Wien: Niki-Flug aus Salzburg gelandet

Beschäftigte suchen fieberhaft nach Alternativen für ihre persönlichen Existenzen.

Foto: Jan Gruber.

Die österreichische Ferienfluggesellschaft Niki, die sich seit Mitte Dezember 2017 in einem zumindest was das Land der Gerichtszuständigkeit anbelangt umstrittenen Insolvenzverfahren befindet, erhob sich wie am Donnerstag berichtet am Freitag in die Lüfte.

Unter der Flugnummer HG 137P wurde der Airbus A320 mit der Registrierung OE-LOC von Salzburg zur Niki-Basis auf dem Flughafen Wien-Schwechat überstellt. Es handelte sich nicht um einen kommerziellen Passagierflug, sondern um einen Übersteller. Die Landung erfolgte um 12 Uhr 58.

In den nächsten Tagen werden weitere Jets der österreichischen Niki nach Wien geflogen. Nähere Einzelheiten dazu im Austrian-Aviation-Net-Bericht vom Donnerstag.

Die OE-LOC ist ein Airbus A320, der vollständig in den Farben der insolventen Muttergesellschaft Air Berlin lackiert ist, jedoch über kleine "Niki-Sticker", unter anderem oben rechts neben der vorderen Eingangstür, verfügt. 

Wie am Donnerstag berichtet, beabsichtigt Vueling eine "neue Niki" unter der Marke Niki abheben zu lassen. Der Verkauf soll bereits Anfang Feber starten und die Übertragung auf die neue Gesellschaft soll am 28. Feber 2018 durchgeführt werden. Allerdings besteht die Möglichkeit, dass ganz abseits von den Streitigkeiten um die Gerichtszuständigkeit die IAG bzw. Tochter Vueling bis zum 28. Feber 2018 vom Kaufvertrag zurücktreten könnte.

Viele Niki-Beschäftigte flüchten in neue Jobs

Im Rahmen des Frühwarn-Systems wurden bereits sämtliche 1.000 Niki-Beschäftigten dem österreichischen Arbeitsmarktservice (AMS) bzw. dem deutschen Pendant Bundesagentur für Arbeit gemeldet. Dem Vernehmen nach sollen 80 Prozent der Beschäftigten in Österreich angestellt sein, während ein kleinerer Teil - rund 20 Prozent - mit deutschen Verträgen in Deutschland beschäftigt werden sollen.

Die Meldung an das AMS bzw. die Bundesagentur für Arbeit ist allerdings keine Schikane seitens der Verantwortlichen, sondern ist ab einer gewissen Betriebsgröße sogar gesetzlich vorgeschrieben, wenn so genannte Massenkündigungen drohen. Diese Maßnahme sieht der Gesetzgeber vor, um den Arbeitsämtern die Möglichkeit zur Vorbereitung geben zu können, da im Ernstfall die betroffenen Mitarbeiter Fristen einzuhalten haben, um ihre Ansprüche zum Beispiel auf Arbeitslosengeld sichern zu können. Wenn die örtlich zuständigen Behörden dann kein zusätzliches Personal - beispielsweise von weniger betroffenen Dienststellen - bereitstellen, würde das totale Chaos ausbrechen.

Ein anderer Grund für die Meldungen an die Arbeitsämter ist allerdings auch in den öffentlich bekannten Plänen von Vueling zu finden. Dem Vernehmen nach ist kein klassischer Betriebsübergang geplant, da wiederholt dazu aufgerufen wird sich bei der neuen Firma zu bewerben. Weiters ist öffentlich die Rede davon, dass lediglich 750 von rund 1.000 Menschen "übernommen" werden könnten. Durch die Vermeidung eines Betriebsübergangs würde die "neue Niki" mit neuen Arbeitsverträgen, jedoch ohne Kollektivvertrag, an den Start gehen. Es ist zumindest nicht ausgeschlossen, - es gibt jedoch noch keinerlei öffentliche Äußerungen seitens Vueling oder der Gewerkschaft zu diesem Thema - dass durch diesen Schritt die Gehälter sinken könnten.

Allerdings: Kein einziger Niki-Mitarbeiter ist in irgendeiner Form dazu gezwungen, dass dieser sich bei der "neuen Niki" bewirbt. Momentan gibt es in Wien überproportional viele Stellen bei verschiedenen Betrieben zu vergeben. Beispielsweise: Wizzair, Eurowings Europe und Austrian Airlines suchen sehr viele Mitarbeiter, so dass den Niki-Beschäftigten Alternativen zur Verfügung stehen. Aus der insolventen Ferienfluggesellschaft hört man durchaus, dass der Arbeitsmarkt sehr eifrig - das ist im Hinblick auf die persönlichen Existenzen der Betroffenen nicht nur verständlich, sondern auch enorm wichtig - sondiert wird.

Egal für welche Option sich die Niki-Beschäftigten entscheiden. Jedem Außenstehenden wird sicherlich klar sein, dass an jedem Arbeitsplatz persönliche Existenzen, ja oft sogar Familien mit Kindern, hängen und der sehnlichste Wunsch nahezu aller Niki-Mitarbeiter ganz simpel ist: Klarheit darüber, ob man abwarten soll oder sich so schnell wie möglich einen neuen Job suchen soll, denn Rechnungen müssen bezahlt werden, eventuelle Kreditraten für Haus oder Wohnung müssen bedient werden und noch viel simpler: Der eigene Magen knurrt und jener eventueller Kinder noch viel heftiger. Allein aus diesem Grund könnte es auch dazu kommen, dass viele Niki-Mitarbeiter so schnell wie möglich für einen neuen Job bei einem anderen Unternehmen unterschreiben, um persönliche Sicherheit für die eigene Existenz und jener der Familie haben zu können. Spielt man diesen Gedanken weiter, ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass Vueling - sofern der Deal klappt - am Ende selbst Personalmangel haben könnte und das Projekt "neue Niki" abblasen könnte.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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