Wien: Zeitgleiche Betriebsversammlungen sollen für Chaos sorgen

Gewerkschaft will den AUA-Kollektivvertrag für Lauda, Anisec, Eurowings Europe und Wizzair durchsetzen.

Foto: Thomas Ramgraber.

Die Betriebsräte der Fluggesellschaften Lauda, Eurowings Europe, Anisec, Austrian Airlines und Wizzair wollen in sehr naher Zukunft zeitgleiche Betriebsversammlungen bei den zuvor genannten Airlines abhalten. Dies wurde laut einer Mitteilung der Gewerkschaft Vida am Mittwoch bei der gemeinsamen Krisensitzung, die aufgrund der geplanten Roster-Änderungen bei Lauda kurzfristig einberufen wurde, beschlossen.

Während der Lauda-Betriebsrat und die Gewerkschaft am Mittwoch tunlichst darauf achteten, dass durch die Informationsveranstaltungen für das fliegende Personal keinerlei Beeinträchtigungen im Flugbetrieb entstehen, soll dies bei den nachfolgenden Betriebsversammlungen anders sein. Allein der Umstand, dass diese bei allen in Wien stationierten Airlines zeitgleich stattfinden sollen, zeigt, dass man darauf abzielt, dass auch die Passagiere erhebliche Beeinträchtigungen ihrer Reisepläne verspüren werden. Das wäre auch so beabsichtigt und würde schlichtweg in der Natur der Sache liegen, sagte Vida-Gewerkschafter Anton Fuszko. Auch wollte er nicht explizit ausschließen, dass diese Versammlungen außerhalb der Ferienzeit durchgeführt werden. Es ist also damit zu rechnen, dass diese noch im August 2019 einberufen werden könnten.

Die geplanten Maßnahmen sollen auch den Druck auf die Wirtschaftskammer erhöhen, denn diese soll sich laut Gewerkschaft seit vielen Jahren strikt weigern einen Branchen-Kollektivvertrag abzuschließen. Die Folge daraus ist auch, dass beispielsweise die Beschäftigten von Anisec überhaupt keinen Kollektivvertrag haben, allerdings wurden die Verhandlungen nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden wieder aufgenommen. Die aktuellen Pläne bei Lauda scheinen für die Vida nun also eine Art „gefundenes Fressen“ zu sein, um branchenweit erheblichen Druck zu machen.

Antrag an das Sozialministerium: AUA-KV soll für alle gelten

Hierzu kündigte die Gewerkschaft auch eine weitere konkrete Maßnahme an, denn der KV der Austrian Airlines soll durch einen Antrag an das Bundessozialministerium für alle Airlines gültig erklärt werden. Dass gerade jener dieser Airline ausgewählt wurde, wird damit begründet, dass der AUA-KV jener mit den höchsten Sozialstandards wäre. Sofern das Ministerium dem Antrag, der innerhalb der nächsten 14 Tage seitens der Gewerkschaft gestellt werden soll, folgt, würde dieser auch bei allen anderen österreichischen Fluggesellschaften, insbesondere aber bei jenen ohne Kollektivvertrag Gültigkeit erlangen. Das Ministerium wollte auf Anfrage zu diesem Thema keine Stellungnahme abgeben.

Im Falle einer Ablehnung stehen der Gewerkschaft – wie bei jedem anderen Bescheid auch – entsprechende Rechtsmittel zustehen, der Arbeitgeberseite (sofern diese als Antragsgegner und damit als „Partei“ geführt wird) allerdings auch. Letztlich könnte der Weg zu einem Branchen-Kollektivvertrag eine langjährige gerichtliche Auseinandersetzung nach sich ziehen.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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