Willie Walsh: "Das Ertragsumfeld für Anisec hätte besser sein können"

IAG-Konzernchef lässt österreichischen Flugbetrieb in den Niederlanden und weiteren europäischen Ländern kräftig wachsen.

IAG-Chef Willie Walsh am Flughafen Wien (Foto: Martin Metzenbauer).

Der Aufbau der Level-Flugbetriebe in Paris-Orly (OpenSkies) und Wien (Anisec) verursachte der International Consolidated Airlines Group S.A (IAG) erhebliche Kosten, wie Konzernchef Willie Walsh vor Analysten zugegeben hat. In Wien ortet der Manager zusätzlich ein äußerst niedriges Preisumfeld, rechnet jedoch damit, dass sich dies im kommenden Jahr wieder stabilisieren wird. Allerdings „schnupft“ die IAG die Anlaufverluste sehr gerne weg, denn für Anisec hat Walsh große Expansionspläne mit neuen Bases außerhalb Österreichs. Wien ist also nur ein sehr kleiner Teil in einem ganz großem IAG-Plan.

„Die Einnahmen der anderen IAG-Fluggesellschaften haben die Kosten für die Inbetriebnahme von Level in Paris-Orly und Wien absorbiert. Unser Netto-Einkommen vor außergewöhnlichen Umständen stieg in den letzten neun Monaten um mehr als neun Prozent“, so IAG-Generaldirektor Willie Walsh.

Ein interessanter Umstand ist, dass der Level-Flugbetrieb, betrieben von Franchisenehmer Anisec, in den ursprünglichen Plänen der IAG gar nicht enthalten war. Walsh deutete hierzu an, dass es sich um eine schnelle Reaktion auf den insolvenzbedingten Marktaustritt von Niki gehandelt habe. Dieser wäre in einer enormen Geschwindigkeit umgesetzt worden.

„In Wien ist viel Kapazität vorhanden. Die damit verbundenen Kosten spiegeln sich in den Zahlen wieder. Das ist absolut kein außergewöhnlicher Gegenstand. Ich weiß, dass Ryanair in diesem Jahr, glaube ich, 150 Millionen Euro als außergewöhnliche Kosten identifiziert hat, die mit der Akquisition und dem Betrieb von Niki, nun Laudamotion, verbunden sind. Und aus dem, was ich so gehört habe erwarten sie, dass es im nächsten Jahr ausgeglichen sein wird. Es ist viel Kapazität spät auf den Wiener Markt gekommen, was die Rendite deutlich belastet hat. Das kann und wird so nicht weitergehen. Die Konsumenten in diesem Markt hatten also einen echten Gewinn in diesem Jahr, denn in Wien wurden viele Strecken sehr günstig, aber ich rechne damit, dass sich das Preisumfeld 2019 normalisieren wird und wir sehen bereits Anzeichen dafür. Das Nachfrageumfeld ist also gut. Ich denke, dass das Ertragsumfeld hätte besser sein können, wenn die Leute den Yield hätten managen können, aber man hat immer diese Herausforderung, wenn man etwas spät anfängt und etwas völlig Neues anfängt. Es braucht eben etwas Zeit, um sich anzupassen. Ich denke, wir werden es im Verlauf des ersten und zweiten Quartals des nächsten Jahres besser wissen. Aber wir sind uns sicher mit dem, was wir sehen, und mit dem, was unsere Wettbewerber unserer Ansicht nach auf diesem Markt tun werden“, so Walsh.


Airbus A330 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Zu möglichen Lieferverzögerungen der für Langstrecken von Aer Lingus und Level bestimmten A321LR sagte der Manager: „Wir überwachen die Situation in Bezug auf weitere zu erwartende Lieferverzögerungen, aber in Bezug auf die Positionierung von Level und Aer Lingus denke ich, dass wir uns sehr wohl fühlen und sehr zufrieden sind. Paris war etwas schwieriger als wir erwartet hatten. Und ich kann wahrscheinlich nicht kommentieren warum das so ist – gegenüber niemandem, es gibt einen Unterschied zwischen Paris in Frankreich und Barcelona in Spanien. Es war interessant, einige Reaktionen auf den Start von Level in Paris zu sehen.“

Weiters führte Walsh aus, dass in den jüngst präsentierten Konzernzahlen im Vergleich mit dem Vorjahr einige Dinge nun enthalten sind. Auch musste man auf den einen oder anderen marktbedingten Schritt reagieren, wie der IAG-Chef erklärte: „Und im vierten Quartal gab es einige Dinge, die nicht in der Basis waren, und ich möchte nur einige davon hervorheben. Wir haben jetzt in diesem vierten Quartal reflektiert: Die Aer Lingus-Wet-Lease-Operation von zwei Flugzeugen auf London City-Dublin, die nicht in der Basis und nicht in unseren ursprünglichen Plänen war, auch nicht in den ursprünglichen Plänen. Ebenso transatlantisch bei Aer Lingus. Sie sind also täglich nach Los Angeles geflogen und fünfmal wöchentlich nach Toronto geflogen. Und Sie haben vielleicht gesehen, dass Ethiopian, die Dublin-Los Angeles bei ihrem Tech-Stop in Dublin verkauft haben, nun den Verkauf von Dublin-L.A eingestellt hat. Auch im vierten Quartal dieses Jahres nicht geplant oder in der Basis war der Level-Betrieb in Wien mit den vier A321, die wir dort betreiben.“

Dennoch hat der Ausbau der Billigmarke Level in Barcelona, Paris-Orly und Wien durchaus – nebst den hohen Anlaufkosten in Frankreich und Österreich – seinen Beitrag zum Konzernergebnis geleistet. Laut Walsh haben diese zwar die Marge etwas beeinflusst, jedoch konnte dies von den anderen Airlines kompensiert werden und er geht davon aus, dass die Konzerngewinnprognose um rund 200 Millionen Euro auf 2,95 Milliarden Euro angehoben wird.

„Es ist auch eine Erweiterung des Level-Netzwerks. In gewisser Weise zeigt dies in gewisser Weise das Verhältnis zwischen Kapazität und Einheitenumsatz, den durchschnittlichen Einheitenumsatz, den wir erzielen. So ist es besonders attraktiv. Ich vermute, dass es für uns attraktiver ist als für einige unserer Mitbewerber. Dies ist eindeutig eine Chance, die wir kurzfristig voll ausschöpfen möchten, aber das allgemeine Umfeld ist im Moment gut“, erklärt Willie Walsh.

Level-Kurzstrecke wird nach Amsterdam gebracht


Airbus A321 (Foto: Thomas Ramgraber).

Die Marke Level soll auf der Kurzstrecke nach Wien auch auf andere Flughäfen gebracht werden. Das nächste Ziel wird das niederländische Amsterdam sein, wo drei Maschinen des Typs Airbus A320 stationiert werden sollen. Hierfür sucht der künftige Basis-Betreiber, die österreichische Anisec Luftfahrt GmbH, bereits Piloten und Co-Piloten. Aufgenommen werden nicht nur Flugzeugführer mit Typerating, sondern jenen ohne A320-TR wird angeboten, dass die Kosten bei dreijährigem Kündigungsverzicht übernommen werden.

Der Vertrieb wird – genau wie in Wien – über die Systeme der Konzernschwester Vueling organisiert werden. Zu den Routen, Preisen und zum Starttermin will sich die International Airlines Group zu einem späteren Zeitpunkt äußern Die Basis in Amsterdam soll jedenfalls lediglich der „Startschuss“ einer größer angelegten Kurzstrecken-Expansion mit weiteren Level-Stützpunkten sein. Für die Durchführung der Flüge von „Level Shorthaul“ wird die heimische Anisec Luftfahrt zuständig sein.

Hinter dem Ausrollen der Marke Level auf außerspanischen Bases steckt auch ein handfester Tarifkonflikt zwischen spanischen Pilotenvertretern und Vueling. Die Gewerkschafter drohten wiederholt mit Streiks, da sie befürchten, dass über im Ausland stationierte und von Anisec betriebene Flugzeuge bestehende spanische Tarifverträge umgangen werden könnten. Die IAG löste dieses Problem äußerst kreativ, jedoch vollkommen legal: Anisec war ursprünglich eine Vueling-Tochter, doch seit einigen Monaten ist der heimische Flugbetrieb eine Konzernschwester des spanischen Billigfliegers, denn die Anteile werden von der selben IAG-Holding gehalten, die Vueling vollständig besitzt. Aus rechtlichen Gründen befindet sich die Mehrheit von Anisec im Eigentum einer Privatstiftung, die juristisch gesehen keinen Eigentümer hat. Eine solche Konstellation findet sich übrigens auch bei Austrian Airlines und Eurowings Europe.

Im zweiten Schritt wird anstatt der Marke Vueling das neue Brand Level genutzt, um mit den Kurzstreckenflügen die Langstreckenangebote bekannter zu machen. Langfristig ist ohnehin geplant die Level-Transatlantikflüge auch auf anderen europäischen Flughäfen – nebst Paris-Orly und Barcelona – auszurollen, so dass eine Art „Vorbau“ in Form eines Feedernetzes unter der gleichen Marke erstellt wird.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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