Welcome to Miami!

Der Miami International Airport im Portrait.

Das Northern Terminal und der Concourse J mit überdimensionalem "Miami"-Schriftzug (alle Fotos: Martin Metzenbauer).

Wer den Namen Miami International Airport hört, wird diesen wohl zuerst mit Florida, Urlaub, Sonne, Sand und Meer in Verbindung bringen. Und natürlich ist der in den 1920er Jahren gegründete Flughafen für die meisten Florida-Reisenden der Erstkontakt mit dem tropischen US-Bundesstaat. Aber MIA ist noch viel mehr: Er ist der drittwichtigste Cargo-Airport und der größte, was internationale Fracht betrifft, in den Vereinigten Staaten von Amerika. Er fertigt nach New York JFK die zweitmeisten internationalen Passagiere der USA ab und ist insgesamt der zwölftgrößte Flughafen des Landes. Im Jahr 2015 wurden 44,3 Millionen Passagiere abgefertigt, davon 21,2 Millionen im internationalen Flugverkehr. Mehr als 100 Airlines steuern Miami derzeit an.

Vor 90 Jahren hätte sich wohl niemand gedacht, dass dieses Flugfeld einmal eine solche Größe annimmt. Genauer gesagt waren es eigentlich drei Flugplätze, die es seinerzeit am Areal des heutigen MIA gegeben hat. So wurde 1928 das Pan American Field am nordöstlichen Ende des heutigen Flughafens eröffnet. Der Flugplatz war für damalige Verhältnisse modernst ausgestattet und hatte bereits ein richtiges Terminal. Er war damals auch der einzige Zollflughafen an der US-Atlantikküste.

Die wichtigste Airline vor Ort ist American. Im Hintergrund der 97,5 Meter hohe Tower, der im Jahr 2000 fertiggestellt wurde.

Ein zweiter Flugplatz wurde östlich des Pan American Field gebaut und erhielt den Namen Miami City Airport, 1943 schließlich folgte ebenfalls in der Nachbarschaft das Miami Army Air Field. Heute erinnert nicht mehr viel an damals - kaum mehr ein Bauwerk aus dieser Zeit gibt es noch. Ein interessantes Gebäude hat die Zeiten allerdings - zumindest bis jetzt - überstanden: Das einstige Pan Am Hauptbüro für Florida - ein eleganter Bau aus den 1950er Jahren - steht noch immer. Dort befindet sich heute die Pan Am International Flight Academy, ein großer Anbieter von Aviation Trainings und die einzige noch bestehende Firma aus dem Konglomerat der 1991 untergegangenen Fluglinie.

Am Plan sind die drei parallelen Ost-West-Runways und die schräg verlaufende Start- und Landebahn zu erkennen. Der Terminalbereich ist U-förmig angelegt und besteht aus drei Teilen: einem nördlichen (Concourse D), einem zentralen (E, F und G) sowie einem südlichen (H und J) Bereich (Quelle: FAA).

Heute verfügt der Flughafen über insgesamt vier Start- und Landebahnen, drei davon in Ost-West-Richtung (9/27 - 3.960 Meter, 8R/26L - 3.200 Meter und 8L/26R mit 2.850 Metern), eine geht von Nordwesten nach Südosten (12/30 - 2.620 Meter). Etwa 150 Nonstop-Destinationen werden derzeit angeflogen. Wichtigste Airline vor Ort ist American Airlines, die hier einen ihrer zehn Hubs betreibt. Gemeinsam mit der Tochter American Eagle steuert sie weit mehr als 100 Destinationen - mit Fokus Lateinamerika - von Miami aus an.

Die Terminallandschaft ist U-förmig angelegt. Im unteren Bereich sieht man den exklusiv von American Airlines genutzten Concourse D, den Concourse J - den unter anderem die AUA, Lufthansa und Swiss nutzen - erkennt man oben links.

Neben American sind als weitere Oneworld-Mitglieder British Airways, Air Berlin, Iberia, LATAM und Qatar Airways aktiv. Aber auch das Konkurrenz-Bündnis Star Alliance samt der Lufthansa-Gruppe ist in Miami hochpräsent. So kommt LH täglich mit dem Airbus A380 aus Frankfurt, Swiss fliegt ebenfalls einmal pro Tag mit dem Airbus A330-300 aus Zürich ein. Seit Oktober 2015 ist auch Austrian Airlines zwischen Wien und Miami unterwegs. Derzeit wird die Boeing 767-300ER auf den fünf wöchentlichen Rotationen eingesetzt. Auch Eurowings wird demnächst Flüge aufnehmen: Ab 1. September 2016 geht es mit dem Airbus A330 dreimal wöchentlich von Köln-Bonn nach Miami.

Austrian Airlines kommt fünfmal pro Woche nach Miami. Zu Beginn der Operation setzte man die Boeing 777 ein. Mittlerweile ist man auf die kleinere 767 umgestiegen.

Außerdem fliegen noch folgende Star-Alliance-Fluglinien in Floridas Metropole: Air Canada Rouge, Avianca, Copa Airlines, LOT (saisonaler Charter ab November 2016), SAS (ab September 2016), TAP, Turkish und United Airlines. Und natürlich ist auch die dritte Allianz - das SkyTeam - in Miami vertreten: Aeroflot, Aerolineas Argentinas, Aeroméxico, Air Europa, Air France, Alitalia, Delta und KLM führen ebenfalls Flüge nach Miami durch.

Lufthansa setzt den Airbus A380 täglich von Frankfurt nach Miami ein.

Wie man sieht, gibt es vielfältigste Möglichkeiten, von Europa nach Miami zu reisen. Natürlich ist auch der gesamte amerikanische Kontinent gut angeschlossen. In der Middle-East-Region ist Qatar Airways die einzige Fluglinie, die den Airport ansteuert. Der Flug von Doha nach Miami wird ab September bereits täglich mit der Boeing 777-300ER bzw. -200LR durchgeführt und dauert beachtliche 15 Stunden. Das restliche Asien, Afrika und Australien/Ozeanien werden von Miami aus derzeit nicht bedient. South African Airways ist früher von Kapstadt nach Miami geflogen - über eine Revitalisierung einer Verbindung zwischen Florida und Südafrika wird bereits seit längerem diskutiert.

Ebenfalls stark vertreten ist Avianca.

Die Terminals am Flughafen Miami sind U-förmig angelegt, die einzelnen Bereiche tragen die Bezeichnungen Concourse D, E, F, G, H und J. Einen Concourse I gibt es nicht, weil dies zu Verwechslungen mit der Zahl 1 führen könnte. Die früheren Concourses A bis C wurden abgerissen bzw. in den D-Bereich integriert. Letzterer ist ausschließlich dem Platzhirschen American vorbehalten. Die anderen Airlines verteilen sich auf den Rest der Terminals - die Lufthansa-Gruppe beispielsweise benutzt den Concourse J. Um es noch etwas komplizierter zu machen, wird der Concourse D als North Terminal, die Concourses E, F und G als Central Terminal und die Concourses H und J als South Terminal bezeichnet.

Der mehr als 1,5 Kilometer lange Concourse D dient ausschließlich American Airlines.

Die Gebäude selbst sind von der Gebäudesubstanz teilweise schon recht alt und stammen mitunter sogar aus den späten 1950er-Jahren. Der American-Concourse D wurde von den späten 1990er Jahren über mehr als ein Jahrzehnt stückchenweise um- und ausgebaut. Erst 2014 wurde er komplett fertiggestellt, heute verfügt er über 45 Gates. Das Central Terminal mit 52 Gates wurde 1976 durch einen Satelliten ergänzt, der durch einen People Mover mit dem Hauptgebäude verbunden wird. Am South Terminal schließlich können Flugzeuge an insgesamt 28 Gates andocken - der jüngste Teil Concourse J wurde erst im Jahr 2007 eröffnet.

Austrian Airlines wird wie Swiss und Lufthansa am Concourse J abgefertigt.

Das Central Terminal ist der nächste Bereich, der umfassend um- und ausgebaut werden soll. Vor kurzem wurden einige Gates neu errichtet, ab 2025 soll aber der gesamte Bereich überhaupt neu errichtet werden. Das wird auch notwendig sein, da Miami das zweithöchste Wachstum der amerikanischen Flughäfen aufweist und die entsprechende Infrastruktur benötigt. Schon demnächst sollen am Flughafen vier neue A380-Gates gebaut werden - der Superjumbo wird bereits von Lufthansa, Air France und British Airways eingesetzt. Auch Qatar Airways soll dem Vernehmen nach mit dem Gedanken spielen, mit dem A380 nach Miami zu fliegen.

Swift Air fliegt im Charter unter anderem nach Kuba und in die Dominikanische Republik.

Aus Passagiersicht ist Miami ein durchaus angenehmer Airport. Durch die Anordnung der Concourses kennt man sich relativ schnell aus. Es gibt ausreichend Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten, wobei man letztere nicht mit den Shoppingmalls mit angeschlossener Runway vergleichen kann, die man an anderen Orten der Erde findet. Interessant ist auch der MIA Mover, ein 2011 eröffnetes automatisches Personentransportsystem, das die Passagiere zum rund zwei Kilometer entfernten Rental Car Center und zur Metrorail-Station bringt. Mit dem vorher angesprochenen People Mover und dem Skytrain im Concourse D verfügt Miami damit über drei solcher Systeme, um Passagiere zu transportieren.

UPS betreibt in Miami eine wichtige Basis.

Miami ist wie erwähnt auch im Cargoverkehr ein starker Player. Im Jahr 2015 wurden rund zwei Millionen Tonnen Fracht umgeschlagen - im Vergleich dazu waren es in Wien etwa 272.000 Tonnen. Neben den Laderäumen in regulären Passagierflugzeugen wird der Großteil der Fracht über reine Cargo-Maschinen abgewickelt. UPS und FedEx besitzen große Basen in Miami, viele weitere Fracht-Airlines sind hier ebenfalls tätig. Dies hat übrigens einen guten Nebeneffekt für Flugzeugfans: Als Frachter werden bekanntlich nicht immer nur die allerneuesten Maschinen eingesetzt - daher kann man hier noch Schmuckstücke wie die Boeing 727 oder sogar alte Convairs entdecken.

Eine Boeing 727 von AmeriJet, Baujahr 1977.

Ab Miami gibt es übrigens auch einen recht regen Flugverkehr nach Kuba - obwohl es eigentlich seit mehr als 50 Jahren keine Linienverbindungen gibt. Man bedient sich hier interessanter Charter-Konstruktionen - die Flüge werden dann unter anderem von American, Eastern (ja, es gibt wieder eine Airline mit diesem Namen), Sun Country, Swift oder auch United durchgeführt. Nach der jüngsten Annäherung zwischen den USA und Kuba wird es damit aber vorbei sein - ab Ende August 2016 sollen wieder Linienflüge durchgeführt werden, nachdem sich die Regierungen auf ein entsprechendes Vertragswerk einigen konnten.

Betagte Cargo-Flugzeuge der IFL Group: Im Vordergrund eine Convair CV-580, im Hintergrund eine gestreckte CV-5800.

Wie man sieht, ist der Miami International Airport viel mehr als nur ein Ferienflughafen in einem der beliebtesten Urlaubsziele in den USA. MIA ist sowohl im Passagier- als auch im Frachtverkehr stark - auch deswegen, weil Florida ja nicht nur eine Reisedestination ist, sondern auch einen wichtiger Wirtschaftsraum der Vereinigten Staaten und einen Brückenkopf nach Lateinamerika darstellt.

Auch die MD11 ist in Miami als Frachter zu Gast.

Eine kleine historische Geschichte zum Abschluss: Vor knapp 50 Jahren hätte der Miami International Airport große Konkurrenz in der Nachbarschaft bekommen sollen. Mitten in den Everglades begann man Ende der 1960er Jahre mit dem Bau des "Everglades Jetport" rund 60 Kilometer vom Flughafen Miami entfernt. Er wäre für den damals geplanten US-amerikanischen Überschalljet SST errichtet worden, um die Stadtbewohner vor dem Lärm zu schützen. Nachdem dieses Flugzeug-Projekt 1971 gestrichen wurde, kam auch das Ende für den Jetport. Aus dem geplanten Mega-Flughafen (er hätte der weltweit größte werden sollen) mit sechs geplanten Runways wurde daher auch nicht viel - die vielen Tiere der Everglades werden es danken. Im Kleinformat existiert der Flughafen allerdings doch: Eine 3.200 Meter lange Start- und Landebahn sowie einige Taxiways wurden seinerzeit errichtet. Gelegentlich wird der Airport - der nun Dade Collier Training & Transition Airport heißt - im Pilotentraining angeflogen.



Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Austrian Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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