen Luftverkehr und damit einhergehende mögliche Luftraumsperren aufkamen, verlieh dem anfänglich unbedeutend scheinenden isländischen Naturereignis schon wesentlich mehr mediale Resonanz.

Keine Flüge...

Und dann schlich er sich in die Schlagzeilen - der dominierende Begriff der letzten Woche, Grund schlafloser Nächte vieler in der einen oder anderen Form künftig Betroffener und wahrscheinlich ein aussichtsreicher Kandidat auf den Titel „Unwort des Jahres„ -  die Aschewolke.

Was folgte war ein Chaos sonder Gleichen, die "größte Fehlentscheidung der Luftfahrtgeschichte" (laut Niki Lauda) und weitere Verluste für eine ohnehin noch immer krisengebeutelte Branche.

Dass die folgenden Tage nicht nur für die zigtausend Passagiere, die auf europäischen Flughäfen gestrandet waren, ziemlich nervenaufreibend werden würden, sondern auch allen Bediensteten von Airlines, Flughäfen und Reiseveranstaltern war spätestens jetzt absehbar.
"Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen." Dass aber auch jene, die dafür sorgen, dass diese Reisen stattfinden (oder in diesem Fall auch nicht) einige amüsante Anekdoten und Erlebnisse berichten können, davon möchte ich nun erzählen...

"Warum fliegen wir nicht?" Eine gute Frage - warum aber wirklich?

Einer der Hauptgründe, und auch einer der erst genannten, als das Flugverbot dann tatsächlich installiert wurde, war BA Flug 009 am 24. Juni 1982 von London Heathrow nach Auckland. Bei diesem Kurs kam es durch Vulkanasche zum Ausfall aller vier Triebwerke und zu einer Beinahe-Katastrophe, die nur durch Glück, das exzellente fliegerische Können der Besatzung und gewisse chemische und physikalische Eigenschaften der Vulkanasche erfolgreich abgewendet werden konnte (Näheres ist bei Wikipedia zu erfahren, alternativ dazu gibt es eine sehr gute TV-Dokumentation aus der Reihe "Mayday - Alarm im Cockpit").

So war es zu Beginn auch kein Wunder, dass der Ausfall vieler Flüge und die dann folgende komplette Sperre des Luftraums zunächst auf Zustimmung oder zumindest kaum Ablehnung stießen. Auch auf Seiten der Airlines war man sich zunächst sicher, im Interesse der Sicherheit und damit auch der Passagiere zu handeln.

...und nur Wolken am Himmel.

Als am Donnerstagabend die ersten Flüge ausgesetzt wurden, blieben daher fast alle Passagiere ruhig und hofften auf eine Besserung der Lage am folgenden Tag. Man war sich sicher, dass sich die Lage schnell beruhigen würde und die gesetzten Schritte lediglich Vorsichtsmaßnahmen waren, die schnell wieder zurückgenommen werden würden.
Auf unsere Empfehlungen gefragt, was denn nun das Beste sei, haben wir unseren Passagieren trotzdem bereits Donnerstagabend, bzw. Nacht geraten, sich auch nach alternativen Beförderungsmöglichkeiten umzusehen.

Freitags begann sich dann abzuzeichnen, dass es nicht nur zu Beeinträchtigungen, sondern völligen Luftraumsperren kommen würde, verbunden mit großen Beeinträchtigungen und folgendem totalen Chaos auf vielen Flughäfen in Europa.

Das "Teamchef-Syndrom" beginnt sich breit zu machen...

Eine typische österreichische Eigenschaft scheint es zu sein, alles besser zu wissen, als die Verantwortlichen selbst. Was im Winter im Ski-Weltcup und im Sommer im Fußball seine Manifestation findet, wurde nun im Frühjahr auch hier praktiziert - die Luftraumsperre machte da leider keine Ausnahme.

Nachdem der Freitagabend die völlige Sperre des österreichischen Luftraums gebracht hatte, legte der Samstag noch eins drauf - es stand die übliche samstägige Welle der Charterpassagiere an, die normalerweise wöchentlich Richtung Süden in die Feriendomizile in der Türkei, Spanien und


 
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