VLM meldet Konkurs an

Flugbetrieb eingestellt.

Fokker 50 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Nach Gläubigerschutz und dem Verlust von Wetleaseaufträgen meldete die belgische Regionalfluggesellschaft VLM beim örtlich zuständigen Gericht Konkurs an. Die Sanierung wäre einem Bericht der Tageszeitung "De Morgen" nach nicht gelungen. Die finanziellen Mittel sollen nicht ausreichend sein.

"VLM bedauert sehr, diese Konsequenzen ziehen zu müssen. Letztlich kamen wir jedoch unausweichlich zu der Erkenntnis, dass die Sanierungsbemühungen seit Januar 2016 zu spät kamen, um die Airline dauerhaft restrukturieren zu können. Die Unsicherheit nach der überraschenden Sperrung von Bankkonten hat zu zahlreichen Kündigungen von Piloten geführt und wichtige Charterkunden haben sich nicht mehr getraut, mittel- und langfristig Flüge zu buchen. Der zweiwöchige Zeitraum zwischen der Beantragung des Verfahrens von Creditor Protection bis zu dessen Bewilligung führte zudem zu einem massiven temporären Einbruch von Buchungen im Linienflugbetrieb, was den Cash Flow zusätzlich negativ beeinflusste", so Firmenchef Hamish Davidson.

Der Flugbetrieb ab Antwerpen wurde am Mittwochvormittag nicht mehr aufgenommen. Die auf der Homebase stationierten Turbopropflugzeuge des Typs Fokker 50 blieben auf dem Boden. In Friedrichshafen konnten die Vormittagsflüge noch durchgeführt werden, wobei zwischenzeitlich auch hier der Betrieb aus finanziellen Gründen aufgegeben werden musste. VLM bestätigte zwischenzeitlich die Einstellung des Flugbetriebs auch offiziell im Rahmen einer Aussendung.

VLM geriet in Gewerkschaftskreisen in heftige Kritik, da dem Vernehmen nach das fliegende Personal unregelmäßig und nicht vollständig bezahlt worden sein soll. Dies soll bereits bei der Aufnahme der Strecken ab dem Bodensee-Airport der Fall gewesen sein, was zu einer erheblichen Fluktuation führte. In weiterer Folge konnte die Airline zahlreiche Flüge, darunter auch der ACMI-Auftrag ab Altenrhein, nicht pünktlich oder teilweise sogar gar nicht durchführen. Erst vor einigen Tagen kündigte VLM gar die Stationierung einer Backup-Maschine am Bodenseeairport an.

Für den Flughafen Friedrichshafen ist das VLM-Grounding bereits die zweite Airline-Pleite binnen 12 Monaten. Im Vorjahr flog InterSky in den Konkurs und nun VLM. Unbestätigten Gerüchten nach soll VLM finanzielle Anreize zur Errichtung der Basis am Bodensee-Airport erhalten haben. Die Destinationen Berlin-Tegel, Düsseldorf und Hamburg stehen nun neuerlich ohne Betreiber da. Wie viele Passagiere diesmal mit wertlos gewordenen Tickets sprichwörtlich auf dem Boden sitzen bleiben, ist noch nicht bekannt.

"Gerade das VLM-Streckennetz ab Friedrichshafen war wesentliches Element der Unternehmenssanierung. Wir sind überzeugt davon, dass sich die drei Strecken von Friedrichshafen nach Düsseldorf, Berlin und Hamburg profitabel betreiben lassen. Für VLM kam diese Chance jedoch zu spät, obwohl sich der Durchschnittsertrag pro Flug von und nach Friedrichshafen von Januar bis Juni 2016 mehr als verdoppelt hat", so VLM-Chef Davidson. Die Regionalfluggesellschaft empfiehlt Reisenden, die auf wertlosen Tickets sitzen, ihre Kreditkartengesellschaft um ein Charge-Back zu bitten. Über diese könnte es, so das insolvente Unternehmen, möglicherweise eine Erstattung geben.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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