Zynisch: Eurowings wirbt schon um Niki-Mitarbeiter

Feiert Kranich-Tochter das Grounding mit einer Minus-25-Prozent-Aktion?

Airbus A320 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Kaum musste die österreichische Niki in Deutschland Insolvenz anmelden, prescht Eurowings mit Jobcastings für die ehemaligen Niki-Standorte hervor und Lufthansa-Vorstandsmitglied Thorsten Dirks betont regelrecht zynisch: "Wir setzen unseren Wachstumskurs fort".

Das Verhalten, das Lufthansa mit dieser Aussendung an den Tag legt, dürfte für die rund 1.000 Niki-Mitarbeiter ein regelrechter Schlag ins Gesicht sein und nicht als Barmherzigkeit interpretiert werden, denn noch ist nicht klar wie es bei Niki weitergehen wird und die umstrittene Eurowings Europe steht schon als neuer Arbeitgeber parat.

Doch es wird noch grotesker: Zufälligerweise fanden sich bereits am gestrigen Vormittag auf der Eurowings-Homepage Rotationen, die mit Fluggerät des Typs A321, operated by Eurowings Europe, geplant waren und das schon mehrere Stunden bevor bei Niki der Flugbetrieb eingestellt wurde.

Man könnte spekulieren, dass Lufthansa zu keinem Zeitpunkt ernsthaft an einer Übernahme von Niki samt Personal interessiert war, sondern sich lediglich die Flugzeuge unter den Nagel reißen wollte und das Personal soll sich dann nach der Pleite schön brav wie die Air-Berlin-Kollegen neu um die Jobs bewerben. Ein Niki-Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden möchte, vermutet gar, dass die Konditionen bei Eurowings nochmals schlechter als bei Niki sein könnten.

Feiert Eurowings das Niki-Grounding mit Minus-25-Prozent-Sonderaktion ?!?!

Die Arbeiterkammer und die Gewerkschaft GPA-DJP warnen Beschäftigte der insolventen Niki ausdrücklich davor voreilige Entscheidungen zu treffen und bieten kostenfreie Beratungen für die Opfer des abgekarteten Spiels an. 

Doch der schon fast ekelhafte Zynismus, den Eurowings an den Tag legt, ist noch zu toppen: Niki stellte in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag den Flugbetrieb ein. Laut dem Leiter der Bundeswettbewerbsbehörde Theodor Thanner und der EU-Kommission wären weder die Einstellung des Flugbetriebs, noch der Insolvenzantrag notwendig gewesen. Bis Ende nächster Woche hätte noch eine Lösung gefunden werden können, doch Lufthansa wollte das nicht. Aus den Äußerungen der beiden Behörden ist zu interpretieren, dass Lufthansa die österreichische Niki am Boden sehen wollte. Dazu kommt, dass bereits am gestrigen Nachmittag ein deutscher Regierungssprecher das Aus für Niki verkündete, was absolut fragwürdig ist.

Dem nicht genug, denn Eurowings begrüßte den Donnerstag, also den Tag 1 nach dem Niki-Grounding, eiskalt mit einer Minus-25-Prozent-Aktion, die ausschließlich an diesem Donnerstag gültig ist. In Kombination mit den Aussendungen, dass Eurowings neue Mitarbeiter sucht und Beschäftigte der Air Berlin Group bevorzugte Behandlungen erhalten würden, ist dies schon fast eine zynische Feier der Vernichtung eines weiteren Mitbewerbers.



Screenshot aus dem Eurowings-Newsletter vom 14.12.2017 (Grafik: Eurowings (Screenshot)).

Nur 500 Air Berliner wechselten bislang zu Eurowings

Eurowings stolziert sich in der Aussendung damit, dass man in den letzten Wochen rund 500 Mitarbeiter, die vormals für Air Berlin tätig waren, eingestellt habe. Wenn man aber bedenkt, dass fast 10.000 Menschen neue Jobs suchen, ist das ein fast lächerlich geringer Anteil. Auch wird verschwiegen, dass die Opposition im deutschen Bundestag diverse Anträge einbrachte, die dazu führen sollen, dass sich der Bundestag mit dem Umstand befasst, dass es für Air-Berliner, die zu Eurowings wechseln angeblich um bis zu 40 Prozent weniger Lohn geben soll. Für diese Art der Sicherung von Existenzen versenkte die deutsche Bundesregierung 150 Millionen Euro und umstrittene Politiker wie Alexander Dobrindt stolzierten auch noch damit, dass der "deutsche Champion Lufthansa" gestärkt werden müsse.

"Ab sofort werden wir eine Vielzahl weiterer Stellen an unseren Standorten in Deutschland, aber auch in Österreich und Spanien anbieten", sagt Lufthansa-Vorstand und Eurowings CEO Thorsten Dirks. Konkret sucht Eurowings Personal für ihre Stationen in Düsseldorf, Köln, Stuttgart, München, Wien, Salzburg und Palma de Mallorca. Wie bereits erwähnt handelt es sich zufälligerweise um Standorte, an denen viele Niki-Mitarbeiter stationiert waren. Korrekterweise muss angegeben werden, dass nicht jeder der genannten Orte von viel Niki-Personal gesegnet war und es sich auch um Stationen von Eurowings handelt, an denen der Carrier schlichtweg mehr Mitarbeiter sucht, was sein absolut legitimes Recht ist.

"Die Eurowings Group setzt ihren Wachstumskurs im europäischen Luftverkehr fort. Die Low-Cost-Airline der Lufthansa Group wird weiter stark organisch wachsen und zahlreiche neue Mitarbeiter direkt rekrutieren. In den vergangenen Wochen hat Eurowings bereits mehr als 500 Mitarbeiter eingestellt, darunter auch viele Flugbegleiter und Piloten der insolventen Air Berlin", schreibt Eurowings in einer Aussendung. Die Wortwahl "organisches Wachstum" bedeutet unmissverständlich, dass der von Lufthansa-Chef Carsten Spohr vor einigen Tagen in den Raum gestellte Plan B gezogen werde. Die 20 Niki-Jets samt Personal solle man nicht überbewerten, so der Chef-Kranich damals.

"Dass bei allen Bewerbern die Vorerfahrung – unter anderem bei der Vergütung – berücksichtigt wird, sei selbstverständlich. Wir bieten sichere Arbeitsplätze zu attraktiven Bedingungen in der am schnellsten wachsenden Airline Europas", so Thorsten Dirks weiters.

"Ehemalige Mitarbeiter der Air Berlin inklusive ihrer Tochtergesellschaften können dabei als Bewerber ein verkürztes Auswahlverfahren durchlaufen. Eurowings wird bereits nächste Woche drei Info-Veranstaltungen („Recruiting Days“) anbieten: am 19. und 20. Dezember in Wien sowie am 21. Dezember in Düsseldorf. Bei diesen Veranstaltungen sollen bei entsprechender Eignung bereits Einstellungszusagen gemacht werden. Die Veranstaltungen finden jeweils morgens ab 10 Uhr im NH Vienna Airport Conference Center statt", so Eurowings in einer Medienerklärung, die sich damit offensichtlich gezielt an Niki-Mitarbeiter wendet.

Luftfahrtgesellschaft Walter bereits faktisch unter Lufthansa-Kontrolle

Während der Kranich Niki wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen hat und der Gläubigerausschuss der Air Berlin sämtliche anderen Angebote für die Übernahme der Niki im ersten Anlauf zu Gunsten von Lufthansa ausgeschlagen hat, will man die Luftfahrtgesellschaft Walter, die bislang als Lohndumping-Anstalt für Air Berlin fungierte, weiterhin übernehmen. Der Air-Berlin-Wetlease-Auftrag soll übrigens auf Walter übertragen werden. Auch fliegen bereits zahlreiche Dash 8-Q400 im Auftrag der Lufthansa Gruppe. Kurz gesagt: der Kranich verfügt bereits über Walter und das obwohl kein grünes Licht für die Übernahme da ist. Im Gegenteil: da ein Gesamtpaket eingereicht wurde, gab es auch dafür kein grünes Licht.

Um das beheben zu können, bemüht sich Lufthansa weiterhin um Zugeständnisse: Wir sind bereit, auf zahlreiche Slots zu verzichten, um eine Freigabe durch die EU Kommission zu erreichen – unsere überarbeiteten Zusagen haben wir gestern in Brüssel eingereicht", sagt Dirks. Im Zuge der angestrebten Übernahme der LGW sollen, vorbehaltlich der Zustimmung der zuständigen EU-Kommission, alle 870 Mitarbeiter des Unternehmens mit ihren bestehenden Arbeitsverträgen zur Eurowings kommen.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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