Wizzair eröffnet Basis in Wien

Wer bei der Buchung gut aufpasst, kann Geld sparen. Wer nicht, der zahlt kräftig drauf.

Die Flughafenfeuerwehr begrüßte den ersten in Wien stationierten A320 der Wizzair standesgemäß (Foto: Felix Hofer).

Die ungarische Billigfluggesellschaft Wizzair eröffnete am Donnerstag offiziell die Basis am Flughafen Wien-Schwechat. Am Donnerstag und Freitag werden zusätzlich zu den bereits seit einigen Wochen bedienten Routen wie Varna und Danzig unter anderem Valencia, Rom-FCO, Malta, Bari und Tel Aviv aufgenommen.

Das Unternehmen gibt an, dass man in Wien rund 570 Millionen U.S.-Dollar investieren würde. Durch die Stationierung von insgesamt fünf Airbus-Jets würden direkt und indirekt 200 neue Arbeitsplätze in Österreich entstehen. Bis Frühjahr 2019 will Wizzair insgesamt 30 Routen in 22 Länder ab Wien-Schwechat aufnehmen. Total sind dies laut Angaben des Carriers 2,2 Millionen Sitzplätze pro Jahr.

Das Unternehmen befindet sich - ähnlich wie Mitbewerber Laudamotion, Anisec, Austrian Airlines, Eurowings Europe und Easyjet Europe - derzeit intensiv auf Personalsuche. Der nächste Bewerbertag von Wizzair wird am 21. Juni diesen Jahres in Wien stattfinden. Für die Erbringung der Ground Services Dienstleistungen entschied sich Wizzair für Flughafen-Wien-Mitbewerber Celebi. Der heimische Abfertiger mit türkischem Background ist seit einigen Jahren in Österreich tätig und erbringt in Wien Dienstleistungen für zahlreiche Airlines.


George Michalopoulos, CCO Wizzair (Foto: Felix Hofer).

"Wir sind stolz, die Eröffnung einer neuen Wizz-Basis in Österreich am Flughafen Wien zu feiern. Die ersten Flüge von Wizz Air ab Wien starteten im April und jetzt eröffnen wir weitere fünf neue Verbindungen", so George Michalopoulos, Chief Commercial Officer bei Wizz Air. "Bis 2019 wird unser neuer Stützpunkt in Wien mehr als 200 lokale Arbeitsplätze bei Wizz schaffen, und die neuen Destinationen, die dem Netzwerk hinzugefügt wurden, bedeuten eine noch größere Auswahl für die österreichischen Passagiere von Wizz, Europa zu wirklich günstigen Tarifen über ein Netz von 30 Strecken in 22 Länder zu entdecken"

Beim Buchen bitte hellwach sein und den Taschenrechner bereithalten

Das Tarifsystem der Billigfluggesellschaft Wizz Air ist branchenüblich mit einem Baukasten vergleichbar. Reisende haben die Wahl den reinen Flug zu wählen, jedoch sind keinerlei Nebenleistungen - mit Ausnahme der Mitnahme eines Handgepäckstücks, das masximal 55x40x23 cm abmessen darf - inkludiert. Wer ein zweites Handgepäckstück, das maximal 40x30x18 cm groß sein darf, mitnehmen möchte, muss den Zusatzbaustein "Wizz Priority" buchen. Dieser kostet - je nach Flugstrecke - mindestens sechs Euro und inkludiert auch bevorzugtes Einsteigen beim Boarding.

Eine Besonderheit bei Wizzair, aber auch bei Ryanair und Laudamotion, ist, dass die Mitnahme des ersten Handgepäckstücks in die Flugzeugkabine nur dann garantiert wird, wenn der Priority-Baustein erworben wird. Für Vielflieger keine Neuigkeit, jedoch gerade in der Urlaubszeit für Wenigflieger sicherlich eine interessante Zusatzinformation: Wenn man kein Priority erwirbt bedeutet das nicht, dass das Handgepäckstück am Check-In-Schalter abgegeben werden muss. Falls die Verladung in den Frachtraum erforderlich ist, werden direkt am Gate entsprechende Tags angebracht und das Handgepäckstück wird in den Frachtraum geladen. Je nach Zielflughafen kann dieses dann vor dem Flugzeug oder am Kofferband wieder abgeholt werden. Zusatzkosten enstehen hierfür nicht.


Foto: Felix Hofer.

Wizzair verrechnet wie nahezu alle Airlines, die auf der Kurz- und Mittelstrecke tätig sind, für die Aufgabe von Gepäckstücken - damit ist nicht das Handgepäck gemeint - eine kräftige Zusatzgebühr, die ebenfalls streckenabhängig ist. Eine eindeutige Aussage wie viel bei Wizzair die Beförderung eines Gepäckstücks kostet, ist daher nicht möglich.

Besonders wichtig ist für Reisende, die mit Wizzair, Ryanair, Laudamotion oder anderen Billigfluggesellschaften unterwegs sind, dass der Check-In zuvor über den Computer oder die entsprechende Handy-App erfolgen muss. Für die Nutzung des Schalters fallen horrende Extra-Kosten an, die Passagiere durch den Online- oder Smartphone-Check-In vermeiden können. Bitte keinesfalls den Ausdruck oder das Smartphone mit der Boardkarte in der App vergessen, denn selbst für das Ausdrucken am Airport bitten Billigfluggesellschaften zur Kasse.

Bordcatering von Gategourment nur bar oder mit Visa/Mastercard zahlbar

Essen und Trinken sind bei Wizzair selbstredend nicht im Flugpreis inkludiert. Es gibt auch keine Möglichkeit dieses vorab zu buchen. Beispielsweise bietet Eurowings eine Tarifklasse an, in der ein kleiner Snack und ein Getränk inbegriffen sind. Die ungarische Billigfluggesellschaft verkauft Speisen und Getränke an Bord jedoch nicht selbst, sondern im Namen und auf Rechnung der Gate Gourment Switzerland GmbH. Ein typisches Bordmenü, das aus einem belegten Baguette, einem alkoholfreien Getränk und einem Schokoriegel besteht, kostet 6,50 Euro. Bezahlt werden kann in bar mit Euros oder aber mit Kredit- und Debitkarten der Marken Visa und Mastercard. Hierzu ein Hinweis: Außerhalb des deutschsprachigen Raums geben Banken in der Regel Debitkarten unter den Brands "Debit Mastercard" und "Visa Debit" aus und nicht wie beispielsweise in Österreich und Deutschland üblich Maestro bzw. Vpay. Dies hat indirekt zur Folge, dass die österreichische Bankomatkarte (Maestro/Vpay) seitens Gate Gourment Switzerland GmbH nicht als Zahlungsmittel akzeptiert hat. Wer keine Kreditkarte (Visa oder Mastercard) bzw. die jeweilige Debit-Variante davon hat, kann jedoch auf das gute alte Bargeld ausweichen.


Die übliche Begrüßungstorte war selbstverständlich gratis (Foto: Felix Hofer).

Wer extra zahlt darf früher einchecken

Eine weitere Besonderheit bei Wizzair liegt abermals beim Check-In. Reisende, die eine kostenpflichtige Sitzplatzreservierung erwerben, können ihre Flüge bereits gefühlte Ewigkeiten vor dem Abflug einchecken und die Bordkarten ausdrucken oder auf ihr Smartphone laden. Wer dafür jedoch kein Geld ausgeben möchte, kann erst rund 48 Stunden vor Abflug einchecken. Eine Ausnahme bilden hierfür jedoch Rückflüge, die unter dem selben PNR (Buchungsnummer) gebucht sind, denn diese können auch ohne extra einen Sitzplatz erwerben zu müssen, gleichzeitig mit dem Hinflug eingecheckt werden.


Foto: Felix Hofer.

Wichtig ist für Reisende, die mit Wizzair reisen, dass man sich ausreichend Zeit nimmt, um sich mit den Bestimmungen der Airline ausführlich vertraut zu machen. Dies kann nicht nur viel Geld sparen, sondern auch am Gate Frust und Ärger sparen. Wizzair bietet mit dem so genannten Discount-Club ein kostenpflichtiges Kundenbindungsprogramm an, das auf jeden Oneway-Flug mindestens 10 Euro Rabatt pro Person bieten soll. Weiters werden Vergünstigungen bei der Aufgabe von Gepäck gewährt. Die kleine Variante, die für eine Person und einen Mitreisenden gilt, kostet 29,99 Euro pro Jahr und kann sich daher bei zwei Personen, die mit Wizzair hin und zurück fliegen, bereits lohnen. Daher der gut gemeinte Ratschlag: bei der Buchung ausreichend Zeit nehmen und alle Möglichkeiten am besten mit dem bereits bereitliegenden Taschenrechner durchrechnen, denn das kann kräftig Geld sparen. Das Kalkül vieler Fluggesellschaften ist leider, dass sich die Passagiere nicht ausreichend mit den Bestimmungen und Vergünstigungsmöglichkeiten befassen und Reisende somit mehr bezahlen als eigentlich notwendig wäre. Wizzair ist da ganz gewiss kein Einzelfall, denn selbst selbsternannte Premium-Carrier setzen genau auf diese Tollpatschigkeit, um Körberlgeld kassieren zu können.

Wizzair bietet wie viele andere Mitbewerber auch Tarifklassen an, bei denen die Mitnahme von Gepäck schon inkludiert ist oder aber eine Stornierungs- und Umbuchungsmöglichkeit besteht. Diese sind entsprechend teuer als die billigste Tarifklasse ohne Extras, ausgenommen ein Stück Handgepäck. 

Wien will mit Wizzair und Mitbewerbern kräftig wachsen

Der Flughafen Wien will unter anderem mit Wizzair kräftig wachsen. Das Segment Low-Cost war am größten heimischen Airport jahrelang unterdurchschnittlich vertreten, jedoch durch die Expansionen von Wizzair, Laudamotion, Volotea, Eurowings, Vueling, Easyjet und anderen Anbietern, ändert sich die Situation nun. Julian Jäger, Vorstand der Flughafen Wien AG, rechnet gar mit einer Verdoppelung der Anzahl der Reisenden in diesem Segment.


George Michalopoulos, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und Julian Jäger hoffen auf möglichst viele Fluggäste (Foto: Felix Hofer).

"Wizz Air setzt in diesem Jahr bedeutende Wachstumsimpulse am Flughafen Wien. Die neue Basis und das breite Streckennetz mit bis zu 30 buchbaren Destinationen ab Wien bis 2019 stärken den Luftverkehrsstandort Wien und schaffen Wertschöpfung. Vor allem die vielfälitgen Flugangebote nach Osteuropa, aber auch zu mitteleuropäischen Destinationen und Urlaubszielen, bieten attraktive Reisemöglichkeiten für Geschäfts- und Urlaubsreisende. Städte wie Eindhoven, Danzig, Tuzla, Cluj, Valencia, Kutaissi, Ohrid, Niz, Billund, Bergen, Kharkiv und Malmö sind mit Wizz Air gänzlich neu ab Wien erreichbar", so Jäger anlässlich der Basis-Eröffnung von Wizzair am Donnerstag.

Die ungarische Billigfluggesellschaft gibt ihre Start-Preise für Wien mit 19,99 Euro an. Dieser Preis kann durch eine Mitgliedschaft im Discount-Club auf 9,99 Euro gedrückt werden. Anlässlich der Basiseröffnung bietet das Unternehmen exklusiv für Flüge ab Wien 20 Prozent Rabatt an. Dieser gilt allerdings nur noch bis Mitternacht.

Autor: Jan Gruber
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Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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