Austrian Aviation Net - Das Magazin der österreichischen Luftfahrt
 
 
 
   
 

Im Focus Detail


Verfasst am: 26.11.12 11:00

Von: Jan Gruber

Peoples-Chef Armin Unternährer im Interview

Der kleine Flughafen Altenrhein ist ein Unikum der Luftfahrt. Das private Flugfeld, das keine Betriebskonzession hat, weil sie nicht benötigt wird, bekam vor einiger Zeit eine hauseigene Fluggesellschaft und mit „Peoples“ einen Markenauftritt, der viel Gesprächsthema lieferte. Austrian Aviation Net sprach mit Peoples-Chef Armin Unternährer über seinen Flughafen, seine Fluggesellschaft, vorarlberger Werte, warum in Altenrhein die Konzession niemand braucht und ein Treffen mit Nelson Mandela.

Armin Unternährer leitet den Peoples-Business-Airport Altenrhein und die Peoples Vienna Line. (Fotos: People's Viennaline / Tino Dietsche)

Der Peoples-Business-Airport Altenrhein hatte es vor einiger Zeit sehr wichtig seinen Linienbetrieb unabhängig von Airlines zu machen. Der Flughafen brachte die Peoples Viennaline in die Luft und hat auf der für Vorarlberg wichtigen Geschäftsreisestrecke das Zepter nun selbst in der Hand. Für dieses Konzept wurde Peoples-Chef Armin Unternährer belächelt, doch allen Unkenrufen zum Trotz: Peoples Viennaline ist weiterhin in der Luft. Austrian Aviation Net traf Peoples-Chef Armin Unternährer in Wien.

Austrian Aviation Net: Wie hoch ist der Anteil des Linienfluges am Betriebsergebnis des Flughafens?
Armin Unternährer: Das Flughafen Revenue setzt sich aus 50 Prozent Business-Aviation und 35 Prozent Linienflüge zusammen. Der Rest sind kleine Flugzeuge, Immobilienvermietung und so weiter.

AANet: 35 Prozent ist ein erheblicher Anteil. War das der Beweggrund für die Gründung ihrer eigenen Fluggesellschaft?
Unternährer: Ausgangslage war, dass wir hier nur von einem einzigen Kunden abhängig waren und dieser immer wieder betonte, dass die Strecke nicht wirtschaftlich genug ist. Wir haben auch den Verkauf an die Lufthansa intensiv beobachtet und hingen hier natürlich etwas in der Luft: Kauft die Lufthansa, kauft sie nicht. Daher haben wir, um unseren Flughafen mittel- und langfristig zu sichern, die Peoples Viennaline gegründet und die Wien-Verbindung selbst in die Hand genommen. Das ist sicherlich europaweit, wenn nicht weltweit einzigartig und wir haben immer wieder Anfragen von anderen Regionalflughäfen, ob wir ihnen unser Konzept vorstellen könnten.

AANet: In fast allen Interviews, die wir zuvor geführt haben, werden Regionaljets auf kurzen Flügen keine Chancen mehr eingeräumt. Die ATR 72 und die Q400 werden als Zukunft im Regionalverkehr dargestellt. Sie betreiben aber einen Embraer 170-Jet mit 76 Sitzplätzen. Funktioniert das?
Unternährer: Wir haben natürlich vor dem Start unserer Fluglinie nach Wien verschiedene Optionen geprüft und auch die Bombardier Q400 evaluiert. Wir haben uns aber dann für den Embraer-Jet entschieden, weil wir unseren Passagieren schnelle, zuverlässige Flüge mit dem Komfort eines Jets bieten wollen. 


Embraer 170 "Laura" der Peoples Viennaline auf dem Flughafen Altenrhein.

AANet: Die Embraer 170 ist gegenüber der ATR72 ein regelrechter Spritfresser. Zwar nicht so durstig wie eine alte Fokker 70, aber definitiv kein treibstoffsparendes Muster im Regionalverkehr…
Unternährer: Das ist vollkommen richtig. Das würde mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht funktionieren, wenn wir nicht so viele Synergien nutzen könnten. Es wäre überheblich, wenn ich uns als Firmengruppe bezeichnen würde, aber wir sind ein kleines Grüppchen, in der jeder verschiedene Funktionen inne hat. Ich bin beispielsweise Chief Executive Officer von drei Firmen unseres Grüppchens und auch meine Kollegen haben mindestens zwei bis drei Funktionen innerhalb unseres Grüppchens inne. Wenn wir nur mit einem Jet nur eine Linienstrecke betreiben würden und es alles andere eben nicht gäbe, so bin ich bei den Kritikern: Das kann nicht gut gehen und ist nicht überlebensfähig. Wir nutzen aber in Altenrhein die Synergien und bieten dem Kunden alles aus einer Hand an: Wir sind Flughafen, Fuel Lieferant, Ground Service Operator, Fluggesellschaft und so weiter in einem. Eine wichtige Synergie ergibt sich schon alleine durch die Business Aviation. Hier gibt es keine festen Flugpläne oder planbare Flugbewegungen. Die Kunden kommen und gehen wann sie wollen. Mal sind es 100 Flugzeuge am Tag, dann 50 Flugzeuge oder nur 10. Das ist im Hinblick auf die Personalplanung sehr schwierig, aber dadurch dass wir den Linienbetrieb haben ist das Personal ohnehin schon da. Wir haben die Peoples Viennaline nicht in die Luft gebracht, weil wir Cowboys sind und Spaß haben wollen, sondern weil wir unseren Flughafen langfristig und nachhaltig sichern wollen und auch müssen. Wie bereits gesagt, unsere Maschinen sind sehr gut ausgelastet und mittlerweile haben wir zahlreiche Anfragen von anderen kleinen Regionalflughäfen, die ein ähnliches Gebilde planen wollen. Es funktioniert aber nur durch die Synergien, die wir innerhalb der Peoples perfekt nutzen können und ich denke, dass wir allen Kritikern bewiesen haben, dass wir einen Jet auf der Strecke nach Wien nicht nur in die Luft bringen konnten, sondern auch bei sehr guter Auslastung dauerhaft wirtschaftlich betreiben können.

AANet: Sie sind gerade mit dem Morgenflug aus Altenrhein gekommen. Wie gut war die Maschine ausgebucht?
Unternährer: Komplett. Ich musste sogar im Cockpit mitfliegen, dass ich überhaupt zu diesem Interviewtermin kommen konnte. Am Abend haben wir 72 verkaufte Tickets und bei 76 Sitzplätzen ist das doch eine wirklich gute Auslastung. Generell haben wir eine Auslastung von 70-80 Prozent.

AANet: Der Flughafen Altenrhein gehört bekanntermaßen zur Schweiz. Warum hat man der Altenrhein Luftfahrt – Peoples Viennaline – ein österreichisches AOC verpasst?
Unternährer: Wir sind eine österreichische Fluggesellschaft und keine schweizerische Fluggesellschaft. Mehr als 75 Prozent unserer Kunden sind Vorarlberger. Die Verbindung Altenrhein-Wien ist eine ganz natürliche Verbindung, weil es einerseits in Vorarlberg keinen Verkehrsflughafen gibt und andererseits zwischen Dornbirn und Bregenz sehr viele Firmen angesiedelt sind, die auf gute Verbindungen nach Wien angewiesen sind. Ein erheblicher Teil unserer Cockpit-Crews und unserer Kabinenbesatzungen kommt aus Vorarlberg und damit wollen wir dem Kunden noch mehr Nähe zeigen. Vor einiger Zeit habe ich die Marke Peoples eingeführt und den Namen „Flughafen Sankt Gallen-Altenrhein“ in „Peoples Business Airport Altenrhein“ geändert. International weiß doch absolut niemand wo Sankt Gallen oder Altenrhein überhaupt ist. Mein Ziel war es, dass der Fokus auf Geschäftsreisende, die zum Beispiel nach Davos oder Sankt Moritz wollen, gelegt wird und wir uns als Business-Alternative zu Zürich-Kloten etablieren. Dafür hätten wir jetzt wie ein großer Turnschuhhersteller Millionen und Milliarden in Werbekampangen investieren können. Hätten, aber auch wenn wir das Geld dafür hätten aufbringen wollen, wäre es meiner Meinung rausgeschmissenes Geld gewesen. Wir haben die Marke „Peoples“ ins Leben gerufen und hier auf virales Marketing gesetzt. Diverse Medien haben sich damit beschäftigt was der Unternährer da eigentlich macht und somit waren wir auch in einschlägigen Luftfahrtforen im Internet im Gespräch. Man sprach über unseren Flughafen, später auch über unsere Airline. Wir bieten unseren Kunden nun ein einzigartiges Produkt, bei dem wir den Kunden von der Buchung auf unserer Homepage oder am Ticketschalter, über den Check-in, den Aufenthalt am Flughafen, den Flug bis zum Aussteigen in Wien selbst betreuen. Alle Mitarbeiter in Altenrhein sind unsere Leute, sogar die Security sind unsere Leute. Das österreichische AOC ist also ein ganz klares Bekenntnis zur Herkunft des Großteils unserer Kunden. Wir sind ein kleines, aber feines Team und da kann es nicht nur vorkommen, sondern es ist auch so, dass die Flugbegleiter die Vielflieger namentlich begrüßen und man sich beiderseitig freut, dass man sich wieder sieht. Das ist mehr wert als teure Werbekampangen, die an der Kernzielgruppe vorbeischießen.

AANet: Was ist es, das Sie „besser“ machen? Was macht das Erlebnis Peoples aus?
Unternährer: Ich vergleiche mich niemals mit anderen und mache niemals andere schlecht. Jeder hat seine Stärken und Schwächen. Bei uns bei Peoples dreht sich alles um das Thema Zeit. Der Kunde spart bei uns durch die kurzen Wege und die nicht vorhandenen Warteschlangen einiges an Zeit und wir können uns persönlicher um den Kunden kümmern, weil wir sind ein kleiner Regionalflughafen und kein Zürich-Kloten, Wien oder Frankfurt. Wir haben nur eine Liniendestination und ein durchaus sehr kalkulierbares tägliches Passagieraufkommen. Und unser Kunde spart in unserem schnellen Jet weitere Zeit ein. Für Geschäftskunden kommt es manchmal auf jede Minute an, denn Reisezeit ist tote Zeit, in der man fast nichts machen kann. Unser Motto lautet: „Mehr Zeit für Sie.“ Wenn man schon Zeit durch Reisen verliert, dann bemühen wir uns unseren Kunden diese Zeit eben zu versüßen. Bei uns gibt es an Board wirklich etwas zu Essen und zwar der Tageszeit angepasst: Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Gerade für Geschäftsreisende ist es wichtig, denn oft sind Termine so dicht an dicht, dass man zwischendurch kaum Zeit hat, einfach mal eine Kleinigkeit zu essen. Dieses Angebot schätzen besonders unsere Vielflieger sehr.


Flughafen Altenrhein

AANet: Welche Zulassung hat der Flughafen Altenrhein eigentlich?
Unternährer: Ein absolutes Unikum! Wir sind ein privates Flugfeld, das keine Konzession hat, die eigentlich für den Linienflugverkehr erforderlich wäre. Nur, es gab hier in Altenrhein schon Linienflug lange bevor der entsprechende Absatz ins schweizerische Luftfahrtgesetz eingefügt wurde. Das wurde eben schon vorher bewilligt und wir haben deswegen beschränkte Flugbewegungen für Linie und Charter pro Jahr. Wenn wir mehr Flugbewegungen hätten oder haben wollten, müssten wir die entsprechende Konzession zwingend erlangen. Für die Business- und Geschäftsfliegerei hat das aber keine Bedeutung, weil diese ist kein Linienverkehr und fällt damit nicht unter die Beschränkungen.

AANet: Warum erwirbt man die Konzession dann nicht?
Unternährer:  Im Moment ganz klar: Wir brauchen sie nicht. Der Markt in Vorarlberg, Ostschweiz und Liechtenstein ist sehr beschränkt und die Konkurrenz zu anderen Flughäfen sehr groß. Süddeutschland ist weniger ein Markt für uns, denn fast kein Mensch fährt um den Bodensee herum und fliegt dann mit uns von Altenrhein aus. Es wurden freilich schon andere Destinationen wie London evaluiert, aber das wurde wieder fallen gelassen, weil man es nicht profitabel betreiben kann. Es gab eine kurze Zeit eine Verbindung ins Ruhrgebiet. Die Strecke nach Mönchengladbach ist offen gesagt richtig in die Hose gegangen und war nach kürzester Zeit wieder aus dem Flugplan verschwunden. Im Moment gibt es einfach nichts, das man neben Wien von Altenrhein aus profitabel anfliegen könnte.  Wenn wir also die Konzession erwerben würden, so wäre das ein langwieriger und steiniger Prozess. In der Schweiz gäbe es eine regionale Volksabstimmung, aber es ist kein reiner schweizerischer Rechtsakt. Ganz im Gegenteil: Die österreichische Grenze ist doch nur einen guten, gekonnten Steinwurf oder Hüpfer entfernt. In einem Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Österreich ist ein Mitspracherecht für die angrenzenden österreichischen Gemeinden geregelt. Wenn wir die Konzession brauchen sollten, dann wird dann das Thema relevant sind. Im Moment ist das aber kein Thema für uns.

AANet: Besteht für den Flughafen Altenrhein eine Betriebspflicht?
Unternährer: Wir haben ein Betriebsrecht, aber keine Betriebspflicht. Das ist ein sehr großer Unterscheid. Rechtlich gesehen sind wir ein privates Flugfeld mit Betriebsrecht, aber eine Pflicht zum Betrieb haben wir nicht.

AANet: Im Match um Wien-Passagiere gab es neben Peoples zwei Mitbewerber. InterSky hat den Rückzug auf der Strecke Friedrichshafen-Wien angekündigt. Werden Sie dadurch mehr Passagiere bekomen?
Unternährer: InterSky hat den Besitzer gewechselt und diese werden sich sicherlich dabei etwas gedacht haben. Mehr möchte ich dazu aber nicht kommentieren.


Flugzeuge am Peoples-Business-Airport Altenrhein.

AANet: Was macht für Sie gute Frequenzen für Geschäftsreisende aus?
Unternährer: Ein Flug ist kein Flug. Es bedarf zumindest guter Tagesrandverbindungen.

AANet: Im Moment wird Ihr Embraer-Jet in Wien bei „Niki Technik“ gewartet. Niki wird in Kürze mit der Ausflottung der Embraer-Flugzeuge beginnen. Hat das Auswirkungen für Sie?
Unternährer: Das stimmt. Unter der Woche kann man da immer wieder was machen, aber besonders am Wochenende. Die Maschine steht am Samstag in Wien und kommt am Sonntag am Abend wieder nach Hause nach Altenrhein. Da kann man viele Checks und Wartungen machen. Natürlich beobachten wir die Flottenplanung bei „Niki“ sehr genau, aber ein Wartungsbetrieb verliert nur weil ein Muster ausgeflottet wird seine Zulassung nicht und wir sind nicht der einzige Embraer-Kunde bei „Niki“. Im Moment planen wir gerade einen Base-Check unserer Maschine im August vor. Das Flugzeug steht planmäßig für rund drei Wochen in der Wartung und das ist absolut planbar und voraussehbar. Wir planen jetzt schon ein Ersatzflugzeug für diese drei Wochen im Wetlease anzumieten. Der Termin des Base-Checks kommt uns auch sehr gelegen, denn die Monate Jänner, Feber, Juli und August sind traditionell die schwächsten Monate, weil das Aufkommen der Geschäftsreisenden sehr gering ist. Das sind aber alles planbare Dinge und jetzt evaluieren wir schon welches Flugzeug wir bei wem für die Zeit des Base-Checks mieten werden.

AANet: Wohin möchte Peoples wachsen?
Unternährer: Auf der Linie nach Wien werden wir nicht weiter wachsen können. Wir werden wie bisher auch und eventuell auch etwas vermehrt einzelne Charter fliegen. Unser Embraer 170 ist für den klassischen Kettencharter nicht geeignet und wir können und wollen hier mit anderen Anbietern auch nicht konkurrieren. Einzelne Charter fliegen war aber gerne. So haben wir eine Hochzeitsgesellschaft geflogen oder das Stadtheater St. Gallen nach Dresden gebracht. Einzelne Reisen machen wir gerne, aber Ketten können wir nicht zu konkurrenzfähigen Preisen anbieten und wollen das auch nicht einmal. Wir setzen auf ein moderates Wachstum im Bereich der Business-Aviation, aber dieser Markt ist doch sehr schwierig planbar. Die Flugzeuge kommen und gehen wann sie wollen. Langfristig setzen wir aber auf unser bewährtes und funktionierendes Geschäftsmodell. Einen Flottenausbau oder andere Spielereien wird es bei uns einfach nicht geben. Wir brauchen keine große Flugzeugflotte, denn diese könnte unser gut funktionierendes Konzept zu Nichte machen. Man muss am Boden der Realität bleiben und darf sich nicht von aberwitzigen Ideen verleiten lassen.

AANet: Welches Erlebnis in Ihrer bisherigen Laufbahn hat Sie besonders bewegt?
Unternährer: Ein lustiges Ereignis wie meine Vorredner habe ich nicht auf Lager, aber dafür etwas, das mich zutiefst bewegt hat. Ich habe früher eine Firma in Südafrika geleitet und bei der Lizenz für den Flughafen bin ich durch alle Behördeninstanzen durch und war dann bei Nelson Mandela. Als ich bei ihm saß fragte er mich, ob ich wisse wer gestern auf diesem Stuhl gesessen habe. Das wusste ich natürlich nicht und er sagte mir, dass hier gestern Bill Clinton gesessen habe und er morgen den Nächsten fragen werde, ob er wisse, dass ich hier gesessen habe. Das hat mich sehr bewegt und wird mir immer in Erinnerung bleiben.

AANet: Vielen Dank für das freundliche Interview, Herr Unternährer.


 
News Regional News International Feature Forum Im Focus Home Newsletter Jobs Facebook Links