Wien: Ryanair droht Lauda mit Eröffnung eigener Basis

Die Österreich-Tochter soll bis 14. August 2019 einen Vertrag mit dem Betriebsrat abschließen, der mehr Effizienz und für das fliegende Personal bringen soll. Andernfalls könnten bis zu 30 Mitarbeiter gekündigt werden und die für den Winterflugplan 2019/2020 angekündigte Expansion in Wien von Ryanair selbst durchgeführt werden. Auch will man weitere Synergiemöglichkeiten innerhalb des Konzerns prüfen.

Die Basis Wien erweist sich als zu teuer für Ryanair, deren Gewinn kürzlich um 21 Prozent geschrumpft ist (Foto: Thomas Ramgraber).

Bei der Ryanair-Tochter Lauda scheint das Geschäftsmodell nachgeschliffen werden zu müssen, denn in einem AviationNetOnline vorliegenden Anschreiben der Geschäftsleitung an die Belegschaft fordert man die Steigerung der Effizienz und droht gleichzeitig mit der Stationierung von Ryanair-Maschinen in Wien. Als Grund wird unter anderem angeben, dass die Homebase Wien Verluste produziere und das Produktivitätsniveau niedrig wäre.

Das Rundschreiben trägt den Titel „Important Business News“ und kündigt signifikante Herausforderungen im Geschäft an. Doch dieses hat es für die Beschäftigten in sich, denn die Geschäftsleitung schreibt, dass die Stationierung vier weiterer Airbus-Jets, die bereits für den Winterflugplan 2019/2020 öffentlich angekündigt wurden, „fraglich ist“, sofern die entsprechenden Maßnahmen nicht durchgesetzt werden können. Ryanair würde dann eine eigene Basis in Wien aufbauen und das geplante Wachstum selbst durchführen. Hierzu sollen vier Boeing 737-800 in Wien stationiert werden, die angeblich billiger und „effizienter“ eingesetzt werden können als jene von Lauda. Diese sollen als Wetlease-Maschinen fliegen.

Der Druck ist hoch, denn bis zum 14. August 2019 soll eine Vereinbarung mit der Belegschaft bzw. dem Betriebsrat erreicht werden, die zur Steigerung der Effizienz führen soll. Andernfalls werde man rund 30 Mitarbeiter des fliegenden Personals kündigen. Sollte man diese abschließen können, wird in Aussicht gestellt, dass der Stellenabbau vermieden werden kann oder zumindest geringer ausfallen wird. Weiters soll diese Maßnahme dazu führen, dass Lauda im Jahr 2020 schwarze Zahlen einfliegen kann.

Auf Anfrage erklärte das Unternehmen dazu gegenüber AviationNetOnline: "Aufgrund der Marktsituation muss sich Lauda wettbewerbsfähig strukturieren um weiter am Standort Wien wachsen zu können."

"Bestzahlender Lowcoster in Wien" scheint nun zu teuer zu sein

Niki Lauda und Michael O’Leary rühmten sich vor rund einem Jahr damit, dass die Fluggesellschaft Lauda der am besten bezahlende Lowcoster am Flughafen Wien wird. Auch ein Kollektivvertrag für die gesamte Belegschaft wurde abgeschlossen, der rückwirkend zum 1. August 2018 gilt. Dieser kann unter diesem Link heruntergeladen werden. Bei einigen Mitbewerbern konnte ein solcher bislang nicht abgeschlossen werden, was die Gewerkschaft regelmäßig heftig kritisiert und einen Branchen-KV in regelmäßigen Abständen fordert.

Konkret sollen die Dienstpläne künftig anders gestaltet werden. Hierbei ist anzumerken, dass man bedingt durch die Übernahme der Niki-Assets auch die bisherigen Methoden des Air-Berlin-Konzerns übernommen hatte. Dort war es unter anderem üblich, dass die Einteilungen des fliegenden Personals keinen fixen Vorausplanungen folgte. Geändert werden soll nun, dass es zu fixen Einteilungen kommt, was beispielsweise fixe freie Tage für Piloten und Flugbegleiter zur Folge hat. Für die Airline soll sich dadurch eine effizientere Planbarkeit ergeben und in weiterer Folge auch für das Personal, das Freizeit längerfristiger planen und gestalten können soll. Auch wird geschrieben, dass sich unterm Strich mehr freie Tage ergeben werden und somit "mehr Lifestyle".

Genau dieser Kollektivvertrag könnte für Lauda nun zu teuer geworden sein. Die Lösung sollen nun über die Flexibilisierung der Dienstpläne. Hierzu ist allerdings die Zustimmung des Betriebsrats und somit der Belegschaft notwendig. Der Mutterkonzern Ryanair ist dafür bekannt, dass man nicht lange herumfackelt und drastische Maßnahmen wie die Schließung von Bases oder ganzer Tochtergesellschaften durchaus in Kauf genommen werden, wenn das Personal nicht bereit ist auf Einschnitte in Kauf zu nehmen.

Lauda muss als Gesellschaft mit beschränkter Haftung unterjährig keinerlei Finanzzahlen veröffentlichen. Lediglich einmal pro Jahr muss die Bilanz im Firmenbuch hinterlegt werden. Im Vorjahr flog man erhebliche Verluste ein, jedoch wurden diese von Ryanair nicht in Form eines Gesellschafterzuschusses oder einer –einlage, sondern in Form eines Darlehens ausgeglichen. Das bedeutet konkret, dass der Carrier mit mindestens 140 Millionen Euro bei seiner Muttergesellschaft in der Kreide steht. Selbst Niki Lauda machte keinen Hehl daraus, dass ohne die Unterstützung von Ryanair sein Carrier möglicherweise kein langes Leben gehabt hätte. Dies lag laut ihm an verschiedenen Umständen, beispielsweise auch am Streit mit Lufthansa um die ehemalige Niki-Flotte, aber auch am enormem Kapitalbedarf. Auch das Jahr 2019 wird – laut wiederholten Aussagen des Lauda-Managements – tiefrot sein. Man rechnet mit einem Verlust in der Höhe von 50 Millionen Euro, jedoch ab 2020 sollen schwarze Zahlen geschrieben werden.

Wien möglicherweise zu teuer für das Ryanair-Geschäftsmodell

Wien scheint aber Ryanair-Chef Michael O’Leary in einer ganz anderen Hinsicht sprichwörtlich auf den Kopf zu fallen, denn der Airport gilt in der Branche als exorbitant teuer, um zufälligerweise den Chef der irischen Airline selbst zu zitieren. Jahrelang wollte O’Leary wegen diesem Umstand nicht nach Wien fliegen, sondern bevorzugte den erheblich günstigeren Flughafen Bratislava. Lauda konnte bislang in Wien von einem so genannten Incentive-Programm profitieren, das insbesondere nach den Pleiten von Air Berlin und Niki geschaffen wurde, um dem Airport-Management die Schmach heftig sinkender Fluggastzahlen ersparen zu können. Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass neue Carrier gewisse Rabatte erhalten, so dass ihnen der Start in Wien erleichtert werden soll. So konnten die IAG in Form ihrer Tochter Anisec, Wizzair, Lauda und zahlreiche andere Anbieter für die österreichische Bundeshauptstadt begeistert werden. Allerdings: Diese Incentive-Programme sind im Regelfall befristet und gelten nicht für die Ewigkeit, weshalb auf absehbare Zeit die Kosten für Lauda und unter anderem die zuvor genannten Mitbewerber steigen werden. Billiger wird es schon allein wegen der Inflation kaum werden.

Aktionäre wollen Dividenden sehen

Ryanair stellt sich in Wien auf einen noch länger andauernden Preiskampf ein und angesichts dessen, dass man gerade selbst viele Probleme am Hals hat, die unter anderem dem Brexit und dem Max-Chaos geschuldet sind, ist es nicht verwunderlich, dass der Konzerngewinn erheblich eingebrochen ist. In Expertenkreisen kam von Anfang an die Frage auf wie lange sich Ryanair den verlustbringenden Markt in Wien leisten wird, allerdings dürften sich die Manager auch die Frage gestellt haben wie lange sich Wizzair und Co dies leisten wollen. Die Frage muss jedoch nun auch lauten: Wie lange darf sich Ryanair aus Sicht der dividendenverwöhnten Aktionäre das Abenteuer Lauda leisten? Der Rotstift wird also im gesamten Konzern angesetzt und bei Ryanair soll Personal abgebaut werden. Daher ist es kaum verwunderlich, dass auf das Management in Schwechat nun ebenfalls Druck kommt die Kosten weiter zu senken. Für die Iren wäre es ein Klax die österreichische Tochter fallen zu lassen, denn Routen, die man weiterhin bedienen könnte, können rasch von Malta Air, Buzz (Ryanair Sun) oder der irischen Mutter selbst übernommen werden. Genau dieses Risiko wurde nun der Belegschaft indirekt – wenn auch nur mit vier Boeing 737-800 – vor Augen gebracht.

Einige Geschäftsbereiche sollen an Ryanair übergehen

Allerdings geht die Lauda-Geschäftsleitung auch explizit in ihrem Anschreiben auf den Gewinnrückgang der Ryanair Group ein, so dass die im vorherigen Absatz geäußerte Mutmaßung nicht ganz an den Haaren herbeigezogen ist. Auch wird erwähnt, dass niedrige Ticketpreise und hohe Treibstoffkosten die Situation gleichermaßen wie „Ineffizienz der Crews“ herbeiführen würden. Man setzt nun auf den Dialog mit dem Betriebsrat und will mit diesem eine Vereinbarung, die zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung führen soll abschließen. Wie eingangs erwähnt könnte es andernfalls zum Stellenabbau kommen und die geplante Stationierung von weiteren vier A320 könnte durch „billigere“ Boeing 737-800 von Ryanair ersetzt werden. Die Zukunft sieht man nur darin, dass man billigere Preise in Verbindung mit geringen Kosten als alle Mitbewerber anbieten kann. Doch nicht nur beim fliegenden Personal soll gespart werden, denn ohne nähere Details zu beschreiben, ist im Anschreiben an die Belegschaft auch die Rede davon, dass einige Geschäftsbereiche „in den nächsten Wochen und Monaten“ an Ryanair abgegeben werden sollen, um weitere Synergien innerhalb des Konzerns nutzen zu können und damit Doppelstrukturen vermeiden zu können. Welche Unternehmensteile konkret betroffen sind, ist nicht bekannt. Hierbei könnte es sich um Teile der Technik oder um Abteilungen, die in der Lauda-Zentrale tätig sind, handeln.

Die nächsten Wochen dürften für die weitere Zukunft der Ryanair-Tochter Lauda also durchaus entscheidend sein. Auch ist damit zu rechnen, dass die Gewerkschaft in irgendeiner Form reagieren wird, denn selten kommt es in dieser Branche vor, dass der Abbau von Personal ohne lautstarken Protest des ÖGB über die Bühne geht. Die Ryanair-Kultur scheint jedenfalls in Schwechat endgültig angekommen zu sein und die finanzielle Geduld der Iren scheint nicht unendlich zu sein, denn diese haben nun eigene Probleme am Hals, die sie im Vorjahr eben in dieser Form noch nicht hatten. Die weitere Entwicklung bleibt daher abzuwarten.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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