Walsh: "Level Wien weit hinter den Planungen und Erwartungen"

Wettbewerb in der österreichischen Hauptstadt bringt für Passagiere tolle Angebote, wovon indirekt auch der Flughafen profitiert, jedoch für Airlines sind die Ertragsmöglichkeiten "knallhart".

Der IAG macht der starke Wettbewerb in Wien ordentlich zu Schaffen (Foto: Thomas Ramgraber).

Wien bleibt auch weiterhin das Sorgenkind der IAG im Level-Streckennetz. Die durch die österreichische Anisec Luftfahrt betriebenen Routen ab der österreichischen Hauptstadt befinden sich „deutlich hinter den Planungen und Erwartungen“, erklärte Konzernchef Willie Walsh nach der Präsentation der IAG-Quartalszahlen. Wien ist allerdings nicht die einzige „Baustelle“, sondern auch in Paris-Orly läuft es unter dem Level-Brand – betrieben von OpenSkies – nicht nach Plan.

Level Barcelona – betrieben von Iberia – ist das Vorzeigemodell der International Airlines Group. Hier läuft es laut Walsh bestens und man befinde sich weit über den Erwartungen und Planungen. Die Marke werde nicht nur gut angenommen, sondern die Langstreckenverbindungen wären auch profitabel. Ein weiterer Ausbau ist also nur noch eine Frage der Zeit, denn es werden – so Walsh – diverse „potentielle Routen“ geprüft.

Ganz anders die Situation in Paris-Orly. Hier betreibt die Konzerntochter OpenSkies, die vormals als Business-Langstreckenairline positioniert war, einige Strecken unter dem Level Brand. Willie Walsh erklärte, dass der Wettbewerb in Paris sehr hart ist und gab offen zu, dass sich die Basis Orly weit hinter den Erwartungen befindet. Um eine Art „Fazit“ ziehen zu können, wäre es allerdings noch zu früh. Die Ankündigungen von Corsair International, die kürzlich von Intro Aviation rundum Hans Rudolf Wöhrls Schwiegersohn Peter Oncken übernommen wurde, wollte er nicht kommentieren. Allenfalls: „Der Wettbewerb in Paris ist hart.“

Noch härter als in der französischen Hauptstadt ist die Marktsituation in Wien. Dies räumte Willie Walsh ein und fügte auch hinzu: „Für den Flughafen und die Passagiere ist das auf jeden Fall toll, denn so günstig wie jetzt konnte man ab Wien noch nie fliegen, aber diese Situation ist für Airlines sehr schwierig.“ Und da nimmt er die Konzerntochter Anisec Luftfahrt, die ab Wien und Amsterdam Kurz- und Mittelstreckenflüge unter dem Level-Brand betreibt, nicht aus. Zur Entwicklung in den Niederlanden könne er noch nichts sagen, da die Marke dort erst seit wenigen Wochen auf dem Markt ist, allerdings habe man durchaus positives Kundenfeedback erhalten.

Was für Passagiere in Wien „great offers“ sind, bedeutet im Hintergrund für die Fluggesellschaften einen knallharten Wettbewerb, der in der österreichischen Hauptstadt derzeit ausschließlich über den Ticketpreis geführt wird. „Das hat einen starken Einfluss auf unsere Erträge, aber auch auf jene unserer Mitbewerber“, erklärt Walsh. „Wir befinden uns in Wien weit hinter unseren Planungen und Erwartungen. Die Kundenreaktionen sind sehr positiv und wir haben unser Streckennetz überarbeitet und erweitert. Wir beobachten die Marktlage genau und richten danach unsere weiteren Entscheidungen aus.“

Im Herbst 2018 kündigte Willie Walsh im Rahmen einer Investorenkonferenz an, dass nach Ablauf des zweiten Quartals über die weitere Zukunft der Level-Basis Wien entschieden werde. Bereits damals war Walsh mit der Ertragssituation in Österreich nicht zufrieden. Zu diesem Thema wollte sich der IAG-Konzernchef am Dienstag jedoch nicht weiter äußern.

In Wien entwickelte sich im Nachgang der Pleiten von Air Berlin und Niki ein harter Wettbewerb, bei dem die größten Luftfahrtkonzerne Europas „in den Ring gestiegen“ sind. Lufthansa ist mit ihrer Tochter Eurowings vertreten, Ryanair mit Lauda, die IAG mit Vueling und Anisec und Easyjet, Wizzair, Transavia und Volotea sind ebenfalls präsent. Besonders Lauda und Wizzair befeuern den Wettbewerb mit äußerst günstigen Flugtickets. Dies hat Auswirkungen auf den Mitbewerb, der nachziehen muss oder die Routen einstellen muss. Dass man bei Anisec ein wettbewerbsbedingtes Einnahmenproblem hat, musste die Geschäftsleitung laut Betriebsrat erst vor einigen Wochen zugeben. Zu erwähnen ist allerdings auch, dass Netzwerkcarrier wie Austrian Airlines, Air France-KLM und British Airways ebenfalls auf den Lowcoster-Preiskampf reagieren und wettbewerbsbedingt auf verschiedenen Routen ebenfalls günstigere Tickets anbieten.

Alles in allem bedeutet das, dass in Wien auf wettbewerbsintensiven Routen das Ertragsumfeld aus Sicht der Fluggesellschaften nicht sonderlich rosig ist. Davon profitieren Passagiere, die im einstelligen Euro-Bereich in hoher Verfügbarkeit Tickets erwerben können. Dem gegenüber stehen allerdings Routen, auf denen eines keinen Konkurrenten gibt. Hier ist zu beobachten, dass die Ticketpreise teilweise – besonders bei Netzwerkcarriern – steigend sind. Wizzair und Ryanair, vertreten durch Lauda, könnten sich jedoch auch hier durch ihre Expansionspläne als Preisbrecher erweisen, so dass die weitere Entwicklung abzuwarten bleibt.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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