WKO: "Branchen-KV würde Anisec und Wizzair überfordern"

Wirtschaftskammer befürchtet, dass sich der IAG-Ableger und die ungarische Billigfluggesellschaft aus Wien verabschieden werden und rund 500 Arbeitsplätze verloren gehen könnten.

Airbus A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

Der Vorsitzende der ÖGB-Teilgewerkschaft Vida, Roman Hebenstreit, wiederholte in den vergangenen Tagen unmissverständlich seine Forderung nach einem Branchen-Kollektivvertrag für alle in Österreich stationierten Fluggesellschaften und erhob dabei durchaus schwere Vorwürfe in Richtung Wirtschaftskammer. Zwar ist der jüngste Anlassfall bei Lauda zwischenzeitlich mittels einer Betriebsvereinbarung gelöst, jedoch schwieg die WKO bislang. Dies ändert sich nun, denn die Arbeitgebervertretung warnt vor „überzogenen Forderungen“.

„Wir haben mit den individuellen Kollektivvertrags-Lösungen in der Luftfahrt-Branche bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. Das zeigt die jüngste erfreuliche Einigung zwischen Ryanair und Laudamotion. Es ist daher unverständlich, warum die Gewerkschaft nun von dieser Linie abgeht. Das hat keinen sachlichen Hintergrund, sondern möglicherweise mit den Wahlen Ende September zu tun“, kommentiert Manfred Handerek, in der Wirtschaftskammer Österreich für die Berufsgruppe Luftfahrt zuständig.

Weiters verweist der WKO-Funktionär darauf, dass die Gewerkschaft Vida mit Streik-Ankündigungen und der geplanten Satzung des AUA-Kollektivvertrags für sämtliche Luftfahrtbetriebe die Beschäftigten in der Airlinebranche verunsichern würde. Dazu Handerek: „Damit verunsichert die Gewerkschaft die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller österreichischen Airlines und versucht, sie gegeneinander aufzuwiegeln. Die überzogenen Forderungen der Gewerkschaft könnten vielen Flugbegleitern und Piloten ihren Job kosten und gefährden letztlich den Airline-Standort Österreich.“

Weiters verweist die Wirtschaftskammer in einer Medienmitteilung darauf, dass Branchen-Kollektivverträge im internationalen Vergleich „unüblich“ wären. Auch befürchtet man, dass Anisec und Wizzair als Newcomer in Wien mit einem Branchen-KV oder einer „zwangsweisen Satzung des AUA-KVs“ überfordert sein könnten. Wir haben in der österreichischen Luftfahrt für rund 8000 Beschäftigte einen Kollektivvertrag. Für jene rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die derzeit noch nicht von einem KV erfasst sind, sind wir in guten Gesprächen. Die Eigentümer von in Österreich stationierten Billig-Airlines werden nicht zögern, den Standort in Wien zu schließen und Wien von außerhalb Österreichs zu versorgen“, so Manfred Handerek. An die Gewerkschaft appelliert die WKO jedenfalls weiterhin den Verhandlungsweg zu wählen.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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