Zwei weitere Germania-Firmen sind pleite

Nur Verkauf von Assets angestrebt. Tickets bleiben wertlos, Personal müsste sich gegebenenfalls neu bewerben.

Airbus A319 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Die Pleite der Germania Fluggesellschaft mbH zieht weitere Kreise, denn wie der Insolvenzverwalter mitteilte musste nun auch die Konzernmutter Germania Beteiligungsgesellschaft mbH, die sich bis zuletzt vollständig im Eigentum von Germania-Fluggesellschaft-Geschäftsführer Karsten Balke befand, ebenfalls den Gang zum Insolvenzrichter antreten. Selbiges musste Germania Reisen GmbH machen.

Zum Insolvenzverwalter der beiden Folge-Pleiten wurde Rüdiger Wienberg bestellt, der bereits bei Germania-Fluggesellschaft und den beiden Technikschwestern seitens des Amtsgerichts Charlottenburg eingesetzt wurde. Wienberg zu den Ursachen der Pleiten der Holding und des Reiseveranstalters: "Hintergrund der Insolvenzanmeldung sind Verbindlichkeiten gegenüber den operativen Gesellschaften." Bulgarian Eagle und die kürzlich verkaufte Germania Flug AG sind von den Insolvenzen nicht betroffen.

Verkaufspläne erinnern stark an Air Berlin: Nicht die ganze Firma, sondern nur Assets.

Ein Verkauf von Germania-Fluggesellschaft "am Stück" wird nicht angestrebt, sondern der Insolvenzverwalter verhandelt laut Medienmitteilung mit drei Investoren, die an einer Übernahme des operativen Geschäftsbetriebs der Airline und ihrer beiden Technik-Schwestern interessiert sein sollen. Die Assets sollen dabei auf eine "insolvenzfreie" Firma übertragen werden. Dieses Vorgehen bezeichnet Wienberg als "übertragende Sanierung".

"Kommt es zu einer Übertragung des Flugbetriebs, würde dieser von dem Investor kurzfristig wieder hochgefahren und von der neuen Gesellschaft fortgeführt. Damit dies trotz des vor drei Wochen vom Luftfahrtbundesamt (LBA) verhängten „Groundings“ möglich ist, setzt sich Wienberg weiterhin intensiv dafür ein, die nötigen luftfahrtrechtlichen Genehmigungen sowie die wesentlichen Slots zu sichern.", ist in einer Aussendung des Insolvenzverwalters zu lesen. Bedingt durch der Betriebsgenehmigung werden die Slots bereits durch die deutsche Fluko neu vergeben. Allerdings hatte Germania nie viele Start- und Landerechte an heiß begehrten Airports wie Düsseldorf, so dass die Neuverteilung keinesfalls mit der Pleite von Air Berlin vergleichbar ist.

Tickets bleiben wertlos

„Bei einer übertragenden Sanierung übernimmt der Investor nur den Geschäftsbetrieb, nicht die Verbindlichkeiten des Unternehmens“, stellte der vorläufige Insolvenzverwalter klar. „Ansprüche von Passagieren auf Beförderung oder auf Rückerstattung gestrichener Flüge bleiben nach geltendem Insolvenzrecht zwingend Teil der Insolvenzmasse.“ Anders ausgedrückt bedeutet dies, dass Germania-Tickets bei einem möglichen Verkauf der Assets weiterhin ungültig bleiben und ein möglicher Käufer diese weder anerkennen noch erstatten muss.

Ein ähnliches "System" wurde beim Verkauf der Niki-Assets an die Laudamotion GmbH gewählt. Dabei wurden die von Niki Lauda gekauften Assets auf den damaligen Business-Carrier übertragen, während von Air Berlin ausgestellte Niki-Flugscheine nicht mitübernommen wurden

Ein weiteres Manko an dieser Lösung ist die Tatsache, dass das abschreckende Beispiel Air Berlin / LGW gezeigt hat, dass trotz eines offensichtlichen Betriebsübergangs dieser bestritten werden kann. Dies hätte für das Germania-Personal die Konsequenz, dass diese sich - ähnlich wie ihre Kollegen von Air Berlin - um ihren bestehenden Job neu bewerben müssten. Auch bei Niki versprach Niki Lauda zunächst, dass er sämtliche Mitarbeiter übernehmen werde, jedoch wurde letztlich nur einem Teil der einstigen Belegschaft ein Angebot auf Übernahme gemacht. Hinzuzufügen ist auch, dass durchaus einige Ex-Niki-Mitarbeiter freiwillig zur Anisec Luftfahrt GmbH wechselten.

Dieser unangenehme Umstand für die Germania-Mitarbeiter könnte nur dadurch vermieden werden, wenn die den Kaufverträgen ein Betriebsübergang festgehalten wird. Angesichts der verschiedenen Beispiele, die sich in Deutschland und anderen EU-Ländern in den letzten Jahren bei Airline-Pleiten ereignet haben, ist es eher unwahrscheinlich. Anzunehmen ist, dass ein möglicher Käufer der Germania-Assets nichts von einem Betriebsübergang wissen will, denn dadurch lassen sich bestehende Tarifverträge aushebeln. Es liegt nun also auch am Insolvenzverwalter auch eine tragfähige Lösung in Form eines Betriebsübergangs zu finden, sofern er sich mit einem der drei Investoren einig wird.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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