Wenn sich zwei streiten...

...freut sich möglicherweise die AUA. Zumindest wenn es um den Zwist zwischen Lufthansa-Management und Piloten geht, der kürzlich mittels Schlichtung (mehr oder weniger) beigelegt wurde: Austrian Airlines könnte eine der Konzernfluglinien sein, die "Flugzeuge außerhalb des Konzerntarifvertrags bereedert".

Wenn Lufthansa 40 Flugzeuge "umverteilen" möchte, wird sich die AUA wohl nicht lange bitten lassen, ein paar Maschinen in ihre Flotte zu übernehmen (Foto: Martin Metzenbauer).

Als am Mittwoch dieser Woche die Meldung von der abgeschlossenen Schlichtung zwischen Lufthansa-Management und Piloten die Runde machte, schlug vor allem eine Aussage wie eine Bombe ein: Um die Zusatzkosten durch die Vergütungserhöhung zu kompensieren, "sollen abweichend von der bisherigen Flottenplanung 40 zugehende Flugzeuge außerhalb des Konzerntarifvertrags bereedert werden", hieß es in der Aussendung der Lufthansa. Im Klartext: Flugzeuge, die für Lufthansa gedacht waren, werden zwar im Konzern fliegen - aber bei anderen Airlines und zu billigeren Konditionen als im nunmehr teureren Tarifvertrag.

Wo könnten diese Flugzeuge innerhalb der Lufthansa Group hinwandern? Und um welche Maschinen handelt es sich eigentlich? Das verrät Lufthansa derzeit freilich noch nicht. In den Orderbüchern stehen derzeit jedenfalls 56 Airbus A320neo, 40 A321neo sowie 24 A350-900, bei Boeing sind es 20 777X - also weitaus mehr als die angesprochenen 40 Flugzeuge. Die Bandbreite der Airlines aus dem Konzern, die hier (vermutlich) billiger operieren als die Mainline und zum Zuge kommen könnten, ist jedenfalls groß: Angefangen von der Lufthansa CityLine, die ja bereits ein paar Airbus A340 für die Mutter herumkutschiert, über SunExpress, Eurowings, Eurowings Europe und vielleicht sogar die mittlerweile komplett einverleibte Brussels Airlines - Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat die Qual der Wahl. Oder gründet Lufthansa - wie von Vorstandsmitglied Harry Hohmeister bereits in den Raum gestellt - gar ein neues Unternehmen?

Und natürlich gibt es auch noch Austrian Airlines, die ja dem Vernehmen nach zu den günstigeren "Produzenten" im Konzern zählt. Bei der AUA steht ja schon höchstdringlich ein Rollover der Langstreckenflotte an - die Flugzeuge sind im Schnitt 15 (Boeing 777) und 20 (Boeing 767) Jahre alt. Bislang war immer die Rede davon, dass es ab 2020 so weit sein soll - es wäre also allerhöchste Zeit, die entsprechende Planung zu intensivieren. An sich wurde ja damit gerechnet, dass diese Entscheidung zur Ablöse der älteren Flugzeuge noch 2016 hätte fallen sollen - etwas überraschend ist es dann doch nicht so weit gekommen. Damals wurde kolportiert, dass das Zaudern einerseits mit der (damals) hinausgeschobenen Ticketsteuersenkung zu tun haben könnte. Andererseits wurde auch gemunkelt, dass es vielleicht doch Taktik gegenüber den Mainline-Piloten war, gegen die man ein Druckmittel im Köcher haben wollte. Alles freilich nur Gerüchte...

Tatsache ist hingegen, dass mittlerweile der Startschuss für die Senkung der österreichischen Ticketsteuer gegeben wurde - dies wurde ja von vielen als inoffizielle Voraussetzung für Großinvestitionen der Lufthansa hierzulande gesehen. Und der Lufthansa-Vorstand ist nach der Schlichtung mit ihren Zusatzkosten und dem Statement zur Bereederung außerhalb des Konzerntarifvertrages wohl wenig motiviert, Kapazitäten in die teurere Mainline zu stecken. Stehen also die Zeichen gut, dass die AUA zumindest auf ein paar Widebodies aus der Airbus-A350- oder Boeing-777-Bestellung hoffen darf? Demnächst wird man es wissen.

Das offizielle Statement aus dem AUA-Konzern darauf lautet übrigens: "No comment". Noch.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Austrian Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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