Von Niki bis LaudaMotion: Niki Lauda im Gespräch

Der Airliner und dreifache Formel-1-Weltmeister sieht im Interview mit Austrian Aviation Net schwarz für Air Berlin, falls Eurowings die kolportierten 40 Maschinen übernimmt. Seine ehemalige Fluglinie Niki könnte hingegen an TUI verkauft werden. Zufrieden ist er mit seiner Business-Airline LaudaMotion, die er wachsen sehen möchte.

Niki Lauda im Gespräch mit Michael Csoklich.

Für Niki Lauda ist Air Berlin in der derzeitigen Form nicht zu retten. Zu viele Managementfehler sind gemacht worden, zu groß das Eigeninteresse des Haupteigentümers Etihad. "Air Berlin hat sich zu weit vom ursprünglichen Konzept einer Billigfluglinie entfernt", sagt Lauda, und hat in all den Jahren "nie wirklich Geld verdient".

Auf der Suche nach Geld habe Air Berlin mittlerweile fast alle Flugzeuge verkauft. Niki - seit einigen Jahren eine 100-Prozent-Tochter von Air Berlin - gehöre definitiv keine einzige der 22 Maschinen mehr. Weil all diese Flugzeuge vom Käufer zurückgeleast werden, erhöhe das die Kosten deutlich. Deshalb sei man gegenüber Ryanair und easyJet "nicht mehr konkurrenzfähig", so Lauda.

Großaktionär Etihad verfolge statt auf eine Strukturänderung zu drängen "seine eigenen Ziele". So sollen möglichst viele Passagiere ins Drehkreuz Abu Dhabi geflogen werden. Niki muss die Zentrale von Etihad anfliegen, obwohl es günstiger sei, mit Emirates nach Dubai zu fliegen und mit dem Auto weiter nach Abu Dhabi. Auf Air Berlin könnte aber ein weiteres Problem zukommen. Möglicherweise schließt Etihad mit Lufthansa einen (Friedens-)Deal, wonach Lufthansa 40 Flugzeuge von Air Berlin übernimmt - Austrian Aviation Net berichtete. Diese könnten von Eurowings, der Billigschiene von Lufthansa, eingesetzt werden. Ziel: den Markteintritt von Ryanair und easyJet im Fall einer Pleite von Air Berlin zu verhindern.

Airbus von Niki vor dem Headquarter in Wien (Foto: Martin Metzenbauer).

Noch ist zwar nichts fixiert, doch wenn das komme, "bleibt von Air Berlin kaum mehr etwas übrig", befürchtet Lauda, die Fluglinie sei "de facto tot". Was passiert dann mit Niki? Von Lauda gegründet, dürfte Niki heuer möglicherweise erstmals kein Geld mehr verdienen. Zum anderen gebe es Gerüchte, Niki könnte von TUI gekauft werden, sagt Lauda. Damit würde Niki auf eine reine Charterfluggesellschaft reduziert werden.

Zufrieden ist Niki Lauda mit LaudaMotion, sein Unternehmen, das den Betrieb und die Vermietung von Geschäftsflugzeugen in privatem Besitz managt. Darunter sein eigenes und jenes von Toto Wolf. Wer sich noch der Dienste von LaudaMotion bedient, will er nicht sagen. Das Unternehmen mit Lauda als Geschäftsführer macht 40 Millionen Euro Umsatz, beschäftigt rund 70 Mitarbeiter und managt derzeit 16 Flugzeuge. Da will Lauda wachsen. Denn dann gebe es auch günstigere Konditionen für Sprit oder Versicherungen, womit man am Markt wettbewerbsfähiger sei. Lauda fliegt nach wie vor selbst – und will dies auch tun, solange er positive Gesundheitschecks habe.

Kein gutes Haar lässt Lauda am Brexit - ein Thema, das ja auch für die europäische Luftfahrt wichtig ist. Da ging es seiner Meinung nach nur um Befindlichkeiten von Politikern - und jetzt hätten "die Briten den Scherben auf" und die Menschen müssten die "mit Sicherheit negativen Folgen" tragen.
Alleine dass über einen "Öxit" gesprochen wird, hält Lauda "für idiotisch", denn Österreich habe riesige Vorteile in der EU. Er fordert aber, dass sich die EU reformiere, hin zu Mehrheitsentscheidungen. Nur dann könne die EU "schneller, logischer und besser funktionieren".

Autor: Michael Csoklich
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Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Seit 2015 leitet er den LG für Wirtschaftsjournalismus in Krems, ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Austrian Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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