Wien: Demo gegen dritte Piste angekündigt

Aktionstag am 1. Oktober 2016 am Wiener Karlsplatz und am Flughafen Wien.

Bürgerinitiativen organisieren am 1. Oktober 2016 einen Aktionstag gegen die geplante Errichtung einer dritten Runway in Wien-Schwechat (Foto: Jan Gruber).

Die Flughafen Wien AG plant bereits seit langer Zeit die Errichtung einer dritten Piste, die aktuell parallel zu Runway 11/29 errichtet werden soll. Während seitens des Konzerns vom Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und insbesondere Wachstumsmöglichkeiten für die Zukunft die Rede ist, entgegnen Kritiker, dass nicht nur eine zusätzliche Lärmbelastung für Anrainer in der Einflugschneise entsteht, sondern die Piste nicht notwendig wäre und wirtschaftlich nicht tragfähig wäre.

Um die Bevölkerung und Reisende auf mögliche Umweltauswirkungen, die durch eine mögliche Errichtung einer dritten Startbahn in Wien entstehen könnten, aufmerksam zu machen, findet am 1. Oktober 2016 eine Protestkundgebung statt. Hierbei werden laut Veranstaltern rund 500 Teilnehmer ausgehend vom Wiener Karlsplatz zum Flughafen Wien fahren und dort eine Demonstration auf dem Charterbus-Parkplatz abhalten.

Angesprochen auf die hinsichtlich der Wahrnehmung für Reisende etwas ungünstige Lage, erklärte eine Sprecherin der Initiative, dass man behördlich ausschließlich den Charterbusparkplatz bewilligt bekommen habe. Eine Kundgebung direkt vor den Abflugterminals wäre von Seiten des zuständigen Amts nicht zugelassen worden. 

"Der Flughafen Wien liegt verglichen mit jenen von anderen Großstädten sehr nahe an Ballungszentren. Die geplante dritte Flugbahn ist so ausgerichtet, dass die Flüge noch mehr als zuvor direkt über den am dichtesten besiedelten Ballungsraum Österreichs geleitet würden", erklärt Johanna Aschenbrenner-Falt von der Antifluglärmgeschmeinschaft AFLG.

Der Unmut der Bürgerinitativen richtet sich nicht nur gegen die durch eine mögliche Errichtung einer dritten Runway zusätzlichen Fluglärm, sondern auch gegen Bodenversiegelung, Größenwahnsinn und kleinkariertes, wirtschaftliches Denken. So würden die hinter dem Flughafen Wien stehenden, führenden Landespolitiker noch immer von einem großen Hub in Wien träumen, jedoch der Realität nicht in die Augen blicken wollen.

Anzahl der Umsteiger in Wien rückläufig

In der Tat ist Wien im internationalen Vergleich hinsichtlich seiner Drehkreuz-Funktion ein zu vernachlässigender Airport. Die Zahl der Umsteiger ist seit vielen Jahren rückläufig, was jedoch nicht am Flughafen selbst, sondern an veränderten Strategien der ansässigen Airlines liegt. Beispielsweise wurde das einst umfangreiche Osteuropa-Streckennetz der heimischen Austrian Airlines Group äußerst stark dezimiert. Auch werden Verkehre gezielt über München, Frankfurt am Main und Zürich geleitet, was zu Lasten des Umsteigeranteils bei der AUA geht.

Auch bei Niki ist eine solche Entwicklung, wenn auch in wesentlich geringerem Ausmaß zu beobachten. Bei der Air-Berlin-Tochter wurden jedoch hauptsächlich Point-to-Point-Strecken aufgegeben. Die Destinationen sind ersatzweise über deren Drehkreuze Berlin-Tegel und Düsseldorf oder aber über Codesharepartner erreichbar. Der Anteil der Umsteiger, die Niki nach Wien bringt, ist aufgrund der starken touristischen Ausrichtung des Carriers äußerst gering.

Eine regelrechte "Staubsaugerfunktion" nehmen allerdings andere Carrier ein, die ihre Reisenden, vornehmlich Langstreckenfluggäste, in Wien abholen und auf ihren Drehkreuzen, beispielsweise in der Türkei oder der Golfregion, auf Anschlussflüge verteilen. 

Informationen am Karlsplatz und am Flughafen

Im Rahmen des Aktionstages am 1. Oktober 2016 planen die Veranstalter, zu denen auch "System Change, not Climate Change" zählt gemeinsam mit den Bürgerinitiativen gezielt über mögliche negative Auswirkungen, die durch die Errichtung einer dritten Piste in Wien-Schwechat entstehen könnten, zu informieren. Hierbei wurde im Rahmen einer Pressekonferenz auch angedeutet, dass durch die gesteigerte Kapazität in Wien zwar der Wettbewerb unter den Fluggesellschaften gesteigert werden könnte, dies jedoch auch zu Lasten österreichischer Arbeitsplätze in der Luftfahrtbranche gehen könnte.

Interessenten können sich ab 10 Uhr 30 am Karlsplatz während der Radtour zum Flughafen informieren und mit den Argumenten der Initiative vertraut machen oder aber ab 14 Uhr 00 auf dem Charterbusparkplatz des Wiener Flughafens, der sich direkt am Straßenausgang des ÖBB-Bahnhofs "Flughafen Wien" befindet, vor Ort informieren.

Anzumerken ist, dass ein Besuch der Veranstaltung sicherlich interessant ist, um sich selbst eine umfassende Meinung bilden zu können. Sowohl die Argumente für die dritte Piste, als auch jene gegen diese sollten für eine umfassende eigene Meinungsbildung angehört werden. Es ist jedem selbst überlassen, welchen Standpunkt er/sie persönlich einnimmt, jedoch über alle Vor- und Nachteile unter Berücksichtung aller Pro- und Contra-Standpunkte individuell informiert.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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