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Verfasst am: 15.03.10 15:29

Von: Ulrich Hajek

Schulportrait: Sky Flight Academy

 "Ist die Luft nicht ein sehr gefährliches Element?" wird Wilbur Wright 1903 in Paris von einer Bewunderin gefragt. "Madame", antwortet er, "die Luft ist völlig ungefährlich. Das einzig gefährliche am Fliegen ist die Erde". So, oder zumindest ähnlich, wird das Zusammentreffen von Mr. Wright und seiner Verehrerin kolportiert.

Um zukünftigen Linienpiloten die Angst vor der Erde zu nehmen, gründete Alfred Oberhofer, seines Zeichens Accountable Manager und selbst langjähriger Jet-Pilot und Ausbildner, gemeinsam mit seinem Team die Sky Flight Academy in Krems (LOAG).
Grund genug für Austrian Aviation Net auf Stippvisite vorbei zu kommen und die neu gegründete Flight Training Organisation (FTO) in Augenschein zu nehmen.
 

 
Krems liegt im Herzen Niederösterreichs zwischen Linz und Wien, direkt an der Donau. Die 28.000-Einwohner-Stadt soll, laut einer von der Zeitschrift "News" in Auftrag gegebenen Studie, die lebenswerteste Stadt in ganz Österreich sein. Ob dem nun so ist, entzieht sich unserer Kenntnis - Fakt ist jedoch, daß sie seit 15. Dezember 2009 Heimat einer FTO ist.
Am Flughafen Krems-Langenlois (LOAG) gelegen, nutzt sie die bereits vorhandene Infrastruktur, und bietet ihren Kunden ab-initio ATPL Ausbildungen, Fluglehrerkurse, ja selbst Typeratings (Citation 560).
 
Der Inhaber und Leiter der Flugschule, Alfred Oberhofer, kehrt nach nunmehr 20 Jahren wieder an den Ursprung seines Schaffens zurück. Nachdem er im Verein zu Krems seine PPL erworben hatte, zog es ihn in die berufliche Fliegerei. Nach langen Jahren der Ausbildung und Arbeit bei Jetalliance verwirklichte er sich einen lang gehegten Traum von der Gründung einer eigenen Flugschule. Gemeinsam mit Kollegin Isabella Herl - sie kümmert sich um das Client Service und den Student Support - gründete er im Juli 2009 die Sky Flight Academy. Gesagt getan, viele Behördenwege und sechs Monate später war es soweit: Die Austro Control verlieh die Bezeichnung "Flight Training Organisation".

Als Head of Training fungiert Richard Egerer (vorher bei Intercockpit beschäftigt), Karl Rupp konnte als Chief Flying Instructor gewonnen werden. Die Verantwortung am Boden übernahm Thomas Höllerer als Chief Ground Instructor. Zwei Administrativkräfte runden das insgesamt sieben-köpfige (hauptangestellte) Team ab.
 

Von links nach rechts: H/T Richard Egerer, CFI Karl Rupp, Ing. Gert Kuntner (Club Obmann der Sportflieger in Krems), Alfred Oberhofer (Accountable Manager), sitzend Isabella Herl (Client Service & Student Support) - nicht am Bild: CGI Thomas Höllerer.
 
Alfred Oberhofer, im übrigen studierter Bautechniker, hält 70% der Anteile an der Flugschule, Partner Avcon Jet 25%, H/T Richard Egerer 5%. Avcon Jet kooperiert mit der Sky Flight Academy insofern, als dass im Falle und bei Bedarf, Schüler der FTO als Nachwuchskräfte in die Cockpits der Cessnas, Gulfstreams und Embraers "nachwachsen".

"Dies ist aber kein Muss und schon gar kein Versprechen an unsere Schüler", so Oberhofer, "wir sehen das eher als Ansporn, Motivation - die besten unserer Schüler werden unserem Partner zur Übernahme vorgeschlagen. Jobgarantie wollen und können wir vor Antritt der Ausbildung keine geben, das wäre unseriös und auch nicht in unserem Sinne."
 
Im Moment sind elf Schüler in Ausbildung zur heiß ersehnten ATPL. "Leider ist noch keine Frau mit von der Partie", meint Isabella Herl, "wir sind aber bemüht auch weibliche Nachwuchspiloten anzusprechen."

Auf Messen, wie zum Beispiel der BeST, wird auch in diese Richtung Werbung betrieben. Derzeit durchlaufen die Student Pilots die Schulung überwiegend berufsbegleitend, die FTO ist aber sehr flexibel um sich an die zeitlichen Erfordernisse ihrer Schüler anzupassen. Wer den Weg zur Lizenz rascher durchschreiten will, dem steht dies offen. "Aufgrund der modularen Bauweise der Lehr- und Lerninhalte sind wir, was Zeiteinteilung angeht, sehr wandlungsfähig. Ob neben dem Beruf oder Vollzeit ist für uns kein Problem, wir sind sehr um unsere Kunden bemüht", so Alfred Oberhofer.

Für den kommenden Ab-Initio Kurs, der im Mai starten wird, sind insgesamt 12 Plätze zu vergeben, was auch der Maximalanzahl eines Kurses entspricht. "Bei entsprechendem Mehrbedarf an Plätzen wir gesplittet, die Kapazitäten dafür sind vorhanden", sagt Isabella Herl.
 
Der Theorieunterricht wird in den Räumen der Schule am Flugplatz in Krems und in Wien (in eigens zu diesem Zwecke angemieteten Lehrsälen) abgehalten. Grund dafür sei die Herkunft der Schüler - je nach örtlicher Verteilung der selben kann entweder am einen oder anderen Standort Unterricht abgehalten werden. Anreisezeiten und damit verbundene Anfahrtskosten können so minimiert werden. Der Unterricht wird einerseits von den fix angestellten Kräften der Schule abgewickelt, andererseits von der Luftfahrtbehörde akkreditierten Experten abgehalten. Bei den analogen Lehrmitteln (ATPL) wird weitestgehend mit dem Material von Jeppesen gearbeitet, als Kooperationspartner für Online Lernprogramme, so genannte "Computer Based Trainings" (CBT), konnte Peters Software aus Deutschland gewonnen werden. Mit der noch nicht so lange am Markt erhältlichen "Peters E-Academy" wird der dislozierte Unterricht durchgeführt. Von den insgesamt 1.100 Stunden Theorieunterricht von PPL bis ATPL inklusive MCC, werden 350 Stunden frontal unterrichtet, der Rest wird über bereits erwähnte CBTs abgewickelt.
 
Den Praxisunterricht am Fluggerät bestreitet ein Team von erfahrenen Linienpiloten - eine Mischung aus Nachwuchslehrkräften und "alten Hasen", alle in der Airlinerindustrie angesiedelt. Alfred Oberhofer: "Um unseren Bedarf an Fluglehrern weiterhin decken zu können, bilden wir unseren Nachwuchs teilweise sogar im eigenen Haus aus und weiter. Eigene Flight Instructor Kurse in der Sky Flight Academy ermöglichen uns, hier weitgehend eigenständig zu sein."
 
Was den Flugbetrieb anbelangt, stehen folgende Flugzeuge dem Ausbildungsbetrieb dabei zur Verfügung:
 
1 Cessna 152
2 Cessna 172 (davon eine mit G1000)
1 Beechcraft Duchess (MEP, IFR)
1 Cessna Citation 560XL (für Typerating-Kurse)
1 FNPT II Simulator (Beechcraft Duchess)
 
Die Flugzeuge sind teilweise im Eigentum, teilweise in Halterschaft und teilweise gechartert. Zukünftige Pläne und vor allem die Zusammenarbeit mit dem in Krems ansässigen Verein sehen jedoch vor, zwei Maschinen ins Eigentum und zwei in die Halterschaft zu übernehmen und den Rest zu chartern. Die Flugzeuge werden vor Ort vom Luftfahrzeug Wartungsbetrieb Krems in Schuss gehalten. Alfred Oberhofer zeigt sich auch sichtlich erfreut über diese Zusammenarbeit, denn die Zuverlässigkeit und Flexibilität der Mechaniker garantiere einen sicheren Betrieb während der Ausbildung.
 
Das PPL und VFR Training wird am Platz in Krems durchgeführt, der FNPT II Simulator, ebenfalls am Standort in Krems, zur IFR Basic Schulung. IFR Training am Fluggerät wird auf den umliegenden Plätzen wie zum Beispiel Linz, Brünn, Graz und Tulln (eine entsprechende Genehmigung seitens des Verteidigungsministeriums liegen bereits vor) durchgeführt. Krems selber ist kein IFR-zugelassener Platz, es gibt keine publizierten Instrumenten Ab- und Anflugverfahren, "IFR zu joinen oder zu canceln will jedoch auch geübt sein!", so Alfred Oberhofer.

Foto: Gernot Rohrhofer


 
Ein wesentlicher Faktor bei der Ausbildung zum Linienpiloten sind die Kosten. Die Schulung in Krems versteht sich als "all-inclusive", soll heißen, daß Lehrmittel, Start- und Landegebühren, Ausrüstung, Sprit, Lehrer, Unterrichtsräume, Prüfungs- und Lizenzausstellunggebühren (inkl. AFZ) etc. mit eingeschlossen sind. Positiv fällt auf, daß nicht der gesamte Preis vom Schüler vor Antritt der Ausbildung zu berappen ist. Pro Ausbildungsabschnitt wird eine separate Rechnung gestellt, die Leistungen, die konsumiert werden, werden auch verrechnet. Isabella Herl weist darauf hin: "Wir wollen eine qualitativ hochwertige Ausbildung auf einem hohen, seriösen Niveau betreiben. Wir verrechnen die Leistungen die von uns im hier und jetzt erbracht werden, und nicht erst in einem, eineinhalb Jahr(en)."
 
Interessant bleibt es in Krems allemal. Wir von Austrian Aviation Net sind gespannt wie sich die neu gegründete FTO in Zukunft entwickeln wird - bekommt sie doch am Flugplatz in Krems bald Zuwachs. Denn wie uns mitgeteilt wurde, wird in nächster Zeit (noch 2010) eine FTO für den gewerblichen Helikopterflug entstehen. Alfred Oberhofer freut sich gemeinsam mit seinem Team auf die Belebung des Standortes Krems. Selbstverständlich werden wir auch darüber berichten.
 
Wessen Interesse hier geweckt wurde - am Freitag dem 19. März 2010 lädt die Sky Flight Academy zum "Open House" ein. Alle Interessierten können sich nach Anmeldung bei dieser Veranstaltung rund um die Ausbildung zum Linienpiloten in Krems informieren. Nähere Informationen auf www.skyflightacademy.aero


 
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