Vueling und Anisec kassierten extra für SEPA-Lastschriften

Arbeiterkammer prüfte für Aviation Net und kritisiert das Verhalten des spanischen Billigfliegers, über den auch Level-Flüge verkauft werden, heftig. Vueling lenkte nach den Recherchen ein und verzichtet nun auf die umstrittenen Spesen.

Airbus A320 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Die Fluggesellschaft Vueling und ihre österreichische Konzernschwester Anisec, die für den Ticketverkauf unter dem Level-Brand ebenfalls die Webseite der Spanier nutzt, erhoben Zahlungsentgelte, die es im Hinblick auf das österreichische Zahlungsdienstegesetz und EU-Verordnung 2015/751 eigentlich gar nicht geben hätte dürfen. Nach Recherchen von Aviation Net lenkte das Unternehmen ein und passte das Reservierungssystem entsprechend an.

Bei Nutzung der SEPA-Lastschrift wurde es für Reisende teurer als gedacht, denn vor dem Klick auf "jetzt bezahlen" wurde eine Extragebühr nicht ausgewiesen, jedoch war der Betrag auf der Buchungsbestätigung bzw. Rechnung um mindestens 3,80 Euro höher als jener, der mit dem Klick auf "jetzt bezahlen" autorisiert wurde.

Aviation Net hat den Sachverhalt an Hand realer Buchungen dokumentiert und der Konsumentenschutzabteilung der Arbeiterkammer zur Prüfung vorgelegt. Das Ergebnis: Laut Arbeiterkammer ist eine solche Extra-Gebühr unzulässig. Die Konsumentenschützer empfehlen betroffenen Vueling/Anisec-Kunden die für den Zahlungsvorgang kassierten Spesen mittels eingeschriebenem Brief zurückzuverlangen. Auch das Briefporto sollte gleichzeitig eingefordert werden, da sich andernfalls der Aufwand aufgrund der Kosten für ein rekommandiertes Schreiben nach Spanien gar nicht lohnen würde. Die Arbeiterkammer erklärt weiters zu Zahlungsentgelten: "Diese Praktiken auf Flugportalen sind uns bekannt. Da dies nach Ansicht der AK unzulässig ist, laufen dazu derzeit Gerichtsverfahren."

Die Fluggesellschaft Vueling, die für den Betrieb des Portals, über das auch Level-Flüge ab/nach Österreich verkauft werden, verantwortlich ist, bestritt den Umstand nicht, jedoch passte man das Reservierungssystem so an, dass künftig für SEPA-Lastschriften keine "Geisterhand-Gebühr" mehr erhoben werden. Ein Sprecher dazu gegenüber Aviation Net: "Nach Ihrer Anfrage haben wir die Situation untersucht und eine Anomalie im Zusammenhang mit der SEPA-Zahlungsmethode festgestellt. Die Gebühr wurde bereits entfernt."

Gebühr wurde nach dem Klick auf "jetzt bezahlen" ohne Kundenwissen draufgeschlagen

Doch was lief bei Vueling/Anisec konkret schief? Reisende wählen ihre Flugverbindung aus und landen anschließend auf einer Seite, auf der sie die gewünschte Zahlungsform auswählen können. Je nach genutztem Endgerät werden mehr oder weniger Optionen angeboten. Am Desktop-PC wird auch die SEPA-Lastschrift, also die Abbuchung vom Girokonto des Buchenden angeboten. Diese Zahlungsform ist insbesondere in Deutschland weit verbreitet und hat gegenüber der Kreditkartenzahlung den Vorteil, dass bei Unstimmigkeiten ohne Angaben von Gründen eine Rückbelastung möglich ist. Viele Banken bieten dies auch direkt im Internetbanking an.


Mit dem Klick auf "jetzt bezahlen" wurde in diesem dokumentierten Fall eine Summe von 189,96 Euro zur Abbuchung mittels SEPA-Lastschrift vom Girokonto autorisiert. Eigentlich der Endpreis? Nicht so bei Vueling/Anisec... (Grafik: Screenshot vom 6. Jänner 2019, Vueling-Homepage).

Dem Reisenden wird nach der Eingabe seines IBANs und weiterer Daten, die Vueling für notwendig hält, ein Betrag angezeigt, der durch den Klick auf "jetzt Bezahlen" autorisiert wird. Da es sich um den letzten Buchungsschritt handelt ist anzunehmen, dass es sich um den Endbetrag handelt. Dem war aber nicht so, denn auf der Buchungsbestätigung erschien überraschend der Punkt "Gebühr für Kartenzahlung" und der Rechnungsbetrag war gegenüber jenem, der vor dem Klick auf "jetzt bezahlen" angezeigt wurde, um mindestens 3,80 Euro erhöht. An Supermarkt-Kassen würde es durchaus einen großen Aufstand geben, wenn sich zwischen Stecken der Bankomat-Karte und dem Aushändigen der Rechnung der Zahlungsbetrag um 3,80 Euro erhöhen würde oder aber der Kassier einfach mit Absicht um 3,80 Euro zu wenig Wechselgeld zurückgeben würde. Das sah auch Vueling so und lenkte daher - wie erwähnt - ein.


Zur Erinnerung: Mit dem Klick auf "jetzt Bezahlen" wurden 189,96 Euro zur Abbuchung autorisiert. Die Buchungsbestätigung wies nun überraschend 193,76 Euro auf. Zwischen dem "Bezahl-Klick" und der Zusendung der Bestätigungs-E-Mail erhöhte sich der Betrag wie von Geisterhand um 3,80 Euro und der unzulässige Posten "Gebühr für Kartenzahlung" scheint auf, zumal SEPA-Lastschriften gar keine Kartenzahlungen sind (Foto: Screenshot der Buchungsbestätigung vom 6. Jänner 2019).

Die Arbeiterkammer dazu gegenüber Aviation Net: "Wenn ein Händler oder eine Buchungsplattform im Internet verschiedene Bezahlmöglichkeiten akzeptiert, dann dürfen etwa für eine Bezahlung mit einer Kreditkarte keine gesonderten Spesen im Vergleich zu den anderen Bezahlformen verlangt werden. Es muss derselbe Preis verrechnet werden wie bei einer Barzahlung. Es ist im Zahlungsdienstegesetz (ZaDiG) ausdrücklich geregelt, dass ein Händler für die Nutzung eines bestimmten Zahlungsinstrumentes durch den Konsumenten kein Entgelt verlangen darf. Was allerdings zulässig wäre, ist, dass ein Händler Ermäßigungen oder einen anderen Anreiz anbietet, wenn jemand mit einem bestimmten Zahlungsmittel bezahlt, - wenn zB statt einer Überweisung einem Einzug durch eine Lastschrift zugestimmt wird. Konsumenten könnten die Spesen „unter Vorbehalt einer rechtlichen Klärung und Prüfung“ einbezahlen. Diesen Vorbehalt muss man gleichzeitig mit der Bezahlung nachweisbar schriftlich (am besten eingeschrieben) erklären. Ein Vermerk auf dem Zahlschein genügt nicht."


Auch die Rechnung weist den wie von Geisterhand um 3,80 Euro erhöhten Betrag und den nicht gesetzeskonformen Posten "Gebühr für Kartenzahlung", zumal es sich um eine SEPA-Lastschrift handelt, auf (Grafik: Screenshot der Rechnung vom 6. Jänner 2019).

Mitbewerb schaffte Zahlungsgebühren ab

Gebühren für die Bezahlung zu erheben widerspricht nicht nur dem 2009 in Kraft getretenen Zahlungsdienstegesetz, sondern auch der EU-Verordnung 2015/751. Eurowings praktizierte bis zur Medienberichterstattung von Aviation Net im Jahr 2016 aktive SEPA-Diskriminierung, also die Ablehnung von nicht-deutschen IBANs und erhob darüberhinaus in Österreich gesetzlich unerlaubte Zahlungsentgelte. Nach der Berichterstattung und einer Klage des VKI im Auftrag des Sozialministeriums stellte der Lufthansa-Ableger den gesetzeskonformen Zustand her.

Umso verwunderlicher ist es daher, dass Vueling und damit indirekt auch die Level-Konzernschwester Anisec drei Jahre und eine in Kraft getretene EU-Verordnung später noch immer Zahlungsentgelte erheben. Zumindest was die SEPA-Lastschrift anbelangt wird Vueling nun keine Gebühren mehr erheben. Weiterhin Extrakosten werden allerdings für die Bezahlung mittels Paypal und Firmenkreditkarten verlangt, jedoch sind auch diese in Österreich laut Stellungnahme der Arbeiterkammer unter Verweis auf das Zahlungsdienstegesetz eigentlich nicht erlaubt. Wie die AK zuvor ausführte wäre lediglich ein Rabatt bei Verwendung einer vom Händler bevorzugten Zahlungsweise vorstellbar.

Spanische Vueling-Verträge für Anisec-Flüge laut AK "in Ordnung"

Ebenfalls nahm die Arbeiterkammer für Aviation Net den Buchungsvorgang auf flylevel.com unter die Lupe, denn beworben wird in Sujets, Spots und auf Bannern stets diese Domain für die Flüge der österreichischen Anisec Luftfahrt GmbH. Es erfolgt allerdings eine Weiterleitung auf die Homepage von Vueling, wo bei Buchung ein Beförderungsvertrag nach spanischem - und nicht österreichischem Recht - mit Vueling - und nicht Anisec - geschlossen wird. Das bedeutet konkret, dass Ticketinhaber einen Vertrag in Spanien mit einem spanischen Unternehmen eingehen. Eine ähnliche Konstruktion findet sich allerdings auch bei Mitbewerber Laudamotion, wo die irische Ryanair als offizieller Vertragspartner auftritt und irisches statt österreichisches Recht wählt.


Airbus A321 über Palma de Mallorca (Foto: www.AirTeamImages.com).

Die Arbeiterkammer zu Level-Buchungen über Vueling: "Wir haben den Buchungsvorgang auf flylevel.com auf die von Ihnen angeführte Vortäuschung hin überprüft und stellten fest, dass bei Eingabe eines gewünschte Zielflughafens und der Flugdaten nach Anklicken des Feldes „Search“ ein Fenster aufpoppt, in dem der Konsument unseres Erachtens klar informiert wird, dass die „Flüge von unseren Partnern bei Vueling.com verkauft“ werden. Klickt man sodann auf den Button „OK“, so gelangt der Konsument auf die Website von Vueling. Wir sehen in dieser Vorgangsweise keine Täuschung der KonsumentInnen über den Vertragspartner. Sollten KonsumentInnen über die Person des Vertragspartner irren, so kann dies unter bestimmten Umständen rechtlich als sog. Geschäftsirrtum betrachtet werden, der zur Vertragsanfechtung führen kann."

Ein Anisec-Sprecher erklärte bereits gegen Ende des Vorjahres, dass der Ticketverkauf auch weiterhin über die Homepage von Vueling erfolgen soll. Kurzfristig wäre nicht geplant, dass sich an der momentanen Weiterleitungslösung von flylevel.com auf vueling.com etwas ändern soll.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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