Zahlungsanstände: LH kündigt Laudamotion-Leasingverträge

Ryanair behauptet jedoch, dass die Lufthansa Group bei Laudamotion mit 1,5 Millionen Euro in der Kreide stehen würde.
Update: 13. Juli 2018, 15 Uhr 30.

Neun Jets der A320-Famile (im Bild: A321) least Laudamotion von Lufthansa, die nun den Vertrag wegen angeblicher Zahlungsanstände kündigte (Foto: www.AirTeamImages.com).

Die Deutsche Lufthansa AG behauptet in einer Aussendung, dass die österreichische Fluggesellschaft Laudamotion GmbH ihren Zahlungsverpflichtungen bezüglich der neun A320/A321, die der Ryanair-Ableger vom Kranich-Konzern least, "zuletzt zum wiederholten Male nicht wie vereinbart" nachgekommen wäre.

Für Laudamotion könnte es jetzt ganz hart kommen, denn: "Da auch bei der Eurowings Gruppe aktuell Bedarf an Flugzeugen besteht, hat Lufthansa von ihrem mit Laudamotion für den Fall eines Vertragsverstoßes vereinbarten Kündigungsrecht Gebrauch gemacht und die Leasingverträge für neun Flugzeuge aufgrund nicht erfolgter Zahlung gekündigt."

Laudamotion-Geschäftsführer Andreas Gruber erklärte auf Konfrontation mit der Behauptung von Lufthansa: "Ich weise entschieden zurück, dass es Zahlungsanstände gibt. Laudamotion hat alle Zahlungen immer geleistet. Das ist seitens Lufthansa ein fingierter Kündigungsgrund, um die Flugzeuge für Eurowings zu bekommen."

Ein Sprecher der Deutschen Lufthansa AG wollte auf Detailfragen nicht näher eingehen und erklärte hierzu kurz und knapp: "Laudamotion ist den vertraglich vereinbarten Zahlungsverpflichtungen zuletzt zum wiederholten Male nicht wie vereinbart nachgekommen." Die Leasingverträge wären gekündigt worden, da laut Lufthansa die Fluggesellschaft Laudamotion ihren Zahlungsverpflichtungen aus den Leasingverträgen wiederholt nicht vertragsgetreu nachgekommen wäre.

Ryanair erklärt hierzu: "Laudamotion ist derzeit vom Vorgehen der Lufthansa bedroht, die versucht, neun Flugzeuge, die die Lufthansa als Auflage durch die EU-Kommission an Laudamotion für die Wiederaufnahme des Betriebs zur Verfügung stellen musste, wieder abzuführen."

Laudamotion klagt in London gegen den "blauen Brief"

Lufthansa kündigte die Verträge und Laudamotion klagt dagegen. Als Gerichtstand ist in den Vereinbarungen London festgelegt, so dass kommende Woche dort eine Anhörung stattfinden wird. Laut Andreas Gruber klagt Laudamotion gegen die Kündigung. Ein Sprecher der Deutschen Lufthansa AG erklärt: "Lufthansa und Laudamotion befinden sich in einer rechtlichen Auseinandersetzung über die Wirksamkeit der Kündigung nach englischem Recht. Die Verhandlung findet in London statt."

"Unsere Rechtsanwälte kümmern sich darum und haben ein entsprechendes Verfahren gegen die Kündigung seitens Lufthansa in die Wege geleitet. Kommende Woche findet in England vor Gericht eine Anhörung statt. Weiters wurde eine Einstweilige Verfügung erlassen. Der Flugbetrieb von Laudamotion ist in keiner Art und Weise beeinträchtigt. Wir fliegen ganz normal wie immer.", so Andreas Gruber. "Nebst der Klärung vor Gericht ist das auch eine wettbewerbsrechtliche Angelegenheit. Wir haben daher auch eine Beschwerde bei der EU-Wettbewerbskommission eingebracht."

Schuldet Eurowings der Laudamotion 1,5 Millionen Euro? Lufthansa: Nein!, Laudamotion/Ryanair: Ja!

Laudamotion-Mehrheitseigentümer Ryanair meldete sich bezüglich der Sachlage zu Wort und erhebt schwere Vorwürfe gegen Lufthansa. Beispielsweise soll nicht Laudamotion der Lufthansa Group Geld schulden, sondern die Lage soll genau umgekehrt sein: "Die Lufthansa Group verzögert die Zahlung von mehr als 1,5 Millionen Euro an Wet-Lease-Gebühren, die Laudamotion für Flüge, die sie im März, April und Mai für die Lufthansa bedient haben, zustehen."

Angesprochen auf die Frage wofür die 1,5 Millionen Euro eigentlich sein sollen, sagte Laudamotion-Chef Andreas Gruber: "Es handelt sich um unbezahlte ACMI-Raten, die Eurowings bis heute nicht an Laudamotion bezahlt hat. Es besteht kein Zusammenhang zwischen der ACMI-Forderung gegen Eurowings und der Kündigung von Lufthansa, die wir anfechten. Eine Aufrechnung erfolgt also nicht."

Ein Sprecher der Deutschen Lufthansa AG weist gegenüber Austrian Aviation Net die behauptete Forderung von Laudamotion gegenüber Eurowings zurück: "Eurowings hat alle vertraglich geschuldeten Zahlungen an Laudamotion getätigt." Nähere Angaben machte der Medienreferent nicht.

Beide Seiten bezichtigen sich der Lüge

Bezüglich der Flugzeuge schreibt Ryanair in einer Aussendung: "Lufthansa hat versäumt, zwei der elf Flugzeuge, die sie gemäß der Entscheidung der EU-Wettbewerbskommission für die Übernahme von Air Berlin hätten übergeben müssen, zu liefern. Die Auslieferung einiger Flugzeuge, zu der Lufthansa sich verpflichtet hat, verzögert sich bis nach der Sommersaison 2018, was die Möglichkeiten von Laudamotion weiter einschränkt, Slots zu bedienen und Flüge sowie Services für den Sommerflugplan 2018 anzubieten.  Laudamotion ist nur durch das Wet-Leasen von 10 B737-Flugzeugen von Ryanair in der Lage, eine Flotte von 19 Flugzeugen im Sommer 2018 zu bedienen. Ryanair bekennt sich weiterhin dazu, durch diese Investition in Laudamotion den Wettbewerb und die Angebotsvielfalt auf dem österreichischen, deutschen und spanischen Markt zu erhöhen. Darüber hinaus hat Ryanair die Wettbewerbsbehörden dazu aufgerufen, dem wiederholten Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung durch die Lufthansa Einhalt zu gebieten, der dem Wettbewerb und den Verbrauchern schadet."

Lufthansa entgegnet: "Die Behauptungen entbehren jeder Grundlage. Richtig ist, dass Lufthansa alle Auflagen der EU-Kommission bezüglich der geforderten Weitergabe von Flugzeugen an Laudamotion vollständig erfüllt hat. Dies betrifft sowohl die Anzahl der Flugzeuge als auch die vertraglich vereinbarten Leasing-Konditionen. Laudamotion wurden alle Flugzeuge, die von der EU-Derogation-Entscheidung erfasst waren, von Lufthansa zum Kauf angeboten. Dies hatte Laudamotion abgelehnt und ein Leasing der Flugzeuge vorgezogen."

Die Behauptungen der Lufthansa würden - so Andreas Gruber - jeder Grundlage entbehren und wären unwahr. Laudamotion-Chef Gruber verweist im Gespräch mit Austrian Aviation Net darauf, dass sich die Sache zwischen Lufthansa und Laudamotion schon länger hinziehen würde. "Lufthansa klagte gegen die Anordnung der EU-Kommission, dass die Flugzeuge zu marktüblichen Konditionen an uns verleast werden müssen. Die Klage wurde zurückgezogen und nun macht Lufthansa mit fingiertem Kündigungsgrund offensichtlich einen neuen Anlauf die Jets zurückzubekommen und vielleicht bei Eurowings einzusetzen. Von einem Kaufangebot seitens Lufthansa weiß ich nichts, falls es dies gegeben hat, war das noch vor meinem Eintritt bei Laudamotion und meiner Berufung zum Geschäftsführer. Tatsache ist jedoch, dass wir noch immer nicht alle Flugzeuge, die vertraglich vereinbart wurden, von Lufthansa übergeben bekommen haben und hier werden beispielsweise technische Gründe angegeben."

"Wir begrüßen die Entscheidung der EU-Kommission, die geplante Übernahme von 75 Prozent der Anteile an Laudamotion durch Ryanair zu genehmigen. Ryanair bekennt sich weiterhin dazu, in den Märkten Österreich, Deutschland und Spanien durch unsere Investition in Laudamotion mehr Wettbewerb, Angebotsvielfalt und günstige Preise zu ermöglichen. Wir fordern die EU-Wettbewerbskommission auf, Maßnahmen zu ergreifen und weitere Versuche der Lufthansa zu unterbinden, den Wettbewerb durch verbraucherfeindliches Verhalten zu beeinträchtigen", erklärt Juliusz Komorek, Chief Legal & Regulatory Officer von Ryanair.

Lufthansa betont: "Laudamotion ist den vertraglich vereinbarten Zahlungsverpflichtungen zuletzt zum wiederholten Male nicht wie vereinbart nachgekommen." - "Stimmt nicht", sagt Laudamotion-Chef Andreas Gruber dazu.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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