WKO-Reisebüroverband: Niki-Insolvenz war vermeidbar

Forderung nach Absicherung von Flugscheinen erneuert.

Airbus A321 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Die Standesvertretung der heimischen Reisebüros, Fachgruppe Reisebüros in der Wirtschaftskammer Österreich, übt heftige Kritik am Ablauf der Niki-Insolvenz und wirft vor, dass binnen kurzer Zeit ein profitables Unternehmen zum Spielballs unterschiedlicher Interessen wurde und damit ruiniert wurde. Weiters wird die Forderung nach einer verpflichtenden Insolvenzabsicherung von Flugtickets erneuert.

Die WKO schreibt dazu: "Nach den Insolvenzen von Air Berlin und der britischen Monarch Airlines steht mit Niki innerhalb weniger Monate eine weitere europäische Airline vor dem Aus. Besonders schlimm ist, dass die Einstellung des Flugbetriebes ohne Vorankündigung praktisch über Nacht und vor den äußerst gut gebuchten Tagen rund um den Jahreswechsel erfolgt ist. Verschärfend kommt dazu, dass mit NIKI eine in der Vergangenheit profitable Airline zum Spielball von Air Berlin, Lufthansa etc. wurde und diese Insolvenz vermeidbar war."

Der Niki-Masseverwalter spricht von insgesamt 200.000 bezahlten Tickets, die betroffen sind. Dazu kommen noch über 200.000 Tickets vor allem von Reisebüros und Reiseveranstaltern, die noch nicht bezahlt sind, aber für die die Reisebranche kostenintensiven Ersatz suchen muss bzw. angebotene Reisen nicht durchgeführt werden können. Während sich Reiseveranstalter und Reisebüros für ihre Pauschalreisekunden in dieser Krisensituation unermüdlich und auf eigene Kosten um Alternativen kümmern und Ersatzflüge für die Heimreise organisieren, sind tausende Reisende, die direkt bei der Airline bzw. auf deren Website gebucht haben, völlig auf sich allein gestellt. Sie müssen sich ihre Heimreise selbst organisieren, bezahlte Tickets verlieren ihre Gültigkeit, allfällige Forderungen müssen beim Masseverwalter geltend gemacht werden.

"Seit Jahren tritt der Fachverband der Reisebüros daher gemeinsam mit dem Europäischen Dachverband ECTAA dafür ein, dass EU-weit auch alle Fluggesellschaften eine Insolvenzabsicherung vorweisen müssen. Wie die Airlines-Konkurse der letzten Zeit zeigen, ist dies dringender denn je. Es ist geradezu unverantwortlich, dass die EU-Kommission hier bisher noch nicht tätig geworden ist", kritisiert Fachverbandsobmann Felix König. "Während jedes noch so kleine Reisebüro eine Absicherung vorlegen und sich beim Wirtschaftsministerium registrieren lassen muss bzw. maximal 20 Prozent des Reisepreises als Anzahlung nehmen darf, gibt es eine solche Verpflichtung für Airlines mit vielen tausenden Kunden täglich und 100 prozentiger Vorauszahlung nach wie vor nicht. Hier wird ganz offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen."

Durch die neue Pauschalreiserichtlinie wird diese Verpflichtung ab dem kommenden Jahr weiter verschärft und auf praktisch alle Reisebüros ausgeweitet. "Wir freuen uns, dass nun auch die Vertreter des Konsumentenschutzes die Notwendigkeit einer verpflichtenden Insolvenzabsicherung für Airlines erkannt haben und hoffen auch in Brüssel auf Unterstützung bei diesem Thema", so König.

Autor: Jan Gruber
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Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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